But, doctor…I am Pagliacci!

von Khitos

watchmen

Es stand ein kleiner Junge vor meiner Haustür. Er sagte zu mir: ,,Trick or Treat!”. Es war Halloween. Der kleine Junge hatte sich als Batman verkleidet. Der dunkle Ritter. Der Kämpfer für das Recht, der Albtraum jeden Ganovens. Dieser kleine Junge, dieser kleine Junge war Batman.

Man könnte sich fragen was wohl besser wäre, erst die Vorlage lesen und dann die Verfilmung, oder umgekehrt? Meistens ist es dann so, dass die Vorlage, sei es Buch oder Comic, um Längen besser als die Filmversion ist, da der Versuch der Adaption missglückt ist. Vieles spricht dafür, dass man keine Vorlage wirklich akzeptabel adaptieren kann dass dann noch allen gefällt. So fange ich auch mal wie viele andere Rezensionen an und behaupte entgegen der genannten Wahrscheinlichkeit des Misserfolgs, dass Watchmen gerade nicht unverfilmbar ist, und sei es nur deshalb, weil der Versuch von Regisseur Zack Snyder mich sehr angesprochen hat. Ich habe mich entschieden den Comic zu Erst zu lesen und dann den Weg ins Kino zu wagen. Nach manchen Trailern und niederschmetternden, aber zeitgleich auch euphorischen Kritiken wollte ich nun sehen, welche Polarseite mir nun besser gefällt. Eins sei vorweggenommen: Snyder hat eine beachtliche Adaption hinbekommen, die mir im Großen und Ganzen doch sehr Spaß gemacht hat. Eine Adaption à la Snyder avec Slowmo et Blut en masse.

Den Spaß wird man ohne jegliches Vorwissen auch haben, wenn man schon Snyders 300 mochte und sich die Kämpfe genüsslich auf den Augen zergehen ließ. In Watchmen kommen zwar nicht viele Kampfszenen vor, doch diese sind schön choreografiert und bieten ansprechende Nachkampfaction. Highlight für mich war Rorschachs gescheiterter Versuch vor den Polizisten zu flüchten. Des Weiteren war wieder einmal die Optik sehr gelungen, die besonders im Schnee sehr zur Geltung kommt und aufs opulenteste überzeugt. Wer ausschließlich visuell auf seine Kosten kommen will, wird mit Watchmen sicherlich gut bedient, insbesondere auch wegen der Sexszene zwischen Nite Owl II und Silk Spektre II. Diese leitet widerum einen negativen Aspekt ein, denn diese Szene ist viel zu lang und verdeutlicht leider nur, dass man sich wieder einmal auf den sex sells Leitspruch stützt und alles andere in den Hintergrund drängt. So unnötig lange diese Szene war, waren auch ein paar Slowmotions, die man sich getrost hätte sparen können.

Wo Watchmen visuell überzeugt, hinkt es auf der auditiven Ebene, in der der Soundtrack viel zu verschulden hat. Viel zu viele Lieder sind dermaßen deplatziert und passen leider überhaupt nicht zu dem, was gezeigt wird. Ausnahme bildet das unglaublich epische Intro, das beeindruckend mit Bob Dylans “The Times They Are A’Changin'” untermalt wird und zugleich auf eine bemerkenswert künstlerische Art versucht die Hintergrundgeschichte zu vermitteln. Womöglich ist dieser Vorspann das beste an Watchmen.

Was einen überraschen könnte sind die jungen Gesichter im Cast, die im Vergleich zu ihren Charakteren in der Vorlage viel jünger aussehen und bis zum Ende des Film ein Gefühl der Unstimmigkeit hervorrufen. Ich empfand Patrick Wilson und Matthew Goode etwas zu jung für ihre Rollen, aber vielleicht habe ich mich auch einfach nur viel zu sehr von Dave Gibbons Zeichnungen leiten lassen. Dennoch, der Cast macht seine Sache richtig gut und gibt sich Mühe die Charaktere ansprechend darzustellen. Unübertroffendes Highlight ist natürlich Rorschach, der wunderbar von Jackie Earle Haley gespielt wird, den man aber – um der Coolness wegen – lieber nur mit Maske sehen will. Eine genauere Betrachtung kann ich jedoch aufgrund der Synchronisation nicht erschließen. Schade eigentlich, denn mich nervte die Synchronstimme von Silk Spectre II, Malin Akerman, die man überall schonmal gehört hat und die ihren Charakter viel zu naiv darstellt.

Bisweilen konnte ich mich auch mit dem beinahe nicht vorhandenen Eigenwert des Films zufrieden geben. Die Vorlage wurde anscheinend als Storyboard benutzt und viele Szenen kommen einem bekannt vor. So muss es nicht sein, aber Snyder hats gemacht und es war gut. Die konsequente Durchführung hat er aber nicht ganz vorgenommen, da er das Ende modifiziert hat. Diese Veränderung gefällt mir nicht ganz, da sie im Widerspruch zur vorangegangenen Gewalt steht. Erst wird reichlich Blut vergossen, Knochen werden gebrochen, Körperteile werden ab- oder es wird auf sie draufgehackt und in der letzten Konsequenz sieht man nichts von alldem. Der Comic zeigt seitenweise tote Körperlein im kaputten New York, im Film sieht man nur einen Krater, das mal New York war. Etwas schade, aber wahrlich kein Genickbruch, denn dafür ist der Film dann doch zu ansehnlich gestaltet und bringt seine Vorlage richtig zur Geltung.

Im Hinblick auf den ganzen Film könnte man behaupten er sei für die Fans gemacht und nur für die, die die Vorlage kennen. Ich hätte nicht viel von dem Vorspann verstanden und mir wäre sicherlich kein Lächeln untergekommen in der Szene, wo die Watchmen ihr Foto schossen, hätte ich Watchmen nicht vorher gelesen. Natürlich kann der Film auch für Nichtkenner funktionieren, zeigt er doch wichtige Fragen auf, die heute noch diskutiert werden können. Als Bonbon serviert der Film die komplexe Geschichte mit fabelhaften Effekten und ist einfach ein eye candy.
Es fragt sich wohl zuletzt, ob die anderen Regisseure, die sich an dem Werk versucht haben, eine bessere Leistung abgeliefert hätten als Snyder, interessiert hätte es mich – besonders bei Darren Aronofsky – schon. Nichtsdestotrotz kann ich ohne Probleme damit leben, dass Snyder den Job bekommen hat, konnte er neben 300 wieder einmal einen guten Film in seine Vita eintragen. Ein The Dark Knight ist es nicht, aber immerhin ein…Watchmen.

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