Sucker Punch – Sexy Inception

von Khitos

Ein unschuldiges Mädchen, das von ihrem fiesen Stiefvater in eine Anstalt für psychisch Kranke eingewiesen wird, entwickelt für sich eine Traumwelt, in der sie einerseits der unterdrückenden Stimmung der Anstalt entfliehen kann und andererseits einen Plan schmiedet aus diesem gerade tatsächlich zu entfliehen. Dabei sind weitere Mädchen, die ebenso die Freiheit suchen und alles geben wollen, um diese auch zu erhalten. Das ist die grobe Prämisse von Sucker Punch, Zack Snyders neuestem visuellen Meisterwerk und – so scheint es – seinem eigenen feuchten Traums. In seiner Fantasiewelt fühlt sich Snyder wohl, er kann die Mädchen kleiden wie ihm lieb ist und die Action so groß gestalten, wie es nur geht. Ich gehören nicht zu den Menschen, die gleich alles von einem Regisseur verdammen, nur weil er sich durch exzessiven Gebrauch von (vermeintlich?) tollen Stilmitteln – Slo-mo-Snyder – profiliert hat und darüber hinaus nichts an Können vorzuweisen zu können scheint. Ich mag den Stil von Snyder, seine Filme machen einfach Spaß – eine durchdachte, originelle Story erwarte ich wirklich nie von ihm – und ja, ich mag die Zeitlupen. Dass er ein Händchen für diese hat zeigt er sogleich in den ersten Minuten von Sucker Punch. Vergleichsweise mit Watchmen bekommt er den Anfang wirklich toll hin. Ohne Worte, einfach nur der exzellente Gebrauch von Zeitlupe, visuelle beeindruckende Aufnahmen und passender Musik, damit schafft er seine Atmosphäre, damit fängt der Rausch an, damit fesselt er. In den wenigen ersten Minuten wird die kurze Anfangsstory von Baby Doll (Emily Browning, die auch Sweet Dreams im Hintergrund singt) erzählt: Mutter tot, Stiefvater böse, Vorfall, Stiefvater steckt sie in die Anstalt. Sucker Punch beginnt.

Das erste Drittel von Sucker Punch ist fantastisch. Man sieht die erste phänomenale Traumsequenz von Baby Doll, in der sie drei übergroße Samurai bekämpft und so langsam die anderen Mädchen in ihren Plan einweist. Dass das alles nur vor eyecandys strotzt, braucht mach sicherlich nicht mehr erwähnen, wenn man Poster des Films gesehen hat und die wenigen Namen der Mädels gelesen hat. Dass sie nicht mehr als nur eyecandy sind ist durch die minimale bis keine Durchleuchtung ihrer Hintergrundgeschichte schnell klar. Snyder steckt sie in sexy Kostüme, Schulmädchenkostüme, sexy Waschfrauen und und und. Es ist ein feuchter Traum – die brauchen keine Story. So war es mir zunächst auch ziemlich gleichgültig, was die Figuren da überhaupt machen, das Visuelle stand im Vordergrund. Die Mädchen stimmen und die Actionsequenzen auch. Frauen mit Waffen, wie sie in bester Kampfformation durch Gräben gegen Zombienazis antreten – toll! Und dann…kamen Drachen. Und dann…kamen I-Robot-Roboter. Und dann…war es schon lange nicht mehr lustig was Snyder, als Regisseur und Drehbuchschreiber des Films, da dem Zuschauer vorwirft. Der Rausch ist spätestens nach dem ersten Drittel verflogen. Man schaut sich noch gern die Bilder an, aber so ganz beeindrucken können sie dann doch nicht mehr, so fad wie die Handlung dann weiter verläuft.

Gerade am Ende merkt man wie lächerlich das ganze doch ist, wenn eine entscheidende Figur in den Fantasien nun als Busfahrer erscheint und alles zu wissen scheint und zuvor weitere Vorfälle einläuteten, die zum Kopfschütteln anregten. Zack Snyder ist kein schlechter Regisseur – vielleicht ein klein wenig zu spitz mit dieser Verwirklichung einer Mädchen-Erniedrigungs-Fantasie- , er hat ein Auge für das Visuelle, aber er sollte seinen wirklich tollen Aufnahmen mehr Leben einhauchen. Sucker Punch hätte als Kurzfilm funktionert, als 110 minütiger Spielfilm weniger.

__________[ 3/10 ]__________