Alan Moore, Dave Gibbons – Watchmen

von Khitos

watchmencomic

Wie kann es eigentlich passieren, dass man von den berühmtesten Dingen überhaupt keine Ahnung hat, von ihnen noch nie etwas gehört, geschweige denn gesehen hat? Watchmen war mir so unbekannt wie das Geburtsdatum von George Clooney. Noch nie habe ich von diesem Comic gehört, das so gut sein soll, in der Liste der besten Bücher vom TIME Magazine als einziges Comic aufgelistet wird und seit Veröffentlichung im Jahre 1986 zahlreiche Fans um sich geschart hat. Und dann kam auf einmal das ganze Getummel um Watchmen, den Film, irgendwelche Klagen, hier und da Zweifel, ob es überhaupt released werden durfte und überhaupt, alle Welt sprach davon. Da mir der Comic so gar nichts sagte interessierte mich dessen Geschichte bis zur Veröffentlichung in den Kinos wenig bis überhaupt nicht. Und doch konnte ich nicht drumrum mich etwas zu informieren, es kommt schließlich ein Film heraus, der vom Ästhetik-Snyder gedreht wurde. Nach und nach kamen Trailer und meine Neugier wuchs: Ich wollte den Comic lesen.

Zugegeben, ich hab sehr wenige Buchvorlagen für Filme gelesen und bin immer wieder erstaunt wie viele Filme auf Bücher basieren. Als (Prä-)Otaku wollte ich doch  mal reinschnuppern, immerhin handelt es sich ja um einen Comic, obgleich ich eher auf Mangas stehe und mich für die westlichen Pendants herzlich wenig interessierte, da musste wollte ich einfach mal meine Präferenzen vergessen. Und es hat sich gelohnt. Watchmen gehört gerade nicht zu den konventionellen Superhelden-Comics und kann durch eine verblüffende Komplexität und eigenständige Geschichte überzeugen. Ein Comic für Erwachsene und ein westlicher Comic, der mir gefallen hat.

Vom Niveau her kenne ich nur wenige Comics, die wirklich etwas zu bieten haben; Death Note wäre als mein Paradebeispiel zu nennen.Viel zu sehr fixieren sich viele Comics auf Kämpfe und sind eher actionlastiger, ist doch die Zielgruppe wahrscheinlich männlicher Natur. Viel Bummbumm und keine Handlung, na das kennt man doch von einigen Filmen. Watchmen kommt mit ausgesprochen wenig Action über die Runden – oder besser: Der Fokus liegt gerade nicht auf  diesen Parts. Es ist viel mehr so, dass sich aus der Prämisse eine wirklich selbstständige, tiefergehende Geschichte entwickelt, die das Superheldengenre revolutioniert haben muss. Gealterte Superhelden, Flashbacks auf ihre goldenen Jahre, die längst fällige Erwähnung, dass es nur Menschen in Halloweenkostümen sind, selbsternannte Wächter, die Resonanz der Gesellschaft darauf, eine mögliche Verschwörung und ein Haufen endgeiler Zitate.

Das Einzige was mir fehlt ist wohl die Gunst es schon früher gelesen zu haben und einer Verfilmung entgegenzufiebern. Aber dennoch, besser spät als nie. Es gibt zwei Namen, die einem wohl obligatorisch im Gedächtnis bleiben müssen: Rorschach und Dr. Manhatten. Der eine blau, der andere hässlich, der eine ein Übermensch, der andere die coolste Sau in Panama den USA. Es sind wahrlich zwei außergewönliche Charaktere erschaffen worden, deren Geschichten mir im Comic am meisten gefallen haben. Meine Lieblingsstelle ist aber unangefochten die auf dem Mars: Dr. Manhattens Märchenstunde.
Doch es kann nicht alles gut sein. Die Geschichte in der Geschichte Tales of the Black Freighter hat mir nicht gefallen und hat eher gestört, auch wenn es simultan die Haupthandlung quasi unterstützt hat. Vielleicht liegt es auch daran, dass mir Piraten einfach nicht so gefallen. Weitere Contrapunkte sind mir aber nicht ersichtlich, denn summa summarum, von der Geschichte zu den Charakteren bis hin zur Erzählweise, kann Watchmen sehr überzeugen und ist einfach zu empfehlen, aber das brauch ich ja eigentlich gar nicht zu erwähnen, oder?

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