wwwwaaalleeeeeee

von Khitos

Wie liebend gern würde ich Wall•E hassen. Diesen kleinen Roboter, der in erster Linie wohl direkt mit Nummer 5 assoziiert wird. Wie gerne würde ich jetzt eine Review über einen Roboter schreiben, der nur darauf hinaus ist süß zu sein und damit alle Kinder, Jugendliche, Maschienen, Erwachsene, ja, alles auf dem Planeten Erde um den Finger zu wickeln. Pixar ist gewitzt. Pixar ist verdammt gewitzt. Da verniedlichen sie zuerst ein sonst verhasstes Tier, die Ratte, und kommen dann mit einer Blechbüchse an, verpassen ihm die essentiellen Kulleraugen, einen multifunktionalen, mobilen, kleinen Körper und platzieren ihn auf die Erde. Alleine. Die rhetorische Frage: Wie reagiert das Publikum darauf?
Wie liebend gern würde ich Wall•E hassen. Ich kann es aber nicht.

Wall•E steht für Waste Allocation Load Lifter Earth-Class. Ein kleiner Saubermacher für den Planeten Erde, denn dieser ist seit hunderten von Jahren verdammt dreckig und weist keinerlei Anzeichen von Leben auf. Wall•E ist der einzige, da letzte seines Modells und verrichtet seit Jahren seine Arbeit: Stopft Müll in sein quadratisches Gehäuse und presst und presst und stapelt das Resultat Stück für Stück aufeinander. Überraschenderweise ist die deutsche Tagline passend: Der Letzte räumt die Erde auf. Jemand muss es ja machen. Bei seiner Arbeit entdeckt Wall•E immer wieder Fundstücke aus alten Tagen und sammelt diese in einem kleinen Container, welches sein Zuhause darstellt. Eines Tages kommt Eve auf die Erde. Eve ist ein weißglänzender, feiner Suchroboter, der für die Menschen nach Nützlichem sucht, gegebenenfalls Anzeichen von fruchtbarem Boden, was einen Hoffnungsschimmer für die Erde bedeuten würde. Wie gut, dass Eve auf Wall•E trifft, der zuvor eine Pflanze aus den Müllbergen bergen konnte. Eve kontaktiert ihre Basis und lässt sich mit der Pflanze zum Mutterschiff bringen. Was sie nicht bedenkt: Wall•E hat sich in Eve verliebt. Er macht alles für sie und will sie nicht direkt wieder verlieren. So gelingt es ihm mit Mühe Eve zu folgen und gerät in noch mehr Ärger als er eigentlich schon ist. Das Abenteuer kann beginnen!

Wie gesagt: Pixar ist gewitzt. Gibt man der Hauptrolle, was in diesem Fall ein Roboter ist, die richtigen Augen, ist das schon die halbe Miete. Man sieht ihn nicht als Roboter an, viel mehr spricht man von ihm und nicht es. Schon in den ersten Minuten sympathisiert man mit dem süßen Roboter, der tollpatschiger nicht sein kann. Wartet. Ich lüge. Wer meine Haltung zu Wall•E vorher kannte wird gerade vielleicht gestutzt haben. Natürlich habe ich den kleinen Racker nicht direkt in mein Herz gelassen. Mir war seine Art und Weise viel zu kalkuliert. Er soll einfach nur richtig, richtig süß sein und alle Menschen in seine Fernglas-Kulleraugen eintauchen lassen. Am Anfang war mir das alles viel zu suspekt, als dass ich ihn entgegen meiner vorherigen Haltung direkt gemocht hätte. Doch Pixar wäre nicht Pixar, wenn sie nicht auch den starrsinnigsten Menschen zu bekehren wüssten. Zwar haben sie es bei Ratatouille nicht geschafft, bei Wall•E umso mehr. Es könnte aber auch einfach daran liegen, dass sie diese Liebesgeschichte zwischen Wall•E und Eve eingebaut haben. Das ist wohl das Schlüsselelement, was mich dazu bringt den Film als viel mehr anzusehen als lediglich eine weitere gut animierte Geschichte.

Die Liebesgeschichte hat es mir wahrlich angetan. Es ist unglaublich wie wenig Worte benötigt werden, um eine Verbindung zu erzeugen. Im Grunde genommen überhaupt keine. Diese Roboter haben so viel Ausdrucksstärke, wie es mancher Schauspieler nicht vermag gleichzutun. Ein kleiner elektrischer Stoß als Kuss, eine Berührung der (Roboter-)Hand zur anderen, ein Lächeln vermittelt durch Leuchtdioden. Es ist keine epische Liebesgeschichte geprägt von Trauer und Tod. Viel mehr spürt man die Liebe durch Selbstaufopferung für die geliebte Person, den Willen, alles für ihn zu machen, alles was menschen – pardon – robotermöglich ist.

Dies wird dem Publikum zusätzlich in feinster Qualität präsentiert. Nicht nur, dass – wie bekannt – die Animationen auf aller höchstem Niveau sind, es sind auch die vielen weiteren Charaktere, die so viel Leben in sich tragen und den Film an Herz und Witz bereichern. Mir hat es besonders Mo angetan, der hartnäckige Schrubber, der Wall•Es Reifenspuren säubert – einfach knuffig. Des Weiteren hab ich auch endlich erfahren wer dieser mysteriöse PR-T ist. Seis drum.
Vor lauter Robotern sollte man aber auch nicht die Menschen vergessen, die doch das Leben auf der Erde wieder blühen lassen sollen. Das Witzige ist, dass sie, je dicker sie werden, immer comichafter werden. Und die meisten Menschen im Film sind dick. Sie haben es sich auf mobilen Sesseln bequem gemacht und hocken vor futuristischen Bildschirmen welche ihre Sicht auf die Außenwelt stark beeinträchtigt. Jeder unterhält sich von Bildschirm zu Bildschirm und wagt es nicht einmal einen Finger zu rühren, geschweige denn den Kopf zu drehen, um zu sehen, dass der Gesprächspartner direkt neben einem ist. Eine äußerst negative Zukunftsvision, die von Fast Food, Technik, Unlust und Dummheit dominiert wird. Neben der klaren Ansage mehr für die Umwelt zu machen, damit es nicht so aussieht, wie Wall•E es für hunderte von Jahren erlebt, bekommt man die Aufgabe nicht zu vergessen, was die Erde eigentlich für die Menschheit bedeutet und, dass man sich der Trägheit nicht beugen darf. Eine ähnliche Intention wie es in Idiocracy der Fall ist.

Alles in allem hab ich mir selbst ein Beinchen gestellt, in dem ich mir Wall•E schlecht geredet habe und dem Hype nicht folgen wollte. Doch es hat auch was gutes: Ich hab mich in dem Film getäuscht. Natürlich setzt Pixar auf das äußere Erscheinungsbild von Wall•E, aber bestimmt finde ich das alles bei einer dringend nötigen zweiten Sichtung nicht mehr so schlimm. Aus diesem Grund ist meine Bewertung etwas verfälscht und womöglich nach oben zu korrigieren, doch erstmal bleibt es dabei. Nichtsdestotrotz bleibt Wall•E mir als erfreulich exzellenter Animationsfilm in Erinnerung, der sich nicht nur auf seine Optik stützt, sondern mit viel Herz eine unterhaltsame Geschichte zu erzählen weiß.

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