Californication – Season 1

von Khitos

californication

Das große Bild, das Californication in seiner ersten Staffel beherbergt, ist das eines narzisstischen Schriftstellers, der sein süffisantes Lächeln nur ungern versteckt, wo es doch gerade so gut bei den Frauen ankommt. Sein Charme und gewählte, freche Rhetorik lassen seinen moderaten Körperbau bei dem anderen Geschlecht vergessen und in fast jeder der insgesamt zwölf Episoden umschließen seine Arme eine andere Frau in seinem Bett. Hank Moody (David Duchovny) ist ein wahnsinns Schriftsteller – dessen Werke man leider nie zu Gesicht bekommt – und ein wahnsinns Frauenaufreißer. Hank hat jedoch eine Schreibblockade, eine, die Jahre überdauert und ihn und seine Umwelt merklich herunterzieht. Ob seine menschlichen Eigenschaften reziprok zu seinem Lebensstil sind? Ja, das sind sie wohl. Er lebt sein Leben, Tag für Tag, trinkt seinen Whiskey, raucht seine Zigaretten und trifft die nächste Frau für eine Nacht.  Er ist Single, momentan. Er war es aber nicht immer. Seine große Liebe gibt es und sie ist immernoch präsent in seinem Leben, was die Sache um einiges komplizierter macht, auch wenn es für Hank das Einfachste der Welt ist. Sein Manifest beinhaltet die erneute Eroberung seiner Liebe Karen (Natascha McElhone), die jedoch einen Neuen hat, den sie vorhat zu heiraten. Nicht zu vergessen wäre ihre gemeinsame Tochter Rebecca (Madeleine Martin), die zwischen dem Ganzen Hin und Her zurecht finden muss und oft enttäuscht und allein gelassen wird. Wenn es denn so einfach wäre, wie Hank es sich repetitiv vorstellt und Karen vorspielt. Er liebt sie, sie liebt ihn? Es bleibt in einem Schwebezustand, was zwischen den beiden passiert, interessant wird es apodiktisch gen Ende der Staffel, Episode 12 The Last Waltz, die Klimax des ganzen Tumults.

An diesem Punkt ist Californication noch recht verhalten, beruht auf versierten Dialogen und lakonischen Handlungssträngen. Exorbitant wird es erst, wenn man Nebencharaktere heranzieht. Allen voran Mia (Madeline Zima), die 16 jährige Tochter von Bill, dem voraussichtlich zukünftigen Ehemann von Karen. Diese von Hank als Soziopathin bezeichnete kleine, große Göre ist eine egozentrische, teuflische junge Frau, die schon mit ihren wenigen Lebensjahren mehr von Manipulation zu verstehen vermag als manch anderer. So unglücklich die Beziehung von Hank und Karen verlaufen musste, so erreicht Hank seinen Tiefpunkt an dem Abend, an dem er mit Mia – jedoch im Zustand kompletten Unwissens ihres Alters – geschlafen hat. Dass diese Soziopathin von da an jede Gelegenheit nutzt, um Hank zu necken und in Beinahe-Schwierigkeiten zu bringen ist nicht nur wahrscheinlich, sondern in jedem Fall abzusehen.

Der Zuschauer hat jedenfalls seinen Spaß mit anzusehen, was mit Hank geschieht. Sei es eine nicht zurückgerufene ONS-Nummer, die ihre Wut in einem Boxkämpfchen an ihm auslässt oder eine Situation, in der er eine Prostituierte vernascht und danach unglücklichlicherweise kein Bargeld parat hat, sodann von einem netten Mann vermöbelt wird. Ja, das Leben meint es nicht immer gut mit Hank Moody. Sein Lächeln erhält er jedoch stets auf in seinem Dreitagebart-Gesicht. Mit genug Empathie kann man auch sehr gut mit ihm mitfühlen, so viel, wie ihm im Laufe der Staffel passiert. Denn er ist nicht immer so, so draufgängerisch. Es gibt ruhige Momente, die die aufrichtige Seite von Hank zeigen. Diese sind häufig in Situationen mit seiner Tochter und Karen anzutreffen, seiner Familie. Gerade in diesen Momenten schaltet die Serie vom üblichen, impertinenten “Fuck me”-Grundton zum ehrlichen, liebevollen Ton um. Es gibt nicht viele von diesen Momenten, denn die Serie lebt nunmal von den neckischen Dialogen rund um das Thema Sex.

Dieses Thema findet sich auch bei Hanks Agenten und bestem Freund Charlie (Evan Handler), der in seiner Ehe keinen sexuellen Reiz mehr sieht und sich in seine Assistentin Dani (Rachel Miner) verguckt, die ihn auf eine andere, besondere Art erregt. Diese ist nämlich Mitglied bei den SuicideGirls und steht nicht auf den normalen, langweiligen Beischlaf. Etwas überheblich lässt Charlie sich auf ein Spielchen mit Dani ein und hat die Folgen, die auf seine Ehe einfließen, zu tragen. Doch das geschieht nicht in einem dramatischen Ton, das ist nicht der Stil, den Californication herüberbringen will. Es gibt sehr wenig Drama, wo es im Vergleich bei anderen Serien wahrscheinlich schon mit Streichern im Hintergrund zelebriert werden würde. Nein, die erste Staffel ist leichtfüßig und zwingt sich nichts auf. Ein wenig büßt die Staffel in dieser Hinsicht jedoch ein, denn manche Geschehensabläufe werden nicht angesprochen, obwohl sie schwerwiegend für die Charaktere sein müssten. So bleibt zum Beispiel Mias Exzess in der Wohnung ihres Lehrers unkommentiert. Und auch sonst wirkt alles etwas zu fantastisch, für Hank läuft alles einfach immer wunderbar, egal was passiert. Ein Wermutstropfen, der schwer abzuschütteln ist, die erste Staffel Californication gleichwohl nicht eminent unamüsant erscheinen lässt.

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