The Golden Compass

von Khitos

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Die “Herr der Ringe”-Trilogie kann wohl in nächster Zeit von keinem andereren Fantasyfilm vom Thron weggedrängt werden, dazu sind die drei Teile einfach zu wuchtig und grandios gemacht. Den Anfang von den Narnia-Welten habe ich nicht gesehen, habe auch kein Interesse diese kleinen Kinder bei ihrer Mission ihre Fantasiewelt zu retten zuzusehen (auch wenn der Trailer zum zweiten Teil ganz Ok aussieht). Auch beim blutigen Erwachsenenmärchen “Pans Labyrinth” hatte ich meine Probleme mit Ophelia auf einen harmonischen Nenner zu kommen. Nichtsdestotrotz war der Film natürlich außerordentlich gut und fantastisch. Bei “HdR” waren es ja Hobbits, da hat sich meine Kinderphobie nicht aktiviert. Deshalb ist es auch überraschend, dass ich den Auftakt der nächsten Fantasy-Trilogie trotz Dakota Blue Richards, die kleine 12 jährige Protagonistin, ansehnlich fand. Sie hat sich durch ein Casting bestehend aus tausenden von Mädchen durchringen können; ein Glück, denn sie ist seit langem ein Kind, dass ich als Protagonist ganz Ok finde. Beachtlich ist auch der Rest des Casts, welches sich aus Nicole Kidman als böse Marisa Coulter, Daniel Craig als Lord Asriel, Eva Green als Hexe, den beiden Zauberern aus “HdR” Ian McKellen (Stimme für Iorek Byrnison; Eisbär) und Christopher Lee und noch anderen Gesichtern, die man anderweitig schon einmal gesehen hat, zusammensetzt. Auch wenn Philip Pullman, Autor der Buchvorlage, lieber Jason Isaacs als Lord Asriel sehen wollte, dürfte er dennoch zufrieden sein, welche Schauspieler sich in diesem waghalsigen Projekt eingefunden haben. Waghalsig deswegen, weil der Regisseur eher mit einem anderen Genre in Verbindung gebracht wird. Chris Weitz, Regisseur von “About a Boy” und “American Pie”, kann nicht gerade von sich behaupten, dass er das Wissen und die Erfahrung von einem Peter Jackson besitzt einen Fantasystreifen zu drehen. Aus diesem Grund ist es auch sehr schwierig davon auszugehen, dass seine Verfilmung angemessen kreiert würde. Nach dem Kinobesuch weiß ich aber, dass Weitz eine beachtliche Leistung vollbracht hat, die Welt von Pullman schön eingeführt hat, trotz allem aber mit Herr BoxOffice Sorgen haben dürfte. Das erste Wochenende in den USA haben ‘nur’ um die 26 Millionen eingebracht, was noch ungefähr 150 Millionen bis zum Ausgleich mit dem Budget entfernt ist. Ich denke aber, dass der Film doch noch eine Weile die Platzierung halten wird – hoffen wir es mal.

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“The Golden Compass” hat mit seinem Trailer richtig Erwartungen in mir geweckt, sodass ich sehnlichst auf die Eisbärenkämpfe gewartet habe und endlich wieder Nicole Kidman, sogar in einer ihr ungewöhnlich bösen Rolle, zu sehen bekomme. Wenn man dann aber, wie ich, die Bücher nicht gelesen hat und sonst auch keine Infos über Pullman hat, fällt der Einstieg in den ersten Minuten recht schwer. Man bekommt etliche neue Namen in die Ohren geworfen, die im Gehirn jedoch erstmal in Fragezeichen verwandelt werden (ausgenommen vielleicht die witzigen, schwedischen Eisbärnamen). Interessant sind jedoch die Dämonen der jeweiligen Charaktere, denn sie spiegeln das Innere der Person wider und sind auch sonst sehr gut animiert und fügen sich in den Interaktionen der Menschen gut ein. Ganz besonders angetan hat mir ja Lyras (Dakota Blue Richards) Dämon, da die Synchronstimme (Gottseidank!), wie auch bei den anderen Charakteren, ganz akzeptabel war und, weil es sich natürlich auch in das beste Tier der Welt, auch Katze genannt, verwandeln kann. Coulters Affe war auch nicht schlecht, kann aber nicht ganz mit Lord Asriels Schneeleoparden mithalten. Aber auch sonst ist die Welt um die Figuren ziemlich ansehnlich und überzeugt durch gute CGI-Technik.

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Abgesehen von den gut ausgewählten Schauspielern und die gut dargestellte neue Fantasiewelt kann “The Golden Compass” leider nicht ganz überzeugen. Das erste was mir aufgefallen ist: 113 Minuten? Nur? Recht wenig Zeit, um eine solch komplexe Geschichte angemessen zu erzählen, oder nicht? Aus diesem Grund hatte ich an manchen Stellen das Gefühl, dass einige Dinge abgehackt, zu schnell oder nicht nachvollziehbar wirkten. Man nehme zum Beispiel die unglaubliche Überredungskunst von Lyra, die den Eisbären Iorek Byrnison binnen weniger Sekunden von seinem von Alkohol geprägten Lebensstil und seiner Dickköpfigkeit abbringt und für sich gewinnt, sodass er für sie kämpft. Neben diesen erzählerischen Schwächen hatte ich auch immer Assoziationen mit “Herr der Ringe”, die jedoch verständlich sind, da alles irgendwo doch die gleiche Quelle hat, nur etwas abgekupfert wirkt; das ist aber wahrlich nicht soo schlimm. Schlimmer empfand ich aber den mit Hoffnung erfüllten Eisbärenkampf, der nicht ganz so ausgefallen ist, wie ich es gewünscht hätte; nicht ganz so wuchtig, nicht ganz so cool, aber man kann ja nicht alles haben.
Alles in allem hat Chris Weitz mit “The Golden Compass” aber eine ansehnliche Verfilmung geschaffen, die trotz und wegen ihrer Schwächen nicht der erwartete Fantasyknüller war, jedoch auf jeden Fall empfehlenswert ist. Der nächste Teil “The Subtle Knife” wurde schon angekündigt und soll voraussichtlich 2009 erscheinen. Also genug Zeit, um der Trilogie die nötige Stabilität zu verleihen und es vielleicht doch noch zu einem epischen Werk zu machen.

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