I’m deaf, not blind!

von Khitos

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Kommunikationsprobleme mit anderen Menschen hatte ich schon immer. Jeder versteht einen falsch und wenn man es erklären will führt es doch zu nichts. Doch wenn es bei mir eher die fehlende Ausdrucksstärke ist, ist es für die Charaktere von Babel die Sprache, die das Verstehen und das Miteinander umgehen zu einem nicht enden wollenden Albtraum werden lässt. If you want to be understood…listen heißt es in der Tagline. Und das sollte man auch lieber tun. Die Menschen in Alejandro Gonzalez Inarritus Film haben Probleme überhaupt einen Willen zum Zuhören zu finden. Ein Schuss, ein Kinderspiel zweier marokanischer Jungs bringt den Schneeball zum rolllen, bis er in über 100 intensiven Minuten an einer Wand zerschellt und langsam an Fahrt verliert. Es werden drei verschieden Geschichten erzählt, die am Anfang noch keinerlei Anknüpfungspunkte besitzen, doch im Verlauf offensichtliche Anzeichen geben, dass sie doch etwas miteinander zusammenhängen. Es ist nicht allzu schwer hinter dieses Spiel zu kommen, vielleicht sollte es auch nicht so pfiffig sein, jedoch nimmt diese Einfachheit der Zusammenhänge dem Film ein bisschen Würze. Ansonsten wurde Babel aber mit deftigen, ja bitteren, wenn nicht sogar mit Tränen hervorrufenden Zwiebeln und Gewürzen gewürzt. Auch wenn bei mir nicht die Tränen flossen, Anlass gibt es im Film aber genug. Bei mir überwiegten eher die Szenen, in denen es nur von beeindruckend heftigen Momenten rieselte. Spoiler ahead. Kopfschütteln beim Anblick der mexikanischen Nanny und der Kinder im Dunkel der Wüste, Fassunglosigkeit beim Tod des marokanischen Jungen, der nicht schießen konnte, Faszination für jede Aktion des japanischen Mädchens und Ungläubigkeit beim Verhalten der amerikanischen Touristen. Spoiler end. Inarritu schafft es den Zusammenprall der Kulturen in einem gekonnt dramatischen Kontext darzustellen und gleichzeitig noch die Verknüpfungen der Schicksale Stück für Stück ans Licht zu bringen. Auch wenn ich manche Schnitte zwischen den Geschichten etwas zu abrupt fand, da ich doch mehr von der einen oder anderen Szene sehen wollte. Nichtsdestotrotz, insgesamt harmoniert die Einteilung der Geschichten und kann von jedem Schicksal das Nötige erzählen.
Die Schicksale ansich sind sehr gut ausgearbeitet und können auch nachvollziehbar ihre Verbindungen ziehen. Abgesehen vielleicht vom japanischen Mädchen, welches nicht viel mit den anderen Charakteren zu tun hat. Dennoch hat mich diese Lücke nicht gestört, denn ihre Szenen sind mitunter die interessantesten gewesen. Obwohl Babel im Ganzen schlüssig und kompakt aussieht hatte ich trotzdem zum Schluss Probleme alles zu verstehen. Spoiler ahead. Was stand im Brief? Was ist mit dem Neffen der Nanny geworden? Warum hat Chieko gelogen? Spoiler end. Ich hab mich mal in ein paar Foren durchgeguckt und ein paar Theorien aufgeschnappt, die ich direkt unterschreiben könnte. Nur die Sache mit dem Neffen ist noch unklar, aber vielleicht ist das auch nicht so wichtig, obwohl es ja schon komisch ist, dass er miteiner der Headline-Schauspieler ist. Was solls – Babel war gut, sehr gut sogar. Der Film ist intensiv, interessant, bestückt mit sehr guten Schauspielern und kann die Verständnisprobleme zwischen Menschen ganz, ganz dick unterstreichen. Hiernach wird später sicherlich noch drei Jahre vorher gedrehte 21 Gramm und das noch weiter in der Vergangenheit liegende Amores Perros folgen – bis dahin gibt es für den neuesten Inarritu:

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