The Walking Dead – Season 1

von Khitos

Zombies. Es ist ein altes Thema, das schon lange ausgelutscht zu sein scheint. In Filmen wird dieses Thema ins Unermessliche ausgereizt und es wird langsam tatsächlich langweilig Zombies zu sehen, die ständig einfach nur als Grund genommen werden, einen Actionfilm mit viel Gore zu produzieren, der inhaltlich aber nichts weiter ist als banaler Trash, der in keinster Weise Konflikte aufwirft, diese versucht zu problematisieren und Lösungen zu suchen. Denn es gibt viele Konflikte, die behandelt werden könnten, wenn man womöglich der einzige Mensch auf der Welt ist, von Zombies umgeben, alleine, einsam, in Gefahr und in permanenter Angst, Verzweiflung, Hoffnung. Und doch gibt es so viele Filme, die einfach nur zeigen, wie häufig Zombieköpfchen zerschossen werden können. Aus diesem Grund erfreut es mich sehr, dass in der ersten Szene der neuen Serie The Walking Dead der Protagonist gleich ein kleines Zombiemädchen in den Kopf schießt, als es sich ihm nähert. Diese direkte Konfrontation ist eine Ahnung, was noch in dieser Serie kommen wird, konfliktreiche Situationen, die durchzustehen sind, in einer Welt, die verloren zu sein scheint und das Überleben und die Hoffnung auf Rettung das Wichtigste darstellen.

Das Openingtheme ist in seiner Machart unglaublich fesselnd, besticht durch die bedeutungsschwangere Aufladung innerhalb der Streicherklänge und beeindruckenden Bildern der Protagonisten in zerbrochenen Scherben eines Bilderrahmens. Die Serie an sich kann nicht ganz an dieses Maß an Erwartungen heranreichen, gibt sich aber sichtlich Mühe diese epische Grundstimmung auferleben zu lassen. Nicht nur durch die Zombies, deren Ursache nach der ersten Staffel noch immer nicht offenbart wird, auch durch die zwischenmenschlichen Beziehungen der Überlebenden ist Grund genug die Spannung aufrechtzuerhalten. Am bedeutendsten ist hier die Beziehung in der verzwickten Dreiecksbeziehung zwischen Shane (Jon Bernthal), Rick (Andrew Lincoln) und Lori (Sarah Wayne Callies). Shane und Rick, Partner bei der Polizei und die besten Freunde, sorgenlos, kleine Frauenprobleme. Das war vor dem Ereignis, dass die Menschen zu Zombies gemacht hat. Nun ist Rick alleine und auf der Suche nach seiner Familie und Shane ist mit seiner Frau in einem Camp mit anderen Überlebenden. Erschütterndes Bild: Shane und Lori fummeln heimlich und noch mehr. Nach und nach offenbaren sich neue Informationen, die Licht in die ganze Situation bringen, was mir besonders gefiel. Ich habe mich seit der ersten Episode schon gefragt, warum Rick als einziger im Krankenhaus überlebt oder auch später, ob Shane in einer Situation wirklich die Wahrheit gesagt hat gegenüber Lori. Man wird es erfahren und ist in dem Verlauf der Erzählung sehr positiv anzumerken. Es wird nicht unter den Teppich gekehrt, sondern ist fester Bestandteil der Geschichte, abseits der Zombies.

The Walking Dead beeindruckt nicht durch seine künstliche Spannungsaufladung á la Lost, denn es gibt wirklich wenig Cliffhanger, eher beeindruckt es, dass die Serie behütet, sogar ruhig und überlegt eine Geschichte zu erzählen versucht, die mehr in sich trägt, als man erst glauben mag. Es ist kein The Wire für Zombieliebhaber, aber ein Stück in die richtige Richtung. Ob die Geschichte gut umgesetzt wurde, kann ich leider nicht beurteilen, die Leser des Originalcomics wissen da umso mehr. Die Serie an sich ist aber interessant genug, um sich für die Charaktere zu interessieren, die Themen, die angeschnitten werden und die zurückgehaltene Ausreizung von zerschossenen Köpfen. Wenn denn mal die Zombies ‘getötet’ werden, dann geschieht das aber auch sehr ansehnlich bzw. für einen Actionliebhaber ansprechenden Format: Es wird kompromisslos in die Köpfe geschossen, das Blut spritzt und wirklich eklige Fratzen und abgehackte Körper finden ihren Auftritt. Die erste Staffel von The Walking Dead ist nicht die Neuerfindung des Zombiegenres oder in jeder Hinsicht so bedeutend, wie es das Openingtheme vermuten lässt, aber die sechs Episoden sind auf jeden Fall zu empfehlen, da sehr ansprechend und eine erfrischende Abwechslung.

__________[ 7,5/10 ]__________

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