You always stop at the same part, when it’s very beautiful. Interesting.

von Khitos

tFALL

Wenn man die Augen schließt, dann können viele Dinge passieren. Die Fantasie hat keine Grenzen und entfaltet sich vor dem inneren Auge. Die Realität wird abgeschottet, man ist für sich und stellt sich Dinge vor, schöne Dinge, farbenfroh, so vielfältig in Millionen von Gedankenblitzen, gemalt in einem Zeitraum von wenigen Momenten, unbeschreiblich und doch vorstellbar. Der Augenaufschlag überwältigt aufgrund der trüben Realtität, die die Sehnsucht nach der Traumwelt hervorruft. Tarsem Singhs The Fall lässt einem diesen kleinen Hauch Eskapismus verspüren, leider nicht ohne Makel in der ach so perfekten Welt der Fantasie.

Tarsem Singh entführt den Zuschauer in die frühen 20er Jahre. Die epische Geschichte beginnt in einem Krankenhaus, in dem sich Roy Walker (Lee Pace) und die kleine Alexandria (Catinca Untaru) anfreunden. Roy ist Stuntman und hat sich bei seinem letzten Dreh die Beine gelähmt. Wo ihm jedoch die physischen Schmerzen fehlen, beginnen bei ihm die mentalen erst zu beginnen. Seine Freundin hat ihn verlassen und ihn plagen Suizidgedanken, die ihm seiner letzten Lebenswillen berauben. Kleiner Lichtblick ist Alexandria, die sich ihren Arm gebrochen hat und deshalb im Krankenhaus herumschwirrt. Als die beiden sich treffen, beginnt Roy eine epische Geschichte zu erzählen, aber nicht ohne Hintergedanken dabei zu haben.

The Fall ist ein visuelles Erlebnis und das bleibt es bis zum Ende. Leider ist es auch das Einzige was es ist. Die Aufnahmen sollen alle ohne CGI gedreht worden sein und das mag man einfach nicht glauben, denn sie sind umwerfend und realitätsfremd. Landschaften der ganz besonderen Sorte wird man in diesem Film erblicken, viele Farben, sehr innovative Bilder, die sich sogleich ins Gedächtnis einbrennen. Man möge hier nur das sehr eindrucksvolle Bild des Sklaven nehmen, der von hunderten von Pfeilen getroffen wird. Er unterliegt diesen und muss sich ergeben und lehnt sich zurück, eigentlich fällt er. Dennoch trifft er nie den Boden – die Pfeile halten ihn oben, er liegt auf ihnen, ja, er liegt auf den Pfeilen.
So tolle Bilder wird man wohl lange nicht mehr zu sehen bekommen, das ist Tatsache. Zutiefst enttäuscht muss man dann Singhs Film ansehen und bitter feststellen, dass leider nur die Optik eines der wenigen Gründe ist seinen Film überhaupt zu sehen. Schmerzhaft ist es fast wieder einmal einen Film nur auf die Optik zu reduzieren, ihm dessen ,,inneren Werte” nicht anzuerkennen, aber in diesem Fall kann man leider nicht drumherum. Grund dafür ist die Geschichte(n), die Singh hier inszenieren will. Was eine epische Geschichte werden sollte, verkommt leider in eine unnahbares Erlebnis, welches etliche Male von Alexandria abgebrochen wird und man somit aus dem visuellen Augeschmaus herausgerissen wird. Die Geschichte an sich ist nicht ausgereift genug, um wirklich zu überzeugen. Die Charaktere bleiben in ihrem Typ und werden bis auf weiteres stilisiert. Zudem können auch die beiden in der Realität lebenden Protagonisten nicht über ihr Anfangsstadium hinaus und verbleiben ohne weitere Hintergrundinfos in ihren etwas zu zweidimensionalen Rollen.
Die kleinen Änderungen der Geschichte für das Wohl der Kindervorstellung sind zwar nett, aber das Augenzwinkern wird redundant und ist gerade nicht so süß, wie, wenn z.B. das Kind am kalten Eis leckt.
Auch von die Liebesgeschichte zwischen Bandit und Prinzessin wird zu abrupt erzählt. Die Prinzessin bleibt alleiniger eyecandy und besitzt keinerlei Charaktereigenschaften. Es gibt keine Verbindung zwischen der Prinzessin und dem Banditen und es werden auch keine nachvollziehbaren Erklärungen geliefert. Aber auch in der realen Welt “versagt” Singh eine anständigen Erzählstrang zu kreiieren. Roy will sich das Leben nehmen, versucht das Mädchen dazu zu bringen ihm Pillen zu geben, die ihm sein Arzt vorbehält. Die Dramatik ist einem nicht greifbar, die Figuren zu weit entfernt. Womöglich liegt es auch an der zu großen Erwartung mehr zu bekommen, nicht nur das Auge zu schmeicheln und den Film auf dem ersten Blick zu fassen.

Schlüssig beschreibt James Berardinelli: [...], when it comes down to it, Tarsem is more interested in indulging his desire to throw imposing images at the viewer than in investing time and energy in the characters and their stories. Und das ist es was The Fall leider nur ein klein wenig über dem Durchschnitt hält, jedoch nicht darüber hinauswachsen lässt. Wer nur auf die visuelle Seite blickt wird begeistert sein, wer dahinter schaut könnte in seiner Fantasie gestört sein. In dem Sinne: Schließt die Augen.

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