Thor – Der mit dem Hammer schwingt

von Khitos

Wenn man sich die Avengers ansieht, dann ist Thor mit Abstand derjenige mit dem besten, stärksten, außergewöhnlichsten und tollsten Namen. Der Name strotzt nur vor Kraft, hört sich an wie Donner, man fällt hernieder in Erfurcht vor diesem Namen. Dieser Name eines nordischen Gottes muss erstmal jemand angemessen repräsentieren können – zum Glück wurde der passende Kandidat gefunden: Chris Hemsworth. Ein Monster von einem Mann, schön zur Schau gestellt und charismatisch in dem neuesten Marvel Film, der auf den großen Film über die Avengers – so wie Iron Man und Captain America z.B. – vorbereiten soll. Eine Exposition also, gleichzeitig auch die Hintergrundgeschichte für das ganz große Spektakel The Avengers. Ich bin sehr gespannt, Iron Man war in keinster Weise überragend, Hulk war gut, Captain America? Man wird es noch sehen. Thor jedenfalls kann auch nicht vollends überzeugen, trotz der wunderbaren Ausgangslage mit einem tollen Cast, einer Göttergeschichte und Chris Hemsworths Adoniskörper.

Thor will vieles sein und das zu sehr. