Hype, Hyper, Cloverfield!

von Khitos

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Der Hype-Award der letzten Monate geht an….Cloverfield! Welch Überraschung. Die Promotion für diesen Film begannen schon im letzten Jahr, mit mysteriösem Trailer ohne Erklärungen, ohne einen Titel, ohne einen verdammten Sinn. Das einzige was interessierte: From the producer J.J. Abrams. Wer der Regisseur ist und wer überhaupt mitspielt, ist egal. J.J. Abrams! Der Kopf hinter der sehr erfolgreichen Serie Lost ist am Werk, da braucht man keine weiteren Namen, um diesen Film zu promoten. Und das stimmt wirklich. Auch wenn die Marketing Kampagne dieses Filmes in Deutschland nicht viel getan hat, es hat in Amerika und sonst noch wo für so viel Aufsehen gesorgt, dass sogar Webseiten enstanden, um die Trailer zu dechiffrieren und irgendwo einen Haken zu finden. Aber diese Promotion ist wirklich unglaublich. Gefakte Nachrichtensendungen, Slusho, das mysteriöse Getränk aus Japan, welches sogar in der Hitserie Heroes vorgekommen ist, und noch viel mehr haben Cloverfield zu einem gehypten Film gemacht, der diese Erwartungen erstmal halten musste. Der Trailer und die Poster sahen genial aus, nur der Film musste noch überzeugen. Nur ist das wieder so eine Sache mit diesen gehypten Filmen…Ratatouille hat mich etwas enttäuscht, die komplette Fluch der Karibik Reihe fand ich uninteressant etc…Cloverfield…hat…aber…überzeugt!

Zu Beginn habe ich mich wirklich gefragt, ob die Macher diese wackelige Kamera den kompletten Film über beibehalten wollen. Und die Antwort war so überraschend wie genial: Ja. Auch wenn diese innovative Kamera schon in Blair Witch Projekt zum Einsatz kam, war ich begeistert von der Konsequenz mit der dies durchgezogen wurde. So etwas hab ich lange nicht mehr gesehen und umso mehr freute ich mich, wie ein Film mit diesem monströsem Plot rüberkommen würde. Zum Glück bekomme ich in keinster Weise etwas von motion sickness mit, sodass ich, wie schon in Bourne Ultimatum, einfach nichts Negatives dafür empfinde, eher finde ich diese Kameraführung sehr interessant und rasant.
Wenn man nun zum Plot kommt könnte man etwas stutzen. Monster kommt aus dem Wasser und zerstört New York. The Host anyone? Der koreanische Blockbuster besaß genauso ein Monster, wennauch viel kleiner, welches ohne großartigen Erklärungen aus dem Wasser stieg und die Menschenmassen terrorisierte. Naja egal…das Besondere ist ja, dass das mit den nichtvorhanden Erklärungen beibehalten wurde. Es gibt keine Aufklärung warum das Monster auf einmal auftaucht und auch keine weiteren Auskünfte über den Ausgang für New York. Es wird nur der Film gezeigt, der bei einer Party angefangen und bei einer Katastophe geendet hat. Manche werden bestimmt genau diese Erklärungen verlangen, doch ich bin ziemlich zufrieden mit dem was ich gesehen habe, denn genau, dass es diese Auflösungen nicht gibt, macht Cloverfield nochmal zu etwas Besonderem.
Besonders ist auch, dass eigentlich kein bekanntes Gesicht zu erkennen ist. Es gibt keine Hollywoodnamen, die das Gesamtbild von einem authentischen Film zerstören könnten. Ok, ein Gesicht habe ich erkannt: Mike Vogel, der in dem richtig schlechten Film The Deaths of Ian Stone mitgespielt hat. Aber der Rest versprüht dafür umso mehr eine Authentizität – zwar nicht so sehr wie Once, aber immerhin -, die sich sehen lassen kann . Es ist am Anfang eine normale Party mit einem Kameramann, der sich sichtlich für eine Frau interessiert und auch realistische Reaktionen anderer Personen filmt. Dieses Gefühl kann sich fast den kompletten Film über lang halten. In dieser Hinsicht kann Cloverfield in jedem Fall punkten, da sogar Ausschnitte aus dem vorherigen Video gezeigt werden, wenn der Kameramann, der übrigens Hud heißt, mal zurückspult oder für ein paar Sekunden nicht aufnimmt.
Auch die Spannung bleibt aus dieser Sichtweise nicht aus, denn viele Szenen, besonders die Aufeinandertreffen mit dem Monster, sind extrem heftig und in Kombination mit dem geballten Kinosound lässt sich ab und an eine Gänsehaut bemerken. Wer dazu noch die militärische Gegenantwort zum Monster sieht kann sich schön zurücklehnen und genießen. Einfach herrlich, was man bekommt wenn man die Szenen der Militärjets, die Bodentruppen und Panzer addiert. Ein Kinospaß, den man sicherlich nochmal erleben könnte. Ich für meinen Teil würde Cloverfield direkt nochmal ansehen, aber wahrscheinlich nicht wieder im Kinosaal 5 ( am Premerietag! Kaum zu fassen…) des nahegelegensten Kinos…;)

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Die zweite Sichtung:

Cloverfield ist nun schon fast schon obsolet, erinnert man sich doch nur noch vage an das virale Marketing von vor einem Jahr, welches so viel Trubel im Web verursacht hat. Aber nur fast. Die erneute Sichtung bestätigt nochmals den großen Hype und erfrischt einen aufs Neue, genauso wie ein Zug Slusho. Die Punkte im ersten Text korrespondieren größtenteils immernoch mit meiner jetzigen Meinung: Cloverfield ist ein aufregender Trip, berauschend und grell, gerade wegen der Sichtweise aus der Ich-Perspektive und dem ganzen Bammbamm drumherum. Überaschenderweise hatte ich aber ein Problem: Zuvor hab ich die Konsequenz der Kamera gelobt, wird sie ja den ganzen Film über gebraucht. Der Gebrauch der Kamera wird weiterhin von mir unterstützt, jedoch fehlte mir dieses Mal die glaubhafte Kameraführung, wenn man denn so etwas in dem Film verlangen kann. Viel zu oft stand das Bild ruhig und projizierte nicht die Angst, die den Kameramann Hud eigentlich durchfluten sollte, sondern stellte gerade damit eine kleine Inkonsequenz dar, ein Rückschritt zum normalen Film. Viele beschweren sich, dass zu viel gewackelt wird. Verdammt, ich will, dass noch mehr gewackelt wird! Mein Wunsch wirft zugegebenermaßen Zweifel am Resultat auf, wenn bis zur Unkenntlichkeit die Glaubwürdigkeit um jeden Preis bewahrt werden will. Die Zuschauer wirds verscheuchen, mir wäre es aber eine Sichtung wert.
Neben der paar Stellen der inneren Unlogik ist mir nichts weiter bös aufgestoßen, sodass ich Cloverfield immernoch als sehr gelungen empfinde. Lediglich die inkonsequente Konsequenz zwingt mich einen halben Punkt zurückzugehen: 7,5/10

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