Shorter than ever: Day Watch | Funny Games (1997)

von Khitos

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Der zweite Teil der Trilogie, das nächste Abenteuer vom Semi-Helden Anton und die nächste Schlacht zwischen Gut und Böse. Yegor, der eine, Svetlana, die andere große Andere, die die Zukunft der Welt in ihren Händen halten. Sie sind Ausgangs- und Endpunkt für den weiteren Verlauf des heutigen Moskaus. Es ist an der Zeit, dass sich die beiden begegnen, Anton ist natürlich auch mit von der Partie…

Was Timur Bekmambetov mit “Day Watch” wieder für ein grandioses Fantasyspektakel den Zuschauern vor die Füße wirft, wird nicht runtergeschlungen, es wird viel eher jedes visuelle Highlight genossen und mit viel Interesse aufgenommen. Das Zwielicht ist beeindruckend düster, von einer zerstörerischeren Kraft gesegnet, welches die Stadt Moskau in ein geniales, zugleich stylishes Licht wirft. Optisch sind die Kulissen, die Charaktere, besonders die schöne, teufelsgleiche Alisa, perfekt in Szene gesetzt. Schauspieltechnisch gibt es, wie beim ersten Teil, keine Abzüge vorzunehmen, Leitfigur Anton ist immernoch ein Loosertyp und spielt diesen auch gekonnt, was man von den anderen Charakteren auch behaupten kann. Storytechnisch wird der Kampf zwischen Hell und Dunkel weiter erzählt, bis er in einem furiosen Finale ihren Höhepunkt einläutet. “Day Watch” legt zum Ende hin zugleich auch noch Wert auf Emotionalität, die mit Hilfe macher Szenen im Mittelteil eine Beziehungskomponente einbringt, die den Film zugleich ruhiger als seinen Vorgänger macht.

Du bist ein Krieger des Lichts Anton, aber du bestellst dunkles Bier.
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Frieden, Entspannung, etwas auf dem See segeln und mit den Freunden Golf spielen. Das haben sich Georg, Anna und ihr Sohn Schorschi vorgestellt, als sie zu ihrem Ferienhaus gefahren sind. Allein zwei unbekannte Jugendliche stören die ersehnte Ruhe. Angefangen mit einer Bitte Eier auszuleihen, weisen Peter und Paul die gerade eingezogene Familie in ihr eigenes, gewalterfülltes Spiel ein: Wer das gegnerische Team bis zum nächsten Morgen 9 Uhr tötet, hat gewonnen. Es ist von Anfang an klar, dass die Familie nicht die geringste Chance besitzt auch nur einen Hauch des Sieges zu spüren.

Michael Haneke antwortet mit seinem Albtraumszanario auf die Diskussionen über Gewalt in den Medien, indem er die Gewalt als einziges Mittel der Unterhaltung anwendet. Die Täter Peter und Paul sind geradezu kaltblütige Figuren, die mit ihrem Psychodialogen die Familie erniedrigen und ihren Willen brechen. Besonders durch die geringe Qualität der Aufnahmen gelingt es Haneke ein realistisches Bild der Geschehnisse zu erreichen, sodass die, am Anfang noch recht bescheiden spielenden, im Laufe der Zeit aber immer stärker werdenden, Akteure ihr ganzes Schauspielspektrum an Schmerzen überzeugend offenbaren können. Dennoch bleibt von Seiten der Täter der schwarze Humor nicht verborgen, wenn man die Bemerkung in Minute 90 nimmt, dass der Film doch nicht einmal Spielfilmlänge erreicht hätte. Direkte Anrede und Blicke zum Zuschauer unterstreichen den umstrittenen Sinn des Filmes, welcher nur auf gewaltätige Unterhaltung beruht. Haneke selber hat mit einem gleichnamigen Remake in Amerika abgeschlossen, welcher mit bekannten Hollywoodnamen á la Naomi Watts genau die selbe Geschichte erzählen und zeigen will. Interessante Idee, wobei die Frage der Unnötigkeit in der remake-geprägten Hollywoodgesellschaft immer wieder aufkommt.

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