Tristan und Isol…Ivaine

von Khitos

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Nachdem ich jetzt ein paar Tage lang den sturen, zielstrebigen Schüler gemimt habe, bin ich mal aus meiner Rolle gegangen und habe den wohl besten Fantasyfilm der letzten Zeit genossen. Die Prämisse lag jedoch zu Beginn der Reise von Tristan (Was ein Name!) und Co. recht lange auf der negativen Hälfte meiner Meinung. Wieso sollte sie denn auch nicht dort liegen? Der Trailer war okay, konnte aber nicht wirklich ein überzeugendes Argument – abgesehen vielleicht von Robert DeNiro – für eine Sichtung liefern, die mich dazu gebracht hätte die rund 130 Minuten eines moderaten, halbwegs ansehnlichen Filmes einer Fantasiewelt zu sehen. Dazu noch dieses Poster! Wer zum Henker ist dieser Charlie Cox und was hat er mit Claire Danes zu tun? Klar und deutlich erkennt man jedoch die echten Stars des Filmgeschäfts, die ihre Köpfe in der oberen Hälfte des Posters postieren und für den Film locken. Obgleich Charlie Cox eigentlich der Protagonist ist, wird er nicht ein Mal erwähnt. Na gut, er ist einfach (noch) zu unbekannt. Das wird sich sicherlich noch ändern nach der Leistung, die er hier abgeliefert hat, auch wenn ich ihn nicht von Anfang an meine Sympathiepunkte geschenkt hätte, ich mein, hat jemand sein Lächeln gesehen? Das ist doch eine direkte Einladung für einen Sprungkick ins Gesicht oder wenigstens einen Grund ihn für mindestens die Hälfte der Zeit zu hassen und ihm den Tod wünschen, die viele andere Charaktere im Film stattdessen erfahren. Es war aber nicht so. Mit Claire Danes dasselbe. Ihr hätte ich zuvor wahrscheinlich auch hier und da einen Tritt verpassen können, doch sie bildet, zum Glück, mit Cox ein sehr harmonisches Paar ab, welches durch und durch unterhält und überzeugt.

Tristan (Cox) ist das Resultat eines Ausflugs seines Vaters in die geheime, magische Welt von Stronghold, welche durch eine Mauer von der menschlichen Welt, Wall genannt, getrennt ist. Mit 18 ist Tristan voller Zuversicht die Liebe von Victoria (Sienna Miller), einer dummen, oberflächlichen Kuh, zu gewinnen, sodass er ihr sogar verspricht einen gefallenen Stern zu bringen, den sie beiden eines Abends am Himmel erblicken. Dieser ist jedoch mit einer Meteoriten ähnlichen Ankunft in Stronghold gelandet und hat sich in ein weibliches Wesen namens Ivaine (Danes) verwandelt, die einen Kristall um ihren Hals trägt, der für die ein oder anderen Prinzen von Bedeutung ist. Gleichzeitig versucht Tristan vergeblich über die Mauer zu kommen und landet bei seinem Vater, der ihm einen Brief seiner Mutter aus Stronghold überreicht und eine Babylonkerze entdeckt, die er sogleich zündet und magischerweise im nächsten Moment direkt in die Arme von Ivaine fällt. Nicht ohne Grund ist dieser schöne Stern vom Himmel gefallen: Der König von Stronghold ist gestorben und bestimmt seinen Nachfolger mit einer Art Schnitzeljagd nach einem Stern, den er runtergeholt hat. Seine vier Söhne sind alle sehr erpicht darauf der Nachfolger zu werden, sodass sie sich alle gegenseitig töten, bis nur einer übrig bleibt, um somit den Thron zu besteigen. Anderswo in Stronghold befinden sich jedoch noch drei Hexen, die nach der ewigen Jugend streben und diese nur erlangen, wenn sie das Herz von Ivaine herausreissen und verspeisen. Das Abenteuer, die Jagd, die Fantasie, die Spannung und der Spaß kann beginnen!

Wie so oft habe ich das Buch, auf dem ein Film basiert, nicht gelesen und kann die Adaption nicht bewerten. Dennoch ist Matthew Vaughn (Produzent von Snatch – Yeah!) wirklich etwas gelungen, was mir bestimmt noch lange in Gedächtnis bleiben wird. Überraschend für mich war besonders die unglaubliche Darstellung der Schnitzeljagd, am Anfang sowie auch am Ende, wo es zu einem spannenden, finalen Schlussspurt am Verbindugsglied der beiden Welten gekommen ist. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass mir der Mund offen bleiben würde, wenn zum Beispiel Tristan, der letzte überlebende Prinz und die Hexe Lamia (Michelle Pfeiffer) unter enormen Zeitdruck zu Pferd oder zu Fuss ein Wettrennen zur Mauer liefern. Es war aber so. Unglaublich, wenn man bedenkt, dass ich schon begeistert von der Einstellung war, in der Pfeiffer in Zeitlupe gegen den Wind, in umgebender Berglandschaft, zu ihrer Kutsche geht. Die kleinen Sachen machen einiges aus, sag ich euch. So auch die Ansätze von humorvollen Szenen, in denen die Stimmung aufgelockert und sogar erhöht wird. Der Fokus beim Spaßmacher des Tages liegt klar auf – ich konnte es nicht glauben – Robert DeNiro, der als etwas homosexueller Pirat seine loyale Crew in den Wahnsinn des Himmelschifffahrens treibt und die ein oder andere Frauenklamotte anzieht und sich vor dem Spiegel seine neuesten Tanzeinlagen vorführt. Ich weiß immernoch nicht was ich davon halten soll. Ich mein, er hat schon gewissermaßen leichte, skurrile Rollen in seiner Karriere gespielt, aber so etwas? Hm…

Besonders großartig war auch der Score, der mich durchgehend überzeugt hat. Impulsiv und energiereich – einfach sehr gut. Das kann man von den ganzen zwei Stunden von Stardust behaupten. Der Spaß ist ohne Frage vorhanden, die Ideen sind originell und abenteuerlich und können auch visuell einiges reissen. Lediglich der Schlusskampf mit Lamia empfand ich, ohne Spoiler zu verwenden, etwas zu konventionell geraten, die Kampfe davor aber ungemein unterhaltsam. Alles in allem hat mir sehr vieles an Stardust gefallen und würde ihn jedem, aber wirklich jedem empfehlen. Da ich mir noch nicht sicher bin, ob ich mit den Punktevergaben aufhören soll und einfach nur Empfehlungen oder dergleichen ausschreiben will, bleibt diese Review erstmal ohne offizielle Wertung. Doch, wenn ich spontan eine Zahl sagen müsste, wäre wohl die 8,5 meine Wahl.

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