Princess – Rachefeldzug gegen die Pornoindustrie

von Khitos

Princess ist ein Zeichentrickfilm, bei dem man als Elternteil einen erheblichen Fehler begehen würde, setzte man das eigene Kind vor den Fernseher. Dass Zeichentrickfilme nicht immer nur für Kinder gedacht sind, zeigt Princess nur allzu deutlich. Es ist eine kleine Falle, wenn man bedenkt, dass der Film so einen harmlosen Titel besitzt und geradezu passend für das kleine Töchterchen erscheint. Man kann nur hoffen, dass gerade ein kleines Mädchen fern von diesem Film bleibt. Denn in Princess geht es gerade auch um ein kleines Mädchen, Mia, fünf Jahre alt, welches in ihrem jungen Leben nur von Sex umgeben war. Ihre Mutter Christina war eine erfolgreiche Pornodarstellerin mit dem Spitznamen ,,Princess” und Mia ein ahnungloses, von ihr nicht gut erzogenes Kind. Nach endlosen Zeiten des Drogenkonsums stirbt Christina und hinterlässt Mia der Welt, fast alleine. ,,Fast” deswegen, weil es noch August gibt, Christinas Bruder, ein Priester, der sich von da an um Mia kümmern will und sie mit sich nach Hause nimmt. Eines Tages wollen Mia und August das Grab von Christina besuchen: Es wurde zu einem großen Pornodenkmal umgewandelt. August hält es nicht mehr aus und seine jahrelange Besorgnis um seine Schwester wandelt sich in Wut um, auf die Pornoindustrie und besonders an Charlie, dem ehemaligen Freund von Christina, der sie in diese Richtung gelenkt hat. Rache und das Wohlergehen Mias sind nun die einzigen Anliegen von August.

Regisseur Anders Morgenthaler hat mit Princess ein Werk geschaffen, dass sich mit sensiblen und ernsten Themen beschäftigt. Ein Kind, das schon mit fünf Jahren gebrandmarkt ist durch die Pornoindustrie und dem Vorbild der Mutter nacheifert; die Pornoindustrie ansich, die sich einen Dreck darum schert, wer oder was gef*ckt wird, hauptsache es bringt Geld; Und ganz besonders der Werdegang von Christina, dem jungen Mädchen, das nach und nach durch schlechten Einfluss ins falsche Milieu rutscht. Letzteres geht besonders ans Herz, weil Morgenthaler keinen reinen Zeichentrick zeigt, sondern stellenweise reale Videoaufnahmen, die August in der Vergangenheit aufgenommen hat. Die Vermischung von Zeichentrick und Realität gelingt hervorragend und intensiviert das Seherlebnis ungemein. Gerade weil man Christina so hautnah als Mensch zu sehen bekommt, fällt es einen umso schwerer zu begreifen, wie ein hübsches Mädchen so in Schieflage geraten kann. Gerade bei einem Zeichentrickfilm kann man schnell zu dem Gedanken übergehen, dass doch alles realitätsfern sei. Morgenthaler umgeht dies und lässt dem Zuschauer keine Gelegenheit sich aus der Affaire zu ziehen.

Die Rachemission von August baut sich langsam auf und wird mit der Zeit immer gewalttätiger und zwiespältiger. Als Priester sieht er die tragische Geschichte seiner Schwester und die Folgen in Form von Mia als Grund gegen Charlie vorzugehen, aber zugleich wird deutlich gemacht, dass doch gerade die Frauen diesen Weg selbst eingeschlagen haben und auch sie dadurch Geld verdienen wollen. Es ist nicht leicht mit diesem Thema umzugehen, aber je mehr sich August gegen Charlie und seine Firma auflehnt, rückt es Stück für Stück in den Hintergrund, aber ohne je ganz zu verschwinden. Die zweite Hälfte des Films dreht sich eher um Augusts Rache, die mit einem etwas schwachen finalen Akt endet. Die Gewalt wird deutlich dargestellt und zeigt auch als Zeichentrick eine große Wirkung. Der Zuschauer wird nach alledem mit einem Ende zurückgelassen, welches die Geschichte etwas unzufrieden, aber wohl passend abschließen lässt. Durch dieses heikle, tragische, den Film umgebenden Thema, hat sich eine Unbehaglichkeit eingestellt, die Princess sicherlich eine Weile im Gedächtnis des Zuschauers verweilen lässt.

__________[ 7/10 ]__________