The Good Wife – Season 1

von Khitos

Ich habe schon etliche Anwaltsserien angefangen zu schauen. Mein persönliches Resultat: Keine war so gut wie The Good Wife. Die Macher, Michelle und Robert King, hinter der Serie kenn ich nun nicht, aber dafürsind zwei namenhafte Produzenten am Werk: Ridley Scott und Tony Scott. Mag sein, dass sich auf den ersten Blick nicht viel unterscheidet, aber wer genauer hinschaut wird bemerken, dass es in The Good Wife um weit aus mehr geht als nur die zu bearbeitenden Fälle. Der erste große Unterschied zwischen dieser Serie und den anderen: Nicht ein Mann ist im Vordergrund, sondern eine Frau. Eine Frau, die im Schatten ihres Mannes (Peter Florrick, gespielt von Chris North) steht, die alleine zwei Kinder großziehen muss, weil ihr berühmter Mann aufgrund eines Sex-Skandals ins Gefängnis musste. Es ist eine starke Frau, die Karriere und Familie unter einen Hut bringen muss. Es ist aber auch eine schwache Frau, die unter diesen Umständen einfach nicht alles schaffen kann. Sie ist auch nur ein Mensch. Genau das wird so deutlich in dieser Serie. Sie hat finanzielle Probleme, sie weiß nicht immer wie sie um die Runden kommen soll mit ihrem Job, weil sie zunächst mit einem anderen Kollegen (Cary, gespielt von Matt Czuchry) für einen festen Arbeitsplatz konkurriert. Sie muss mit ihren Kindern klar kommen, ihnen erklären, was mit deren Vater geschieht. Die Kinder sind nicht klein, Teenager, aber immer unter der Obhut der Mutter. Es ist eine Frau, die nicht weiß, ob sie wirklich nach dem Sex-Skandal noch mit ihrem Mann zusammen sein will. Sie war mit ihrem Boss (Will, gespielt von Josh Charles) in ihrer Jugend mal zusammen und die beiden besitzen immer noch eine Verbindung, die beiden stets präsent ist. Sie ist ein Mensch und hat ihre tausend Probleme. The Good Wife zeigt all dies. Und natürlich die Fälle, die nebenbei auch sehr interessant aufgearbeitet werden. Weiterhin schafft es diese Serie auch noch die anderen Charaktere, die Vorgesetzten und Partner, zu durchleuchten und ihnen Zeit zu geben sich zu entfalten, damit der Zuschauer sich auch mit ihnen anfreunden kann.

Julianna Margulies, die für die Darstellung dieser Frau namens Alicia Florrick einen Golden Globe gewonnen hat, ist die perfekte Besetzung für diesen Charakter. Sie strahlt eine Stärke aus, die nicht jeder Frau beiwohnt. Gleichzeitig besitzt sie aber auch die feinfühlige Ader eine Mutter zu spielen, auch mal hart zu sein, aber auch die Fähigkeit hat die Situation der Kinder nachzuvollziehen, die auch nur wieder einen Vater haben wollen. Margulies kann die inneren Konflikte dieses Charakters sehr gut darstellen und wurde dafür entsprechend gewürdigt.

Der grobe Umriss, den ich zuvor gegeben habe, sollte an Veranschaulichung des Inhalts dieser Serie genügen. Es ist einfach eine Serie, die sich nicht nur auf die Fälle konzentriert und einen Fall nach dem anderen löst. Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind dabei einfach viel kostbarer und unterhaltsamer anzusehen. Dass die Fälle nicht ohne sind, kann man aber auch nicht abstreiten. Es gibt einige sehr interessante Fälle, von denen manche im Gedächtnis bleiben werden. So z.B. ein immer wiederkehrender Mann, der auf sehr skurrile Sexakte steht, dabei aber ,,zufällig” und ,,ungewollt” seine Partnerin tötet, aber darauf besteht, es nicht gewesen zu sein. Eine verzwickte Situation. Des Weiteren ist auch die Inszenierung mancher Folgen einfach großartig. So wird z.B. in Folge 18 Doubt die Episode quasi halbiert. Einerseits werden die Zeugen gezeigt, die damit beschäftigt sind sich zu entscheiden, ob der Angeklagte schuldig ist oder nicht und andererseits ist dann der Gerichtssaal und die Einbringung weiterer Fakten. Es ist eine wunderbar harmonische Episode, die exzellent strukturiert und inszeniert ist.

Es gibt wenig, was ich an dieser Serie auszusetzen habe. Im Grunde ist sie im überdurchschnittlichen Bereich und bleibt auch dort. Sie kann mit sehr netten Schlusssequenzen aufwarten und einem grandiosen Staffel-Cliffhanger. Lediglich ein Charakter gefällt mir desöfteren überhaupt nicht: Kalinda (Archie Panjabi). Sie ist eine Helferin von Alicia und eine Art Privatdetektivin. Sie passt oft nicht wirklich in das Gesamtbild und strahlt eine aufgesetzte Coolness aus, die einfach nicht wirkt, eher stört. Witzig bleibt aber, dass man innerhalb der Serie munkelt, sie sei eine Lesbe. Ansonsten ist The Good Wife einfach eine tolle Serie, die ich jedem empfehlen würde. Natürlich muss man schon eine gewisse Präferenz für diese Anwaltsserien haben, sonst kommen die ganzen Fälle nicht ganz zur Geltung, auch wenn sie sehr unterhaltsam – auch im Gerichtssaal – inszeniert werden. The Good Wife: Eine starke Serie mit einer starken Protagonistin.

__________[ 7,5/10 ]__________