El Secreto De Sus Ojos – Erinnerungen

von Khitos

Benjamín Espósito (Ricardo Darín) ist nach unzähligen Jahren bei der Staatsanwaltschaft als Kriminalbeamter endlich im Ruhestand. Er will sein Leben genießen, zu viele grausame Fälle hat er schon bearbeiten müssen. Diese Fälle sind aber nicht leicht zu vergessen, besonders ein spezieller Fall nicht. Vor 26 Jahren wurde eine Vergewaltigung und Mord an einer wunderschönen Frau verübt. Dieser Fall hat ihn so sehr beschäftigt, dass er ständig darüber nachdenkt und entschließt einen Roman darüber zu schreiben. Auf seinem Weg zur Vollendung des Romans begibt er sich wieder in seinen alten Arbeitsplatz und sucht seine alte Freundin und ehemalige Vorgesetzte Irene Hastings (Soledad Villamil) auf. Zwischen diesen beiden bestand schon seit der Ankunft Irenes in die Büros der Staatsanwaltschaft eine Verbindung, eine Anziehung, die beide erkennen, aber es nie riskiert haben sie einzugehen. In seinen Gesprächen mit Irene und mehreren Tassen Kaffee kommen Benjamín immer wieder Erinnerungen an den Fall hoch. Der Fall wird ihm immer suspekter, nicht nur wegen dem Ehemann der Getöteten, Ricardo Morales (Pablo Rago), und bald erkennt er das wahre Gesicht dieses Falles.

El secreto de sus ojos wurde bei der Oscarverleihung 2010 als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet, und das nicht zu Unrecht. Juan José Campanella hat mit diesem Film ein kleines Konglomerat aus Liebesfilm und Krimidrama geschaffen, das wunderbar funktioniert und sich in keinster Weise im Weg steht. Der Großteil der Geschichte, die Ermittlungen des Falls, werden in einem großen Flashback gezeigt und ab und zu wechselt die Erzählung in die aktuelle Zeit zurück. In den 130 Minuten wird die Zeit effektiv für beide Teile ausgenutzt, wobei der Krimi-Anteil im Wesentlichen überwiegt. Im Hinblick darauf ist es etwas schleierhaft, dass der deutsche Verleih ,,Das Geheimnis” bzw. ,,Die Geheimnisse” aus dem Titel genommen hat. In Deutschland wird der Film nur unter ,,In Ihren Augen” bekannt werden, sodass die Geheimnisse völlig in den Hintergrund geraten und man sich vielleicht in ihren, Soledad Villamils, Augen verliert und nicht in mehreren. Ich vermute, dass man eher versucht die romantische Ader der Zuschauer zu treffen, um womöglich den weiblichen Anteil zu vergrößern. So jedenfalls bleibt das Geheimnisvolle im ersten Augenblick für den Zuschauer verborgen, obwohl gerade das den Hauptteil des Films ausmacht. Dass die Liebesgeschichte vorhanden ist stimmt zwar, aber man appelliert an die falsche Erwartungshaltung. Nichtsdestotrotz könnte man gemäß dem Titel natürlich einiges aus den Augen der Protagonisten lesen. Man kann für sich selbst die Liebesgeschichte in den Vordergrund bzw. in den immer fortwährend begleitenden Hintergrund stellen, welche man in den Blicken von Benjamín und Irene wiederentdecken will. Seis drum. El secreto de sus ojos bleibt ein Film, der sich durch ein gutes Zusammenspiel von Figuren und Geschichte auszeichnet.

