The Black Donnellys

von Khitos

Eine von zwölf Episoden wurde im amerikanischen Fernsehen nicht ausgestrahlt, weil diese zu gewalttätig war. Es war die dritte Episode. The Black Donnellys, geschaffen von Paul Haggis (Crash) ist wahrlich keine Serie, die Samthandschuhe trägt, sich mit Kinkerlitzchen abgibt und einen auf Freund macht, denn hier geht es hart auf hart, in jedem steckt ein Feind. Was aber nie vergessen werden darf: Die Familie.

Die Familie ist ja ein berühmtes Konstrukt in dem Mafia Genre. Man darf sie nicht hintergehen und man kann sich stets auf sie verlassen. Im Fall von den Donnellys ist es Tommy (Jonathan Tucker), der für alles zuständig ist. Er ist ,,the smart one”. Die anderen Brüder sind schön eingeteilt in Jimmy (Tom Guiry), der impulsante, stets im Affekt handelnde Brutalo; Sean (Michael Stahl-David), der jüngste, der Schönling; Kevin (Billy Lush), der Wettsüchtige, Pechvogel und ,,the dumb one”. Sie sind alle sehr verschieden und doch halten sie wirklich (fast) immer zusammen. Aber ich erzähle die Geschichte ja nicht. Es ist Joey Ice Cream (Keith Nobbs). Die Geschichte der Donnelly Familie wird in einem Rückblick erzählt, aus der Sicht von Joey, einem Familienfreund, der sich nichts sehnlicher wünschte, Teil einer Brüderbande wie die der Donnellys anzugehören. Joey ist im Gefängnis, er wird verhört, er erzählt Geschichten. Ob diese nun wahr sind, weiß man nicht, die Ermittler glauben ihm jedenfalls mindestens nur die Hälfte was aus seinem Mund strömt, und das ist viel. Was mit der Donnelly Familie ist, weiß man nicht. Dafür muss man schon Joey zuhören, nicht nur einen Teil, sondern alles, was dieses Plappermäulchen zu erzählen hat.

Es geht also um die Donnellys. Es sind Iren, die sich in New York gemütlich gemacht haben. In dieser ominösen Gegend haben die Iren in ihrer Gesamtheit einen Feind: Die Italiener. Beide Partein mögen sich nicht ein Stück, deshalb gibt es ständig Zoff, der sich in Form von Toten, Verletzten und Bedrohten widerspiegelt. Aber auch innerhalb der Partein kommt es immer wieder zu Streitigkeiten, Verrat, Misstrauen. Es wäre unangebracht die Pilotfolge mit zu vielen Einzelheiten zu versauen, denn diese gehört mit Abstand zu den besten, die ich seit Jahren gesehen habe. Es ist einer dieser Episoden, die von Anfang an alles richtig machen, den Zuschauer packen, durch intelligente Narration an die Hand nehmen und eine Geschichte erzählen, die man in den letzten Minuten erst einmal verdauen muss. Lediglich die Pilotfolge von Friday Night Lights kommt dem gleich, andere haben es bisher nicht geschafft bei mir.

Was man nun über die Serie sagen kann ist, dass es wirklich einiges erzählt, von daher nicht einfach so mal vom Zuschauer gesehen werden kann ohne mitzudenken. Diese Mafiafamilien sind ja eh alle etwas wirr warr aufgebaut, sodass ein Krieg zwischen zwei Partein umso komplizierter wird. Ich habe auch irgendwo mal gelesen, dass die Serie deswegen abgesetzt wurde, weil es halt zu kompliziert ist, aber das könnte auch nur meine Theorie gewesen sein. Diese wäre nicht einmal berechtigt, denn es ist nicht die tiefgründigste und komplizierteste aller Serien, aber etwas Mitdenken wird eben gefordert.
Jedenfalls ist die Serie sehr auf ihre Akteure fixiert, besonders auf Tommy, der ja nun das meiste in der Familie macht. Ihm wird die meiste Zeit geschenkt. Es kommt viel auf ihn zu, ihm wird von seiner Familie viel abverlangt und er bemüht sich all dem gerecht zu werden. Im Grunde ist er auch nur ein kleiner Junge mit einem Traum, dem Traum Künstler zu sein, zu malen und zu zeichnen. Als Junge in dieser Familie, in dieser Gegend mit dieser Feindschaft, eine schwierige bis unmögliche Sache. Und da wäre noch sein love interest Jenny (Olivia Wilde). Die beiden gehören eigentlich zusammen, doch durch all die Eskapaden funktioniert das alles nicht ganz. Leider. Denn es wird wirklich versucht die Beziehung zwischen den beiden zu durchleuchten und die schmerzhaften Konsequenzen daraus hinzunehmen. Dazu kommt, dass Jenny eigentlich noch verheiratet ist, aber ihr Mann, den sie übrigens nicht ausstehen kann, seit langem spurlos verschwunden ist.
Aber auch die anderen kommen keineswegs zu kurz. In Rückblenden wird die Entwicklung von den Brüdern gezeigt und einen nachvollziehbaren Grund gegeben, warum sie jetzt so sind wie sie sind. Weiterhin wird durch den Einsatz von Flashbacks die Geschichte zwischen den Italienern und Iren aufgezeigt. Eine Geschichte, die viel mit den Donnellys zu tun hat und die auf einer großen Klimax endet.

Es gibt noch viel mehr zu erzählen, aber das würde den Rahmen etwas sprengen. The Black Donnellys ist für jeden Fan von Mafia ähnlichen Serien zu empfehlen (wobei ich mich jetzt hier frage, warum mir The Sopranos nicht gefiel…). Es ist hart, brutal, häufig sogar witzig, gut umgesetzt und besitzt dabei noch herzliche, empfindsame Momente. Es ist eine Schande, dass diese Serie so früh abgesetzt wurde. Eine zweite Staffel kam nie wirklich zu Stande. Ich hätte wirklich gern noch mehr (,,wahre”) Erzählungen von Joey Ice Cream gelauscht. Nicht umsonst wurde in Erwägung gezogen, die Serie ,,The Truth according to Joey Ice Cream” zu nennen.

__________[ 8,5/10 ]__________

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