In die Welt

von Khitos

IndieWelt

Das Leben ist das höchste Rechtsgut, welches du je erfahren wirst. Geschenkt wird es dir von einer Person, die dich 9 Monate lang im Leib trägt, nur wegen dir die schlimmsten Schmerzen ertragen muss und sich dennoch die kommenden Jahre um dich kümmern wird: Deine Mutter. Constantin Wulff nimmt diese spezielle Frau ins Visier und versucht die verschiedenen Stadien der Schwangerschaft in der Wiener Geburtsklinik in Form einer Dokumentation zu durchleuchten. Es gibt dabei aber einige Probleme:

In die Welt ist kein Dokumentarfilm. In die Welt ist eine Kamera in der Wiener Geburtsklinik, mehr nicht. Unglaublich die Vorstellung, dass hinter dieser Kamera mehrere Leute agieren, wo doch ein Fünfjähriger genügt hätte. Dieser Fünfjährige heißt Constantin Wulff, der für diesen Film den österreichischen Dokumentarfilmpreis erhielt. Es lebe das blanke Unverständnis. Man wird dafür geehrt, dass man etwas zeigt, was jederman schon kennt, schon viele Male gesehen hat. Das alles noch in einem so schlechten Gewand präsentiert zu bekommen lässt den Filmpreis gar als Witz erscheinen.

Wer sehen will, was In die Welt zeigt, der begebe sich bitte in eine Geburtsklinik. Der Weg ins Krankenhaus wird erspart durch den Weg ins Kino. Da zahlt man doch wirklich für etwas, dass man auch kostenfrei zu sehen bekäme. In die Welt begibt sich mehr und mehr in ein Terrain der psychischen Körperverletzung. Man versteht es nicht, begreift nicht, was Wulff einem mit diesen Bildern sagen will. Ja, der Weg bis zur Geburt ist steinig und etappenreich. Ja, es kann vieles schief gehen, vor, bei und nach der Geburt. Und ja, es ist mit Schmerzen verbunden, besonders für den Zuschauer. Denn das, was diese unfokussierte bis nicht vorhandene Inszenierung dieses Weges dem Zuschauer vorwirft ist aufs extremste banal und muss nicht auf Zelluloid gebannt werden.

In die Welt hat keine Einleitung, keine Stimme im Off, keine Interviews, keinen Dokuflair. Die Befürworter und Juroren dieses Films loben Wulffs Herangehensweise und, dass er die Emotionen der Menschen besonders hervorbringt. Und wenn das Nichtvorhandensein der essentiellen Dokuorgane gewollt ist, dann aber auch nur, um das Alltägliche widerzuspiegeln, um das wahre Leben zu zeigen. Im Grunde genommen ist das aber wieder nur der Beweis, dass man einfach nur mit einer Kamera im Krankenhaus herumlaufen muss, um einen Filmpreis zu erhalten.

Es gibt zwei Klimaxe in dieser 88 minütigen Schwangerschaftstortur. Die eine wäre eine zehnminütige Geburt, die ohne jeglichen Grund schon nach dem ersten Drittel gezeigt wird. Diese Szene stellt auch die längste in diesem Film dar und regt abermals zum Kopfschütteln an. Wieso nicht einfach den Weg von der Kenntnis des Babys bis zur Geburt in chronologischer Folge zeigen? Das wäre wohl zu stringent gewesen und könnte womöglich einen Hauch Struktur erahnen lassen, was Wulffs anarchistisches Wesen nicht gutheißen konnte.
Das zweite Highlight ist ein Kaiserschnitt, den man in voller Pracht zu sehen bekommt. Mehr braucht man ja nicht zu beschreiben

Es steht fest, dass dieses Thema nicht das richtige für mich ist. Mir hätte es dennoch besser gefallen einen wahren Dokumentarfilm zu sehen, anstelle dieses unertragbaren Amateurvideos. Denn In die Welt ist im Grunde genommen eine Geburt: Es ist sehr schmerzhaft, es dauert viel zu lange und man will endlich, dass das erlösende Ende kommt. Dieses kommt dann auch, aber ohne die Freude hinterher, eher die Missgunst jedes Zuschauers über die vergeudeten Minuten seines Lebens.

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