Entourage – Season 1 – 7

von Khitos

Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich die Pilotfolge Entourage angefangen habe. Ich wusste nicht viel von der Serie, nur das sie sehr gut sein soll. Ok, was sehe ich: Freunde sitzen gemütlich in einem Café, essen und unterhalten sich, machen Witze und haben Spaß. Frauen gehen ihrem Tisch vorbei, schauen sich den Schönling in der Mitte an und sind dann weg. Ich, leider, aber auch. Mehr habe ich nicht gebraucht, um mich zu entscheiden: Diese Serie ist nichts für mich. So war es auch, dass ich Entourage für lange Zeit nicht beachtet habe, trotz vieler anderweitigen Empfehlungen. Entourage, das war für mich das Bild dieser Gruppe von Männern, die einfach nur ihren Spaß haben und sich um nichts scheren. Zu dem Zeitpunkt, als ich das zum ersten Mal gesehen habe, brauchte und wollte ich sowas nicht sehen, das war mir zu blöd und zu uninteressant. Zeiten ändern sich. Und anscheinend auch mich. Als ich der Serie eine zweite Chance gegeben habe, hat sie mir auf Anhieb unheimlich viel Spaß gemacht. Und das bisher sieben Staffeln lang.

Ich genehmige mir mal so gemütlich zu sein und alle bisher ausgestrahlten Staffeln zusammenzunehmen und nicht auf jede Staffel einzelnd einzugehen. Im Prinzip macht es ja wirklich nicht viel aus, da es in Entourage ein immer wieder kehrendes Prinzip gibt: Vincent Chase (Adrian Grenier), Hollywoodstar im Kommen, genießt sein Leben mit seinen Freunden Eric (Kevin Connolly), Turtle (Jerry Ferrara) und seinen Bruder Johnny (Kevin Dillon). Er bekommt eine Rolle in einem neuen Film, verdient sein Geld und die Gruppe lebt in Villen und ist ständig von sexy Frauen umgeben. So geht es eine Zeit lang. Es gibt einige Tiefen, aber einfach viel mehr Höhen. Mehr ist da eigentlich nicht dran im Hinblick auf das Prinzip der Serie. Dass es trotzdem besonders ist, verdankt man dem Lebensbereich, in dem sich das ganze abspielt.  Da es um das Schauspielerleben und alles drumherum geht, vom Agenten bis zum Regisseur, ist es natürlich, dass Vince auch andere Berühmtheiten trifft, die tatsächlich in der realen Welt große Hollywoodstars sind. Dazu kommt, dass – besonders in der siebten Staffel für mich – gerade die Umgebung einfach so zeitnah mit den realen Geschehen dargestellt wird. Sie reden über Filme, die erst letzten Monat wirklich in die Kinos gekommen sind und und und. Man fühlt sich, als ob die Figuren wirklich existierten und sie in der realen Welt lebten. Diese Aktualität macht teilweise den Charme der Serie aus.

Natürlich gibt es Höhen und Tiefen, die diese Gruppe durchmachen muss. Was bleibt ist aber immer: Es macht Spaß ihnen dabei zuzusehen. Man schaut mit an wie sie sich ihre Karriere – ja, auch das Gefolge des großen Stars Vince (Man will ja nicht immer von seinem Geld leben müssen) – aufbauen und sich mit der Zeit zu eigenständigen Charaktere entwickeln. Eine Person, die dabei aber nie vergessen werden darf ist der Agent von Vince: Ari Gold, gespielt von Jeremy Piven. Und wie Piven Ari spielt! Ari ist ohne Frage, die der Mensch, den man sehen möchte, die Figur, die am meisten Spaß macht anzuschauen. Er ist die Figur, auf die man sich besonders freut, wenn sie den Bildschirm betritt und die man nicht übersehen kann, denn er strahlt eine Präsenz aus, die den ganzen Raum füllt. Ari Gold ist ein Sadist von einem Agenten – besonders hart trifft es seinen homosexuellen Sekretär Lloyd (Rex Lee), den er eine ganz Zeit lang auf übelste Weise runtermacht, aber ohne ihn einfach untergehen würde – und ein Mann, der alles für den Erfolg machen wird. Das besondere ist aber: Er ist erfolgreich. Er ist immer aktiv und trotz seiner vulgären Sprachwahl ein Mann, der alles schafft, was er sich vornimmt. Er ist eine faszinierende Figur, denn er ist nicht nur der Sadist, sondern – wie das halt so ist – ein harter Kerl, mit weichem Kern. Aber es funktioniert. Wenn es um seine Familie geht, da kommen ihm schon einmal die Tränen und das sind die ganz besonderen Momente in Entourage. Das sind Momente, wo man nicht mehr in der Sternchenwelt Hollywoods lebt und wo man sich auf den Boden der Tatsachen befindet, das aufzeigt, was neben dem ganzen Geld das eigentlich wichtige ist. Ari Gold ist ein Charakter, der in die Geschichte der Serienfiguren eingehen wird, jedenfalls bei mir. Das ist natürlich alles der Verdienst von Jeremy Piven, den ich zuvor nie wirklich auf den Radar hatte. Seine Darstellung dieser Figur ist einfach phänomenal.

Weiterhin erwähnenswert wäre da sogar Johnny, der Bruder von Vince, der den ungemein passenden Spitznamen “Drama” hat. Und er ist wirklich Drama pur. Er sorgt sich um alles, ist mit nichts zufrieden, hat mäßigen Erfolg als seriöser Fernsehstar und scheint nur alle paar Episoden mal zu lächeln. Er ist eine Figur für sich, eine witzige Figur, dessen Charakterzeichnung in der Entourage-Welt endlich aufgegriffen wird, als ihm angeboten wird eine Comedy Zeichentrickserie mit ihm als Star in Form eines Affen zu machen. Er willigt natürlich nicht ein, weil er glaubt, er sei nicht witzig, aber er ist es, auch wenn er es nicht wahrhaben will.

Ich bin froh, dass ich Entourage noch eine zweite Chance gegeben habe, denn neben den vielen Stars, den schönen Frauen, der spaßigen Gruppe von Männern und Ari Gold ist die Serie einfach sehr gute Unterhaltung.

Insgesamt für alle sieben Staffeln:
__________[ 7,5/10 ]__________

Einzelwertungen: S01 – 6,5 | S02 – 7/10 | s03 – 7/10 | S04 – 6,5/10 | S05 – 7/10 | S06 – 8/10 | S07 – 7/10