It’s not about love, it’s about family! ~ Malcolm Mittendrin – Season 1

von Khitos

Mitm

Malcolm Mittendrin ist einer der wenigen Serien, für die ich wirklich extra aufgestanden bin, um an einem Samstag Vormittag etwas witziges zu sehen zu bekommen. Die Serie um Familie Wilkerson (laut imdb) hat mich nun wieder in ihren Bann gezogen und ich habe die Serie erneut angefangen. Erfreulich ist, dass es so ein nostalgisches Gefühl hervorruft, so alt, wie die Serie nun schon ist. Es ist auch einfach interessant zu sehen, wie sich die Schauspieler weiter entwickelt haben und was aus ihnen geworden ist. Letztendlich hat fast keiner so wirklich den Durchbruch geschafft, was aber nichts an der Qualität von Malcom Mittendrin ändert. Es stört auch nicht einmal, dass ich gerade erst den Nachnamen der Familie erfahren habe. Ich mein, The Janitor bleibt ja auch The Janitor in Scrubs, Namen sind da nicht so wichtig.

Die erste Staffel Malcolm Mittendrin (OT: Malcolm In The Middle) ist der Beginn einer wunderbaren Folge irrwitziger Geschichten um das Institut der Familie und die Dynamik innerhalb dieser. Diese Familiendynamik hat es in sich: Ein unselbstständiger, etwas hilfloser, aber mit allerlei Assen im Ärmel bespickter Ehemann und Vater Hal (Bryan Cranston), der schon in der ersten Folge als haariges Ganzkörper-Monstrum vorgestellt wird, das jeden Monat von der Frau rasiert werden muss; drei Söhne, Dewey (Erik Per Sullivan), Reese (Justin Berfield) und Malcolm (Frankie Muniz), die sich keine Sekunde Ruhe gönnen wollen und aller Ansicht nach auch nicht können, deren gegenseitige Abneigung sich in vielerlei heimtückischen Streichen und Auseinandersetzungen zeigt; Und noch ein Sohn Francis (Christopher Masterson), der jedoch als sehr schwarzes Schaf das Weite suchen musste, in eine Militärakademie, damit er von seinem Rebellentrip herunterkommt und vielleicht zu seinen Sinnen kommt, was die zentrale Figur dieser Serie so unbedingt will: Die Mutter (Lois; Jane Kaczmarek), eine – im buchstäblichen Sinne – Wahnsinnsfrau, die ihr Regelwerk unter allen Umständen durchzieht, sich nichts gefallen lässt, irgendwie in der chaotischen Familie überlebt, aber gerade auch verständlicherweise überlebt, weil sie gerade die treibende, überlebensnotwendige Kraft hinter dieser ist, ohne die es alleine noch disastöseres Chaos gäbe, Anarchie herrschen würde und womöglich die Lebensgefahr um einiges steigen würde. Eine Chaosfamilie, die von Nachbarn gemieden wird, von Fremden mit argwöhnischen Blicken bestraft wird und – so ist der ungeschminkte, tatsächliche Fall – nur Übles von einer Bekanntschaft erfähren würde.

Doch ein Lichtblick gibt es. Der kleine Malcolm ist trotz des Schabernacks, den er ständig mit seinen Brüdern treibt und den Ärger, den er selbst ständig hervorruft, etwas besonderer als der Rest der Familie. Grund dafür ist, dass seine Lehrerin etwas besonderes in ihm entdeckt hat: Malcolm hat einen IQ von 165. ,,Malcolm, special? What do you think that came from?”, die erste Antwort seines Vaters, der mit einem kleinen Lacher die Kundgabe am Esstisch kommentiert. Lois erkennt diesen Lichtblick, zwingt Malcolm in die spezielle Klasse Krelboyne für hochbegabte Kinder  zu gehen und aus seinem Glück etwas zu machen, denn Glück hat die Familie nun wirklich nicht oft. Das merkt man besonders in der letzten Folge der Staffel Waterpark, in der die Familie seit langem wieder einen Ausflug macht, und zwar zum großen Schwimmbad. Als dann die Rabauken wieder Stress machen ertönt es mit der mächtigen Stimme der Lois: ,,Do you think we are wealthy?! Do you think we are wealthy? Your father and I, we worked so hard, we worked so long. What is wrong with you?! Are you Aboriginees?!” Der letzte Teil zahlt dem spaßigen Aspekt der Serie Zoll, aber der Rest beinhaltet wie so oft in der Serie einen Exklusivblick hinter die Gagfassade, in der es nicht immer nur um Spaß geht. Schon im Pilot erblickt man etwas vom ernsten, etwas tiefer gehenden Unterton der Serie, der sich ab und an dann wieder zeigt, den Spaß, den die Serie entwickelt, aber nicht verdrängen, sondern nur ein wenig vielschichtiger gestalten will.

