The L Word – Season 1&2

von Khitos

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Ja, ich habe Queer as Folk gesehen. Meine Schwester hat diese Serie voller Homosexueller geguckt und geliebt. Die erste Staffel lag dann auch eines Tages einfach so vor meiner Nase und mich hat das Interesse gepackt. Ist doch bestimmt nicht so schlimm wie ich immer behauptet habe. Damit habe ich mich beruhigt und die erste Episode gestartet. Es fängt schwul an und bleibt auch schwul. Nach 15 Minuten, in denen ich hunderte von Homosexuellen in Tanz- und Sexlaune begegnet bin und einen beginnenden Sexakt miterleben durfte, habe ich dann doch alles Nötige getan, um Schlimmeres zu vermeiden. Alles beendet und nie wieder angerührt. Ich habe nichts gegen Homosexuelle, doch das war mir, als Mann, doch zu hart. Aber wie verhält es sich wenn nicht Männer, sondern Frauen sich für ihr eigenes Geschlecht interessieren? Wie gesagt: Ich bin ein Mann ;) Das hat mich dann doch wieder interessiert.

The L Word
heißt das Pendant zu der doch sehr erfolgreichen Serie Queer as Folk und wurde für einige Zeit eine neue Materie, in der ich mich umgeguckt, interessiert hineingeschaut, überrascht geguckt habe und doch immer wieder Bedenken hatte. Zu Beginn der Serie war es nicht viel anders als bei QaF, nur halt mit Frauen. Weiter gucken hieß die Divise. Ich konnte Bekanntschaft machen mit Tina, Bette, Shane, Dana, Alice, Jenny, Kit und Marina. Hab ich jemanden vergessen? Achja, den wichtigsten: Tim! Eric Mabius, der auch in Ugly Betty zu finden ist, spielt hier einen Charakter, der mal überhaupt nichts mit Daniel Meade gemein hat. Er ist am Anfang noch mit Jenny (Mia Kirshner, in Not Another Teen Movie die sexgeile Schwester von Jake Wyler =D ) zusammen, aber auch schon da merkt man, dass diese mit Homosexuellen überfüllte Gegend sie überrollen und absorbieren würde. So hat auch Mabius nur 15 Episoden etwas zu tun und verschwindet dann auch schon wieder nach Ohio.
Die Frauen sind unter sich…Jenny ist quasi der dunklen Seite beigetreten und fügt sich im äußeren Erscheinungsbild der Kundschaft des Szene-Cafés The Planet ein. Wer auch direkt ins Auge springt ist Shane. So komisch es klingt, aber sie ist für mich die weibliche Version von Tim Riggins aus der Football-Serie Friday Night Lights, zwar etwas dünner, aber stets mit einem Bier in der Hand und im vollen Besitz der Gabe der Verführung. Deshalb ist auch Shane der Maßstab an dem sich alle anderen messen, denn Shane bekommt alle. In der ersten Staffel will sie nie eine ernste Beziehung eingehen, dass sich das ändert merkt man schon in den letzten Folgen und im weiteren Verlauf der zweiten Staffel. Gut so, denn Shane ist für mich die mit Abstand schönste Frau im ganzen Cast und dazu noch entgegen aller anfänglichen Zweifel zu mehr charakterlichen Tiefe fähig. Auch die anderen Frauen besitzen ihre guten Seiten, jedoch können sie nicht wirklich für mehr Interesse sorgen. Im Gegenteil. Jenny Shacter, also Mia Kirshner, hat mit ihrem sehr komischen Charakter einen so schwierigen Part bekommen, den sie entweder nicht angemessen spielen kann oder einfach der Charakter selbst einfach zu abstrakt ist. Mich jedenfalls hat sie von Episode zu Episode immer mehr genervt. Bin ich nun eine Lesbe? Bi? Oder liebe ich doch Tim?! Fragen, die zwar sehr viel Spannung erzeugen können, jedoch mit den Aktionen von Jenny, die nur mit einer Reihe von Sexpartnern und hirnverbrannten Aussagen ihrerseits zusammengesetzt sind, einfach zu Nichte gemacht wird. Leider sind auch andere Charaktere nicht ganz so interessant…wie zum Beispiel Kit, die Schwester von Bette, die sich einfach immer in Schwierigkeiten leiten lässt und immer Probleme zu haben scheint. Nerviiiig.

Ok, es sind ja noch genug andere Charaktere vorhanden, die doch noch Interesse wecken konnten. Erstmal die etwas unwichtigeren: Dana und Alice, die sich im Verlauf der ersten beiden Staffeln gefunden haben und die ich immer mehr zu mögen begann. Dennoch ist ihre Beziehung eher langweilig und belanglos, alsdass sie die Aufmerksamkeit von mir erhalten würde. Belanglos ist auch Marina, die, ja, ich gebe es zu, für mich vom Gesicht her einfach wie eine Göttin aussieht. Nur ihre manipulative Art und Weise wie sie sich gibt und handelt ist nervtötend und zerstört den Charakter für mich. Da kann dann Shane doch mit Leichtigkeit siegen…Achja, ich war ja bei den guten Seiten…Da bleiben ja nur noch Tina und Bette. Um diese beiden geht es eigentlich! Jedenfalls fokussiert die erste Staffel dieses seit Jahren zusammenlebende Paar um Weiten mehr als die anderen Charaktere. So bekommt man auch am meisten von ihrer Beziehung mit und kann ihren Versuch ein Baby zu bekommen mit Aufmerksamkeit mitverfolgen. Deshalb ist auch in der ersten Staffel diese Beziehung das Highlight und dominiert über alle anderen. Ganz besonders überzeugen kann Bette, die sehr gut von Jennifer Beals gespielt wird. Sie spielt ihre Rolle sehr verletzlich, aber gleichzeitig auch als harte Businessfrau, die ihre Beziehung retten und beibehalten will. Das wirkliche, wirkliche Highlight der ersten Staffel ist mit Abstand die Fernsehshow, in der Bette sich mit einer protestierenden Frau um ihre provozierenden Bilder in ihrem Kunstatelier streitet. Ab diesem Zeitpunkt gelingt es der Serie eine unglaubliche Intensität aufzubauen, die sogar mir die Sprache verschlagen hat. Außerdem zeigt The L Word hier eine sehr differenzierte Debatte über das polarisierende Thema der Homosexualität . Die Serie beschränkt sich nicht allein auf die doch sehr oft gezeigten Sexszenen und beweist eine nachvollziehbare Sichtweise, an die man vielleicht zuvor nicht gedacht hätte.
Die zweite Staffel besitzt in meinen Augen kein richtiges Highlight, weshalb ich auch einen immer stärker werdenden Drang hatte die Serie abzubrechen. Es gibt noch so viele andere Themen, die man jetzt noch ansprechen könnte, die ich aber nicht alle kommentieren will. Es gibt eigentlich nur noch zu sagen, dass The L Word leider doch zu sehr auf ihre Sexszenen setzt, die zwar ansehnlich sind, aber mit der Zeit einfach nur noch langweilig werden, und den Problemen viel zu viel Zeit lässt, um sie zu bewältigen und mit der zweiten Staffel etwas abnimmt. Es war eine interessante Erfahrung und eine unterhaltsame Nachmittagsserie, aber wenn ich wirklich weiter gucken würde, hätte ich noch zwei Staffeln vor mir bevor ich endlich up-to-date bin, und das ist mir schlicht und einfach zu viel.

Bye, bye The L Word – Gay Pride! ;)

( verzeiht das dumme Bild ^^ )