Shorter than ever #6: A Serious Man with a Box and an Education

von Khitos

An einer Stelle stellt Larry Gopnik – schön gespielt von Michael Stuhlbarg – Eines fest: ,,The Uncertainty Principle. It proves we can’t ever really know… what’s going on.” Man kann nie wissen, was gerade mit einem geschieht. Genau wie diese Heisenbergsche Unschärferelation verhält es sich mit Larrys Leben, welches einer langsamen und immer schlimmer werdenden Massenkarambolage ähnelt. Das Leben hält für Larry einige Überraschungen offen, meistens sind diese negativ und setzen diesen netten, ruhigen Mann in Situationen, die er einfach nicht verdient hat. ,,I feel like the carpet’s been yanked out from under me.” Zu Recht kann er nicht vestehen warum gerade alles Schlechte ihm widerfahren muss, warum die Welt es so schlecht mit ihm meint, gerade ihm, der doch so hilflos alles durchsteht und geradezu schüchtern und unbeholfen seine Hornbrille von Zeit zu Zeit richtet, nur um durch sie auf die Welt zu blicken, die ihm nicht helfen will, nicht verstehen will und die ihm insbesondere keine Erklärung geben will für das was mit ihm geschieht.

A Serious Man ist eine ruhig erzählte, von Zeit zu Zeit immer besser werdende, mit einem tollen Soundtrack bestückte Parabel auf das Leben und die Hiobsbotschaften, die es mit sich bringt. Es kann nicht immer gut, aber sehr wohl immer schlecht verlaufen. Und erblickt man die erste gute Nachricht seit gefühlten Jahren, so wird einem dieser Glücksmoment vom Leben genommen. Wer ist daran Schuld? Hat überhaupt jemand Schuld? Ist es Gott, der gerade dich ausgewählt hat, um zu leiden oder ist es purer Zufall der Natur, die aus unerklärlichen Faktoren alles gegen dich wenden lässt. Der Interpretationsspielraum ist groß und wird einem subjektiv schwer fallen. Gerade Larry Gopnik will alles durch die Mathematik erklären, es ist die Basis für den Großteil seines Lebens. Aber die (Er-)Lösung für sein Leben hat er noch nicht gefunden.

__________[ 7/10 ]__________

Würdest du einen Menschen für Geld töten? Richtet man sich nach den Zehn Geboten, so sollte kein Mensch einen anderen etwas antun. Aber die Zeit ist schon lange vorbei. Menschen sind böse und töten, morden – meistens für und gerade wegen Geld. Eine Millionen ist die Summe, die Norma (Cameran Diaz) und Arthur Lewis (James Marsden) in bar erhalten werden, wenn sie auf einen lächerlichen roten Knopf drücken. Die Folge: Ein dem Paar fremder Mensch wird sterben. Ein moralisches Dilemma, das nicht leichtfertig gelöst werden kann. Dennoch wird sich der Großteil doch für das Geld entscheiden, oder? Man kennt die Person ja nicht, die deswegen sterben wird. An Stelle des schlechten Gewissens kommt das Geld, leicht verdient und ohne weitere Konsequenzen.

Dass das nicht so einfach abzuhaken ist, ist verständlich. The Box stellt aber gerade diese Frage und schaut sich an, wie die Menschheit darauf reagieren wird. Sind die Menschen so geldgierig, dass sie dafür ein anderes Leben opfern würden? Es ist ein interessanter Ansatz einer Studie, den Richard Kelly mit The Box erzählt. Aber ansonsten kann The Box – in Bezug auf den Unterhaltungswert und der Entfaltung dieses Ansatzes – leider nicht überzeugen. Es ist ein komischer Film, der einen perplex zurück lässt. Die Idee wird künstlich gestreckt und mit einigen skurrilen Situationen bestückt, hat aber bis auf einige gute Momente weiterhin wenig zu bieten. Es ist aber mal wieder etwas anderes gewesen, das muss man dem Film zurechnen. Aber bis auf das sind einem die Menschen darin ziemlich egal. Soll der Knopf doch gedrückt werden. Menschen sind böse. Das Resultat des Experiments wird man nicht erfahren, sondern muss sich jeder selbst ausdenken und gegebenenfalls selbst – durch Veränderungen im eigenen Leben? – für das gewünschte Resultat sorgen. Bis dahin kann man getrost einen Bogen um diesen mit Südstaatenakzent versetzte unnatürlich wirkenden Film machen.

__________[ 3,5/10 ]__________

Schule ist blöd. Schule ist langweilig. Schule, dort lebt man nicht. Viele Schüler werden sich sicherlich desöfteren – oder jeden einzelnen Tag der ganzen Schullaufbahn – denken, dass die Schule keinen Spaß  macht und man lieber etwas anderes machen will. Doch neben der Schule, die man eine Zeit lang seines Lebens besucht, gibt es noch die andere Schule, die man sein ganzes Leben besucht: Die Schule des Lebens. Dort lebt man und lernt vom Leben. Leben lernen. Das ist nicht einfach, besonders nicht in einer Gesellschaft, in der Erfolg und Karriere groß geschrieben ist. Dafür sind jedoch Qualifikationen vorausgesetzt, Qualifikationen, die man nur durch Abschlüsse erhält, Abschlüsse, die man nur erreicht, indem man zur Schule – die langweilige von den beiden – geht.

Jenny – gespielt vom ambitionierten, jungen Schauspielertalent Carey Mulligan – ist eine Einserschülerin und ist kurz davor in Oxford aufgenommen zu werden, um dort Englisch zu studieren. Ein Werdegang, den sich ihr Vater Jack (Alfred Molina) sehr wünscht, denn die kleine Tochter soll doch mal was erreichen, karrieretechnisch natürlich. Jenny verkörpert ein Buch, das noch beinahe unbeschrieben ist und welches noch keine konkreten Erzählrichtung gefunden hat. Geht es um eine Akademikerin, die es ganz weit geschafft hat? Oder geht es nicht doch um eine autonome, freie Persion, die ihr Leben in Paris in vollen Zügen genießt, Musik hört, Partys besucht und die interessantesten Menschen kennenlernt, die sie sonst nie kennengelernt hätte?

Jenny lernt David (Peter Sarsgaard) kennen, der die Schule des Lebens besucht und immernoch macht. Ein viel älterer Mann, der dort in das Leben des eifrigen Mädchen tritt. Ein Mann, der ihr Leben und ihre Ansichtsweise jedoch drastisch ändern wird. An Education erzählt von beiden Arten von Schulen und der ungewöhnlichen Beziehung zwischen Jenny und David, deren Chemie im Schlafzimmer etwas unpassend, gar schlichtweg falsch wirkt, auf der Straße jedoch als Lehrer und Schüler Verhältnis aufgefasst werden kann. An Education ist ein quirliger Film, der durch Mulligan eine besondere Note erhält, die das Sehvergnügen versüßt, da man sich mit dieser Figur besonders identifizieren kann.

Boring! Studying is hard, and boring; teaching is hard, and boring, so what you’re telling me is to be bored, and then bored, and finally bored again, but this time for the rest of my life! This whole stupid country is bored, there’s no life in it, or color, or fun.

An Education lebt aber nicht nur durch die Romantik zwischen Jenny und David und des Lebens ansich, sondern kann auch sehr humorvoll sein. Das zeigt sich besonders bei einer Freundin von David, Helen (Rosamund Pike), die manchmal blöd ist und einfach nicht versteht, was gerade abläuft. Sie ist einfach in ihrer Art und das macht sie schwach, aber es ist nicht so, dass man sie auslacht, eher lacht man über ihre unbeholfene, reizende Art. Eine andere Person wäre da der Vater von Jenny. Ein Mann, der impulsant ist, sich jedoch schnell um den Finger wickeln lässt, besonders von David. Erst will er, dass Jenny unbedingt nach Oxford gehen soll, und dann unterstützt er die Beziehung zwischen ihr und David. Ein ulkiger Mann, der wunderbar von Molina portraitiert wird – ,,Knowing a famous author is better than becoming one“. Für welchen Weg man sich schlussendlich im entscheidenden Ende entscheidet, ist jedem selbst überlassen. An Education stellt auf die Vernunft ab, denn das Leben steckt voller guter, aber auch schlechter Überraschungen.

__________[ 7,5/10 ]__________

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