Mad Men – Season 4

von Khitos

In Season 4 der Hitserie Mad Men geht wieder alles von vorne los. Das Unternehmen Sterling/Cooper ist Geschichte. Nun heißt es Sterling/Cooper/Draper/Price. Ein neuer Anfang, ein neues Büro und doch hat sich nicht viel verändert, in den Menschen, in ihren Verhaltensweisen oder in ihrer Einstellung zur Welt. Zwar fängt das Unternehmen wieder klein an, aber sieht sich schon als große Werbefirma. Don Draper (Jon Hamm) jedenfalls ist immer noch das Genie, der Kopf hinter all dem. Gerade jetzt wo sein Name auf einer Glastür steht. So muss er sogleich auch sein Ego heraushängen lassen, als er für eine Zeitung ein Interview gibt am Ende der ersten Episode. Das ist Don Draper, ein Mann, dem die Welt zu Füßen liegt.

Rosa ist die Welt bei Mad Men jedoch immer noch nicht. Es hat sich einiges verändert seit der dritten Staffel. Ein neues Büro, Don hat sich von Betty getrennt – diese ist nun mit Henry Francis zusammen und ihre Kinder sind älter geworden. Letzteres ist besonders ausschlaggebend. Sally entwickelt mit der Zeit einen eigenen Kopf und will diesen auch oft durchsetzen. Sie schneidet sich die Haare, erkundschaftet ihren Körper und fährt alleine zu ihrem Vater, den sie seit der Trennung nur noch an Wochenenden sieht. Und jedes Mal wird sie angeschrien und böse angeschaut, von ihren Eltern. Das Kind hat es nicht leicht. Es würde helfen einfach mit ihr zu reden, aber anscheinend bevorzugt man es sie gleich zu einem Psychater zu schicken. Komische Welt. Und hoffnungsloses Großziehen.

Was die Hauptperson Don so treibt kann man sich denken. Das Übliche. Doch etwas hat sich für eine kurze Zeit geändert: In der Mitte der Staffel fängt Don an sich Dinge aufzuschreiben, seine Erlebnisse, seine Gedanken. Er geht schwimmen, er will aufhören zu trinken. Das hält aber leider nur ein paar Episoden lang an. Eine komplette Wandlung oder Entwicklung wird diesem Charakter wohl nicht gegönnt, auch wenn ich das wirklich gern sehen würde. Grund für diesen kleinen Sinneswandel ist tragisch und wohl eines der Tiefpunkte in Dons Leben. Gerade in dieser Staffel bekommt er wirklich zu spüren, was es heißt zu leben. Er hat tausend Gedanken, spürt den Schmerz der Welt und trägt immer noch seine schweren Lasten.

Mad Men ist und bleibt eine durch und durch charaktergetriebene Serie größerer Ordnung. So etwas sieht man wirklich nicht oft und das macht auch viel von der Faszination dieser Serie aus. Glücksmomente so wie Probleme in der Ehe, flüchtige Bekanntschaften, neue Bekanntschaften, sogar einen skurrilen Tod wird man in dieser Staffel zu sehen bekommen. Es gibt immer viel zu sehen in dieser Serie. Ganz heikel wird es am Ende der Staffel: Lucky Strike, die Hauptschlagader von Sterling/Cooper/Draper/Price, verabschiedet sich. Am Anfang der Staffel erst neu begonnen, scheint es nun wieder zu Ende zu sein. Aber nicht für Don. Der hat seine Sekretärin geheiratet, wie es sich für einen richtigen Bürochef gehört. Er scheint seit Ewigkeiten wieder Liebe zu verspüren. Wie ein kleiner Schuljunge grinst er und freut sich auf seine Süßigkeitentüte. Vergessen wird dabei seine andere Liebschaft Faye Miller (Cara Buono) oder seine alte Sekretärin, die es nicht mehr mit Don ausgehalten hat. Aber auch Joan (Christina Hendricks) oder Peggy (Elisabeth Moss) haben da ihre besonderen Momente. Erstere muss mit ihrem Ehemann klarkommen, der zum Militär gegangen ist ohne sie vorher zu fragen. Sie wird von Roger Sterling (John Slattery) getröstet, der ihr noch mehr Probleme bereiten wird. Und Letztere, Peggy, trifft ihre Altersgenossen alternativer Art und lernt neue Seiten im Leben kennen, abseits vom Büroalltag. Dabei entwickelt sie eine neue Einstellung zu ihrem Mentor Don und kann nur darüber lachen, wie diese Welt eigentliche funktioniert. Eine wunderbare Entwicklung ist hier zu beobachten. Eine Entwicklung von allen Charakteren, viele, die ich noch nicht einmal genannt habe, aber die auch ihren Teil erzählt bekommen. Dass Mad Men mich bis zur vierten Staffel hingehalten hat zeigt einfach, dass in dieser Serie vieles steckt, sehr viel sogar. Eine Serie, die man einfach weiterverfolgen will. Gut, dass die vierte sodann auch für mich persönlich sogar das Highlight bisher darstellte.

__________[ 7/10 ]__________

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