Die Geschichte basiert auf das mir unbekannte Buch ,,La pregunta de sus ojos” von Eduardo Sacheri. Man beachte wiederum die Veränderung im Titel, von ,,pregunta”, ,,die Frage”, zu ,,secreto”, ,,das Geheimnis”. Aber diese kleine Feinheit ist nicht weiter beachtlich, wenn man bedenkt, dass Sacheri auch am Drehbuch mitgearbeitet hat und es ohnehin womöglich keinen allzu großen Unterschied macht. Abgesehen davon ist das Drehbuch solide, es wird eine quasi stringente Geschichte erzählt, die kraftvoll von Campanella inszeniert wurde. Besonders die Kamera hat es mir stellenweise angetan, so scheint sie auch desöfteren das preiszugeben, was die Figur, die man sieht, empfindet oder in welcher Stimmungslage sie sich befindet. So wird ein Angeschuldigter in Untersuchungshaft mit einer leicht wackeligen Art aufgenommen, sehr unruhig, wo im Gegenzug Benjamín aufgenommen wird, als ob ihm nichts anhaben könnte, die Kamera bleibt konstant.

Die kraftvolle Inszenierung verdankt man auch den Schauspielern, die insgesamt auch durch ihre alternden Masken sehr gut schauspielern. Überraschend ist, dass Ricardo Darin, der eigentliche Protagonist Benjamín Espósito, noch nicht einmal die beste Leistung an den Tag bringt. Er spielt solide, einfühlsam, aber kommt nicht ganz an die Darstellung von Soledad Villamil heran, die besonders mit ihrer Mimik weit aus mehr Emotionen rüberbringen konnte, als der Rest des Casts. Zu erwähnen wäre indes Guillermo Francella, der den alkoholsüchtigen Kollegen von Benjamín, Pablo Sandoval, spielt. Gerade durch ihn wird der Anfang des Films sehr nett eingeleitet. Dieser ist nämlich einfach nur ein kleiner, nicht allzu gut aussehender Mann, der sein Leben genießt und sich mit wenig zufrieden gibt. Durch ihn erreicht El secreto de sus ojos zu Anfang eine charmante Grundatmosphäre, die sich besonders durch seine Art zeigt, wie er an das Telefon im Büro herangeht. Er antwortet mit ,,Spermabank hier, wollen sie eine Spende abgeben?” oder ,,Kommandozentrale”. Diese leichten Witze lockern den gesamten Stoff doch sehr auf und machen den Einstieg und den Verlauf des Films um einiges amüsanter.

Dass diese friedliche Stimmung nicht lange währt ist mit der Krimigeschichte natürlich abzusehen. Es wird immer gefährlicher für die Figuren und das zeigt sich auch durch die manchmal anmutende Stimmung wie bei einem ZDF-Krimi. Man könnte sogar Verblendung als Vergleich nehmen, da auch dort der Fall und die Auflösung auch irgendwie im Fernsehen hätte laufen können. Aber das ist nicht passiert und das ist auch gut so, denn beide Filme sind qualitativ deutlich besser als ein Fernsehkrimi.

Spoiler ahead.

Im Hinblick auf die Liebesgeschichte blickt man durch die Augen der Figuren in das Innere von ihnen. Die Verbindung zwischen Benjamín und Irene währt über beinahe drei Dekaden ohne wirklich von ihnen ausgelebt zu werden und ohne öffentlich zu ihrer Liebe zueinander zu stehen. Erst bei Abschluss, der Erlösung des immer im Gedächtnis bleibenden Falles, kann sich Benjamín dazu entschließen nicht nur in seinen Erinnerungen, sein “altes” Leben, zu blicken, sondern stattdessen begreifen, dass es nur ein Leben gibt, das es zu leben gilt.

Spoiler end.

Ob der Oscar – so viel Wert man ihm denn verleihen mag – wirklich verdient gewesen ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Neben der etwas zu schnulzigen Musik – Streicher hier, Klavier dort – kann man eigentlich nicht viel an El secreto de sus ojos aussetzen. Campanellas Film hat Kraft, ist einfühlsam und unterhält über die Laufzeit von mehr als zwei Stunden und kann ohne Zögern in die Liste der sehr guten Filme dieses Jahres hinzugefügt werden.

__________[ 7,5/10 ]__________

- El secreto de sus ojos kommt am 28.10.10 mit dem Titel In Ihren Augen in die deutschen Kinos. -

Für Sneakfilm.

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