Breaking Bad – Season 1 & 2

von Khitos

Wer hätte gedacht, dass der kauzige Hal aus Malcolm Mittendrin der nächste große Undergroundboss der Drogendealerwelt werden wird? Ich jedenfalls nicht. Breaking Bad verhilft Bryan Cranston zu einem neuen Kultstatus, mitdem er neben seiner bisherigen freudig, aber tragisch komischen Rolle als Hal endlich seine dunklen Seiten zeigen kann. In neuer Gestalt als Mr. White, Walter H. White. Die Prämisse dieser Hitserie ist geradezu aus dem alltäglichen Leben gegriffen: Walter – überqualifizierter Chemielehrer an einem College – erfährt eines Tages, dass er Lungenkrebs und deswegen nur noch wenig Lebenszeit auf dieser Welt hat. Aufgrund einiger Umstände kommt er auf die Idee, diese restliche Zeit sinnvoll zu nutzen und seiner Familie, die bald um ein Kind reicher wird, ihre finanzielle Zukunft so gut es geht zu sichern. Die Idee: Drogen verkaufen. Als gekonnter Chemiker kennt er sich bestens aus und kann mit einem früheren Schüler – Jesse Pinkman, gespielt von Aaron Paul – das reinste, qualitativ beste Chrystal Meth herstellen, dass es auf den Straßen zu kaufen gibt. Seiner Familie erzählt er davon nichts. Er besitzt ab dem Zeitpunkt ein Doppelleben, was im Laufe der Zeit nicht nur ihn zerrütten wird, sondern auch alle Menschen um ihn herum.

Breaking Bad ist eine Mischung aus Familiendrama und Undergroundthriller. Manchmal weiß man gar nicht, welche Seite an dieser Serie eigentlich die spannendere ist. Denn nicht nur das Treffen mit verrückten Drogendealern und ihren Gewaltausbrüchen und das gefährliche Spiel mit der Knarre machen den Nervenkitzel aus. Auch die Familiendynamik im Hause White ist gefährlich. Walter White ist ein stolzer Mann, der selbst für sich und seine Familie sorgen will. Er will nicht von anderen finanziell unter die Arme gegriffen werden – mit Verachtung spricht er einmal von charity. Nein, Walter möchte kein Mitleid und auch zu keinem Wohltätigkeitsfall verkommen. Mit dem Drogen schafft er es eine Zeit lang immer Geld anzuhäufen, jedoch kann er es nur beschränkt – durch Lügen, auf denen Lügen folgen – benutzen, geschweige denn seiner Familie davon erzählen. Das Doppelleben wird ihm sehr schnell zum Verhängnis. Das Vertrauen in der Familie, besonders seitens seiner Frau Skyler (Anna Gunn), ist drauf und dran komplett in seiner Substanz zerstört zu werden.

Ausgeklügelt wirds, wenn man nicht nur die kleine Familie White ansieht, sondern auch die Schwester von Skyler und deren Mann hinzufügt. Marie (Betsy Brandt) ist eine kleine Bitch, deren Verhalten man manchmal überhaupt nicht rational erklären kann. Was jedoch viel interessanter ist, ist ihr Mann Hank (Dean Norris). Der ist nämlich angestellt bei einer kleinen Institution namens DEA – Drug Enforcement Administration. Seinen schlechten, dazu noch makaberen, Humor lässt er so so oft es geht heraus und grinst sich in fast allen Situationen einen ab. Das macht es nur noch schlimmer, da die gute Miene dem neuen Drogendealer der Szene doch so nahe steht und dies zu brisanten Dialogen und riskanten Situationen führt. Heisenberg ist der Name, den sich Walter gegeben hat und mitdem er seine Geschäfte führt. Heisenberg ist derjenige, den das DEA sucht, verfolgt und zur Strecke zu bringen versucht.

Zeitgleich führt Heisenberg seine Geschäfte mit seinem kongenialen Partner Jesse durch. In immer größeren Mengen, mit mal verrückten Kunden und mal mit stoisch, unauffällig wirkenden Käufern. Es gibt Tote, es gibt Blut, es gibt verängstigte Augen, die Schutz hinter einer Sonnenbrille suchen. Und dann gibt es noch einen zwielichtigen Anwalt, stupide esses und eine Sucht, die Jesse nicht loslässt. Chrystal Meth ist lange nicht mehr die einzige Droge, die hier geschnupft wird.

Trotz des gefährlichen Terrains, in dem sich Breaking Bad abspielt, und der empflindlichen Krebsthematik, bleibt Breaking Bad auf einem guten, aber nicht überwältigenden Niveau. Es steckt mehr Potential in dieser Serie, welches noch nicht ganz ausgeschöpft wurde. Es gibt keine Episode, die speziell hervorsticht, dafür aber auch keine, die wirklich schlecht ist. Dafür gibt es exzellente schauspielerische Leistungen zu sehen. Bryan Cranston trägt die Serie zu 73% großen Teilen mit seiner Darstellung dieses liebevollen, tragischen, aber gleichzeitig mutigen, ehrgeizigen, stolzen und harten Mannes. Nicht grundlos wurde er dafür zweimal mit einem Emmy geehrt. Alles in allem ist Breaking Bad nicht die konventionelle Serie, die man sonst zu sehen bekommt. Aber das ist doch in keinster Weise schlimm, oder? Im Gegenteil! Let’s cook, yo!

Beide Staffeln:

__________[ 7/10 ]__________

P.S.: Aufgrund einiger Beschwerden, will ich darauf aufmerksam machen, dass ich in keinster Weise das Zubereiten oder das Konsumieren von Drogen befürworte. Ich hab die Serie eher als unterhaltsamen, unkonventionellen Einschlag in die Serienlandschaft gesehen, die moralischen Dilemma zwar erkannt, sie aber nicht als wichtigstes Kriterium meiner Sichtung verstanden. ;)