Californication – Season 2 & 3

von Khitos

In Episode 4 Zoso der dritten Staffel Californication schreibt Hank Moody ein Wort auf eine Tafel, welches die Serie schlicht, aber dennoch treffend zusammenfasst: Fuck.

Fuck. In Bezug auf Hank Moody. Er fängt da an, wo er aufgehört hat. Immer weiter Frauen aufreißen und ihre Sexualpartnerzahl um 1 addieren. Aber das stimmt noch nicht einmal. Er braucht sich überhaupt nicht anstrengen, die Frauen fühlen sich auf irgendeine Art und Weise von ihm angezogen – und später ausgezogen. Dass Hank Moody eigentlich ein Arschloch ist, muss man nicht weiter vertiefen, das war schon von vornherein klar. Aber Frauen in Los Angeles oder generell stehen wohl auf den Bad Boy. Sie stehen auf diesen Autor, der trinkt, raucht, sich mit seinem Charme in die Schlüpfer aller Frauen mogelt, dabei sein süffisantes Grinsen nie ablegt und im maßgeblichen Lustmoment dabei gar nicht weiß, was er mit alledem eigentlich anrichtet.
Vergessen sind seine große Liebe Karen, ihre gemeinsame Tochter Becca. Was zählt ist: Fuck.

Fuck. In Bezug auf Charlie und Marcy. Die beiden sind eigentlich füreinander geschaffen, leben einige kranke sexuelle Phantasien aus und haben einiges miteinander erlebt. Doch diese skurrile Harmonie währt nicht lange. Pornostar Daisy tritt in den Vordergrund. Daisy ist süß, neu in der Pornowelt und der Runkle will dem zierlichen Pornobambi helfen. Dabei entdeckt er jedoch neue Seiten im Leben, eine andere Frau als Marcy. Charlies Sehnsucht nach etwas Neuem hat gesiegt, die Scheidung steht an. Ob die Scheidungspapiere wirklich von beiden Seiten unterzeichnet werden muss jedoch noch geklärt werden. Schade um das verrückte Pärchen. Marcy hat im Verlauf der Dinge Kokain für sich entdeckt und springt von A nach B wie eine kleine, wildgewordene Maus und Charlie lebt schlechter denn je, hat seinen Job aufgrund mehrmaligen Mastubierens verloren und erlebt bei seinem neuen Job wenig erfreuliches. Sicher ist aber, dass eines nicht fehlen darf, egal wo die beiden gerade stecken: Fuck.

Fuck. In Bezug auf die menschlichen Beziehungen. Diese sind nämlich ziemlich abgefucked. Jeder ist für sich krank und auf unnatürliche Weise – oder vielleicht doch sehr natürliche Weise – auf Sex fixiert. Dabei verkommen Kinder zu narzistischen Wesen, die in der Pubertät den zwar üblichen, aber auch unschönen Hass auf die Eltern entwickeln. Becca Moody. Schon von Anfang an war sie die Konstante, die die Serie zusammengehalten hat, wenn es darauf ankam. Sie sieht die Dinge, wie sie sind und hat so langsam echt die Schnauze voll ihre Eltern großzuziehen, anstatt selbst mal Kind zu sein. In Episode 7 In A Lonely Place der zweiten Staffel hält sie einen kurzen, dafür aufrichtigen und wahren Monolog über den problematischen Lifestyle, den Hank von Tag zu Tag lebt, der ihn eigentlich endlich zur Vernunft bringen müsste. Aber vergebens, es bringt nichts.
In der dritten Staffel wird es noch unerträglicher, wenn Hank Moody anscheinend dauerbreit durch das Geschehen läuft und mit wirklich jeder schläft, die in einem Radius von zehn Metern von ihm steht oder sitzt.
Das Fragwürdige bei dem Ganzen ist, dass Hank Moody es nicht schlimm findet, wenn er mit jeder Frau (“walking vaginas”?) schläft, es aber unakzeptabel ist und das Ende der Welt darstellt, wenn Karen, seine – das glaubt man ihm auf irgendeine Weise – große Liebe, dasselbe macht. Gott sei Dank macht sie es aber nicht. Sie ist noch bei Sinnen und weiß was für Konsequenzen dieses Verhalten haben kann.

Die zweite Staffel hat sich im Vergleich zur ersten Staffel um einiges verschlechtert. Es ist noch witzig, hat noch hier und da das nötige Unterhaltungspotenzial. Es wird aber regelrecht langweilig, wenn sich einfach alle Frauen ohne wirklichen Grund an Hank ranmachen und es zu dem anscheinend einzigen Sinn dieser Serie führt: Fuck. Das zeigt sich besonders, dass Karen und Hank eigentlich wieder zusammen waren, jedoch nur nach zwei Episoden wieder getrennte Wege gehen, damit weitere Sexeskapaden folgen können.
Genau so verläuft die dritte Staffel, die von Anfang an nicht überzeugen kann und noch ein Stück schlechter ist. Lediglich zum Ende werden endlich, endlich! die Probleme angegangen. Hank Moody konfrontiert sich selbst mit seinem sehr riskanten Lifestyle und will sich ändern. Endlich. Er will die Wahrheit sagen, über alle seine Fehler in seinem Leben. Das größte und noch heimlich gehaltene Geheimnis kommt raus: Dass Hank und Mia miteinander geschlafen haben. Für Karen bricht eine Welt zusammen, das ist das Limit, mehr kann sie nicht aushalten.
Kurz darauf folgt die beste Einstellung der Staffel oder sogar der ganzen Serie: Hank Moody, in Handschellen, bewegungsunfähig in einem Polizeiwagen, verhaftet, fährt an Karen und Becca vorbei, kann ihnen aber nicht in die Augen sehen. Er sieht nach unten auf den Boden, voller Scham, Melancholie und ruhiger Verzweiflung. Ein Gedanke fließt durch seinen Kopf: Fuck…

Season 2

__________[ 5,5/10 ]__________

Season 3

__________[ 5/10 ]__________