Der Spaß, der bleibt den Zuschauern bis zuletzt erhalten. So schafft es die erste Staffel von Malcolm Mittendrin auf einen konstanten unterhaltsamen Niveau zu bleiben, in der es lediglich Ausreißer nach oben hin gibt. Ein Highlight bildet Folge 12 Cheerleader, in der Reese auf ein Mädchen steht, aber konstant nach dem Motto ,,Was sich neckt, das liebt sich” jede Situation nutzt, um es zu ärgern, es halt zu necken und dann anschließend mit einer kindlichen Dauerlache und einem Winkewinke zu verabschieden. Dass das nicht so ganz fruchtet bemerkt er schließlich auch und ist bestürzt über seinen Misserfolg bei ihr, weint sogar und fragt Malcolm nach Rat. Das ist aber noch nicht alles, denn so wie der Großteil der Episoden geht es zeitgleich noch woanders rund. So blickt der Zuschauer in Deweys Kopf und sieht seine eigene komische Kinderwelt, die womöglich in jedem Elternteil einen Aha-Effekt auslösen wird, bekommen sie hier ja die manipulierende, fehlgeleitete Sicht eines Kleinkindes, welches die reale Welt in keinster Weise so sieht, wie es ein einsichtsfähiger Mensch tut. Hier wird auch ein Grund genannt, warum die Methode, um etwas von den Eltern zu bekommen (sprich: einfach lauter und mehrmals fragen), so exzessiv von Kindern angewendet wird: Die Eltern instruieren sie es zu tun. Hachja. Und anderswo in Alabama, wo Francis in seiner Militärakademie steckt, kommt er mit seinem Kommandanten ins Gespräch und erforscht dessen seelische Probleme. Dass hier wieder die Figur der Mutter eine zentrale Rolle spielt, kann man sich ja denken. Der achso harte, kalte Mann wird zur Memme, wenns um die eigene Mutter und die vielen Komplexe geht.

Beginnt die Staffel noch recht zurückhaltend, findet sie ab der Hälfte einen sehr guten Rhythmus und mausert sich mit drei beinahe perfekten Folgen (12 bis 14). Zu erwähnen wäre hier vielleicht noch Folge 14 The Bots and the Bees, in der Hal es ein paar Tage ohne seine geliebte Frau aushalten muss und sogleich seinen Verstand zu verlieren scheint. In Wahrheit ist er nämlich ein Rebell, ein Punk und ein Verrückter zugleich. Ab diesem Zeitpunkt weiß man auch endlich warum die Kinder so sind wie sie sind.
Es passiert noch viel, viel mehr, aber das sollte man lieber selbst sehen. Im Grunde lässt sich Malcolm Mittendrin schon hier als herzhaft, chaotische Serie bezeichnen, die viel Witz besitzt und nicht vergisst auch ein paar Stufen unter die Oberfläche zu gehen. So langsam lernt man die Charaktere kennen, vom wichtigsten kleinen Rabauken Malcolm zum Ladenmitarbeiter Craig (David Anthony Higgins), der in Lois verschossen ist. Die erste Staffel hat ohne Frage Anlaufschwierigkeiten, aber wenn man erstmal weiter schaut und die Familiendynamik begreift, dann ist man einfach…mittendrin.

_____[ * * * * ½ ]_____

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