An Chor Man

von Khitos

Was bekommt man, wenn man Unmengen an Comedystars in einen Film packt, diese in 70er Jahre Klamotten steckt und sie mit Waffen ausstattet? Natürlich: Anchorman. Ein Film der Ultimative, der ultimativen Unlustigkeit. Im positiven Sinne. Kern und Angelpunkt der Unlustigkeit ist Will Ferrell, der den Anchorman Ron Burgundy spielt, ja, ihn regelrecht lebt, mit seiner impulsiven, schreienden Art. Er ist der Chef im Nachrichten-Quartett der Channel 4 News. Wenn er etwas in den Nachrichten sagt, dann stimmte das auch. Sein Gefolge besteht aus dem Sportfan Champ Kind ( David Koechner ), der Wetterfee Brick Tamland ( Steve Carell ) und der Mann an Ort und Stelle Brian Fantana ( Paul Rudd ). In dieser Zeit regierten Männer die Welt. Es gab keine weiblichen Nachrichtensprecher und schon allein die Vorstellung davon war grausam genug. So muss sich die Neue im Team Veronica Corningstone ( Christina Applegate ), die sich als sehr ambitionierte Frau erweist, erst mit Frauenthemen rumplagen, die die Crew für sie ausgewählt hat, ehe sie die Möglichkeit bekommt ihr Können unter Beweis zu stellen. Als eines Tages Ron zu spät für die Nachrichten ist, springt sie für ihn ein und erziehlt für den Sender einen so hohen Popularitätsschub, dass sie kurz darauf Co-Anchorman wird. Ein Schock für das eingespielte Quartett, welches jetzt auch noch Platz für eine Frau (!) machen muss.

Anchorman ist ein Will Farrell Film. Er ist zwar nicht so stupide drauf wie in Oldschool und auch nicht so gedankenvoll wie in Stranger Than Fiction, doch er findet einen Mittelweg, der auch zu überzeugen weiß. Besonders Spaß macht es deshalb, weil er gerade diesen chauvinistischen, unreifen Angeber Ron Burgundy gekonnt auf seine sympathische Art und Weise spielen kann. Man nimmt ihm seine negativen Eigenschaften nicht Übel, sondern lacht über diese. Neben dieser zentralen Figur sollte man aber auch nicht die anderen überaus nennenswerten Figuren vergessen. Zum einen ist da sein love interest Veronica, die von Dumpfbacke Kelly aka Christina Applegate personifiziert wird. Die Anziehungskraft zu Ron ist zwar etwas fragwürdig, jedoch aufgrund von Rons Status für diesen Film völlig vertretbar. Die drei anderen des Nachrichten-Quartetts sind fest in ihrer Rolle verankert und spielen diese konsequent durch. Das mag zwar nicht erstaunlich klingen, aber wenn man sich Steve Carell ansieht, der diesen Zurückgebliebenen spielt, der nur einen IQ von 50 besitzt, dann ist das doch schon eine Leistung, was wieder die Unlustigkeit des Film unterstreicht. Paul Rudd wird immer und immer mehr zu einem meiner Sympathie-Schauspieler, da er mir bisher – sogar in dem überbewerteten Knocked Up – stets in guter Erinnerung geblieben ist. Fragwürdig ist hingegen David Koechner, der anscheinend nur diese Art von etwas verrückten, hyperlustigen Kerlen spielen kann.

Erwähnenswert sind auch die vielen Cameos, welche in einem Kampf der Nachrichtensender ihren Höhepunkt finden. Dort stehen sich die verschiedenen Gangmitglieder gegenüber, Waffen in den Händen, bereit zu töten. Anführer der anderen Gangs: Vince Vaugn, Ben Stiller, Luke Wilson und Tim Robbins. Es werden Körperteile abgehackt und abgebissen – überraschend, aber stets witzig. Eine Person, die ich noch unbedingt erwähnen will ist Jack Black, der wohl eines der besten Cameos präsentiert. Asskicking! oder besser Dogkicking!

Nun zu meiner Bewertung, die wohl ein paar Fragen aufwerfen könnte, da ich den Film doch so gelobt habe. Zum einen ist Anchorman ganz witzig, zum anderen fehlte mir aber die Verbindung zum Film. Ich konnte mich nie wirklich hineinfinden und wirklich ablachen. Andere Gründe gibt es eigentlich nicht, doch dieser ist in meinen Augen recht ausschlaggebend. Und immerhin…wenn ich wieder zu meinem alten Bewertungssystem greifen könnte, hätte ich wohl 6,5/10 gegeben. Deshalb und gerade deswegen spreche ich eine Empfehlung für diese Zusammenkunft der Comedians aus.

Ron Burgundy: Brick, where did you get a hand grenade?
Brick Tamland: I don’t know.

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