Sie wird dich mitreissen.

von Khitos

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Im Deutschunterricht habe ich das Buch gelesen, die TV-Version gesehen und bis zu den heutigen Tag gänzlich vergessen. Ich kann nicht genau sagen, ob die moderne Version von Die Welle sich ganz an dem Buch gerichtet hat ( Ich hab zwar das Buch in unmittelbarer Griffnähe, aber naja…) oder nicht, aber im Nachhinein ist das in meinen Augen auch recht egal, wenn man denn einen guten Film präsentiert bekommt. Ich war lange nicht mehr in einem deutschen Film im Kino, zu groß das Risiko einen Griff ins Klo zu machen. Die Welle hat mich aber doch interessiert, da der Trailer sehr gut aussah – die Szene als Jürgen Vogel in die Aula eintritt und alle Schüler aufstehen woaaa ~
Ich glaub es gibt nur wenige wirklich passende Worte, die ziemlich treffend für diesen Film sind. Authentizität wäre auf jeden Fall eines davon. Es herrscht den ganzen Film über – oder halt erstmal nur in der ersten Hälfte – eine normale Schulstimmung, Party, Freunde, Product Placement von Becks, Nike und Co.. Die Schauspieler sind ebenso authentisch, besonders verstärkt dadurch, dass ich keinen – eigentlich nur Jürgen Vogel – von ihnen kannte. Der Myspace-Emo, hallo? Der obligatorische, rebellische Nichtsnutz, der Dritte Reich Witze reisst. Der Witzbold der Klasse, der immer einen Spruch auf Lager hat. Die Hippi-Schülerin, die ständig dumme Fragen stellt und permanent nervt. Die Reichen, die Armen, die Deutschen, die Ausländer. Ein ziemlich gut ausgewähltes und glaubwürdiges Klassenbild, wenn ihr mich fragt. Und Jürgen Vogel. Als Lehrer überzeugend und insgesamt wirklich einer der schauspielerischen Hightlights des Films.
Die Handlung war mir noch ziemlich präsent, also keine allzu großen Überraschungen auf dieser Seite. Was einem nur auffält sind halt die Personen, die in der Welle aktiv werden. Der Typ, der immer gehänselt wird und nichts auf die Reihe bekommt und der in der Gemeinschaft endlich, endlich anerkannt und respektiert wird. Derjenige, der diese Rolle übernimmt, ist schnell gefunden und man kann deswegen auch leider direkt das mögliche folgende Geschehen erahnen, weshalb die finalen Handlungen auch nicht mehr allzu überraschend sind.
Nichtsdestotrotz, wenn man, wie in dem Film, genau diese Aktionen so inszeniert, dass man dennoch etwas Spannung, etwas Nervenkitzel verspürt, dann passt die Sache. Es gibt diese Momente in Die Welle. Wenn man sich nur den Vergleich ansieht zwischen der Aufnahme von Jürgen Vogel vor der chaotischen Klasse am Anfang und dann am Ende in der Aula. Ein weiteres Beispiel wäre die Schlusssequenz in Zeitlupe – wow. Zwar ist die allerletzte Einstellung von Vogel, der in die Kamera schaut, nicht wirklich neu oder originell, aber ich finde, diese Art von ‘Siehst du was passieren kann? Denk drüber nach!’ passt und funktioniert in diesem Film sehr gut.
Alles in allem wieder ein Diamant unter den deutschen Filmen. Ich glaub Vollidiot war der letzte gute Film ( ich fand ihn sehr gut =) ) aus diesem Land, aus dem ich einfach nicht viel Gutes bei rumkommt. Die Welle ist als moderne Version des Buches sehr gelungen und könnte auf jeden Fall ein weiteres Mal angeschaut werden. Hauptsache, man guckt ihn nicht in der Schule.

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