The Fountain – There’s No Hope For Us Here, There Is Only Death.

von Khitos

Leben und Tod. Sterben, um zu leben. Leben, nur um zu sterben. Es dreht sich alles um diese beiden Dinge. Es sind zentrale Motive, die sich überall finden lassen. Die Menschen, die über das Leben philosophieren und mit Religion zu verstehen versuchen, den Sinn suchen, nach Sinn streben und nur den Tod finden – wie jedes Lebewesen. Ein Wesen, nur um zu leben, um dann zu sterben. Jedes Lebewesen. The Fountain beleuchtet diese beiden Motive und gerade ihre starke Verbindung miteinander. Aber nicht nur das. Die unzerstörbare Ehe spielt auch eine wichtige Rolle, sowie die Wissenschaft, die das Leben letztendlich nicht aufrechterhalten kann. Es ist einfach so, man stirbt, man lebt. Darren Aronofsky lässt den Zuschauer einen dieser zahlreichen Fälle miterleben, den von Tom (Hugh Jackman) und Izzi (Rachel Weisz).

Aronofsky wäre nicht einer der wichtigsten Regisseure unserer Zeit, wenn er nicht ambitioniert und ehrgeizig wäre, eine Geschichte zu erzählen, die weit über das hinaus geht, was andere sonst ohne wirkliche Lust einfach auf die Leinwand projizieren. Mit The Fountain beweist er, dass er sehr ambitioniert ist, wird die Geschichte von Tom und Izzi – durch unterschiedliche Außenfassaden – ja innerhalb drei Äras erzählt: Das Jetzt, in der Tom als Wissenschaftler versucht ein Mittel zu finden, welches den Tumor in Izzys Körper heilen soll; Das 16. Jahrhundert, in der Tom als Eroberer für die Königin von Spanien (Izzi) den Baum des Lebens finden soll; Die Zukunft, in der Tom schon Jahre lang mit einem Baum (metaphorisch für Izzi) in einer Nebula, einem sterbenden Stern, lebt.

Diese drei Geschichten werden wunderbar mit Flashbacks und Flashforwards verknüpft und mit allerlei gekonnter Technik durchläuft der Zuschauer ein Hin und Her zwischen den Zeiten, ohne wirklich eine Unterbrechung in der Geschichte zu bemerken. Aronofsky gelingt es auf technischer Ebene eine faszinierende Welt zu erschaffen, eine Geschichte, die nicht stringend von Anfang bis Ende erzählt wird, sondern sich mit der Zeit aufbaut und aus allen Einzelgeschichten sich am Ende zusammenfügt, um in einem fulminanten Spektakel zu enden. Visuell beeindruckt The Fountain gerade in der Zukunftsvision, in der es vor goldenen, strahlenden Tönen nur so strotzt. Aber auch im auditivem Bereich ist wie auch in Aronofskys vorherigem Werk Requiem For A Dream ein Meister namens Clint Mansell am Werk, der die Geschichte so feinfühlig im Hintergrund begleitet, dass man die Töne erst bemerkt, wenn man schon ganz tief in sie versunken ist.

Interpretationsspielraum ist bei so einer Geschichte unendlich groß. Der Zuschauer wird gerade dazu eingeladen seine eigene Geschichte darin zu sehen. Es gibt viele Metaphern, sehr viele, womöglich auch dort, wo Aronofsky es gar nicht intendiert hat. Das Dunkle, das Helle, der Wechsel zwischen den beiden, Leben und Tod. Alles ist klar erkenntlich und wird einem sehr interpretationsfreudigen Zuschauer regelrecht penetrant vor die Nase gehalten. Auch die verwobenen Geschichten wirken gerade wegen Aronofskys Ambitionen mit der Zeit ein wenig zu überfrachtet mit den offensichtlich gleichen Mustern. Doch das ist nicht das wirklich Negative, dass man The Fountain vorwerfen kann. Lassen wir die technische Leistung und die audiovisuelle Erfahrung mal bei Seite und blicken auf die eigentliche Geschichte, die Figuren und wie diese dem Zuschauer vorgestellt werden.

Ich habe dem Film zwei Chancen gegeben, eine dritte bekommt er sicher nicht. Denn auch beim zweiten Mal kann The Fountain auf emotionaler Ebene keine Erfolge erzielen. Den emotionalen Kern, den The Fountain – durch die Geschichte mit Izzis bevorstehenden Tod und Toms Versuch sie zu retten – zu erstellen versucht, funktioniert einfach nicht. Man wird in die Geschichte hineingeworfen, ohne Vorgeschichte, ohne gar nichts. Es wird einem nicht leicht gemacht überhaupt mit den beiden Figuren mitzufühlen. Man kennt sie nicht. Wer sind Tom und Izzi? Man wird es nicht erfahren. Den ganzen Film über habe ich fast keine einzige emotionale Verbindung zwischen diesen Figuren empfunden. Es ist einfach nicht genug deren Geschichte in diesem eingeschränkten Rahmen zu erzählen, so tragisch und so gut umgesetzt sie auch ist. Lediglich das letzte Viertel des Films vermag es durch große, Ehrfurcht erweckende Töne Mansells einen transzendentale Atmosphäre zu entwickeln, die einen hineinzieht, sodass man für eine kurze Zeit das spürt, was man vergeblich den ganzen Film zu spüren versuchte.

__________[ 6/10 ]__________

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