Harry Potter und der Halbblutprinz. Warte, kam der eigentlich vor?

von Khitos

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Als einer der wenigen Menschen auf der Welt, die dem Wahn von Harry Potter entfliehen konnten, nämlich in der Mitte des fünften Bandes, entzog sich mein Interesse überhaupt die kommenden Harry Potter Filmchen zu schauen, den Verantwortlichen Geld in die Tasche zu stecken, da sie es in keinster Weise verdient hätten. Waren die ersten Filme noch okey, aber nichts weltbewegendes, sind die aktuellen Blockbuster dieses Franchises nun etwas eingegangen und haben keine Kraft den Zuschauer über die ganze Spielzeit über aufmerksam und interessiert zu halten. Für mich war schon der fünfte Teil ein wenig langweilig und konnte mich nicht packen, habe ich doch gerade in diesem Band aufgehört die ach so tolle Zaubergeschichte des kleinen Zauberers zu lesen. Vergleichbar mit der Saw Reihe könnte man auf die Qualität schließen, die der sechste Teil an den Tag bringt, denn dieser ist widerum ein Stück schlechter geworden, ja, sogar oder gerade für einen, der das dazugehörige Buch überhaupt nicht gelesen hat.

Nüchtern betrachtet kann man Harry Potter und der Halbblutprinz als ein netter Versuch sehen in das Genre der romcom einzusteigen, so viel wert wie auf die Beziehungskisten gelegt wird. Erinnern wird sich einer wohl viel mehr an den von einem Liebestrank verhexten Ron, der vor Harry träumerisch über ein Mädel schwärmt, als an den Endkampf zwischen den bösen Todessern und Dumbledore, der nicht einmal stattgefunden hat. Es gibt einige Lacher, die die Sichtung beinahe rechtfertigen, jedoch zuletzt überhaupt nicht ausreichen, um die Überlänge zu entschuldigen, die – jedenfalls bei mir stattgefundene – Kinopause in der Mitte des Films zu begründen und die daraus resultierende Raubung meiner Lebenszeit in irgendeiner Weise wieder gut zu machen.

Die Schauspielleistung des kompletten Casts lässt zudem wirklich immernoch zu wünschen übrig. Besonders da alle so auf künstlich-möcht-gern-witzig-rüberkommen-Niveau spielen und es sich beonders auf die tatsächliche Beziehungskrisen negativ ausschlägt, da diese in keinster Weise gefördert werden, viel mehr nur am Rande noch angesprochen und zum Schluss wieder vergessen werden. Eigentlich müsste es sich ja auch um andere Dinge handeln, und nicht um dieses Beziehungschaos, dass David Yates hier inszeniert. Yates hat das Fanchise schon düsterer gestaltet, hinkt aber immernoch hinterher und hätte gerade hier den nötigen Mumm beweisen sollen und dieses Franchise auf ein besseres Niveau heben können und nicht mit Eingeständnissen an das junge Publikum den wahren Faden zu verlieren. So bekam ich auch von vielen Seiten zu hören, dass sich dieser Teil in keinster Weise an das Buch halten will und dies somit auch dem kennenden Leser schwer aufstoßen wird. Lichtblick war wie auch in den letzten Teilen Emma Watson, die man sich einfach nett ansehen kann und bei der ich noch am ehesten interssiert war, was mit ihr geschieht. Evanna Lynch (spielt Luna Lovegood) hatte zudem auch zwei kleine, witzige Auftritte, die den Sehspaß wenigstens in den jeweiligen paar Sekunden hoben.

Schlussendlich stellt sich Harry Potter und der Halbblutprinz für mich als ein pubertierendes Stück von einem Möchtegern-Düsterfilm dar, ohne die nötigen Eier und das, statt im Köpchen, in den Lustknochen der Verantwortlichen fließende Blut. Es konzentriert sich eher auf das Hin und Her zwischen Männlein und Weiblein, anstatt auf die wichtigere Erzählung, die als Eingeständnis für das junge Publikum schlichtweg vergessen wird. Das nötige Potenzial hat dieses Franchise gehabt, die Hoffnung auf die kommenden Sequels doch noch anspruchsvoll zu sein wurden aber letztendlich hiermit vernichtet.

I’ve never been to this part of the castle. Well, not awake. I sleepwalk, you see. That’s why I wear shoes to bed.

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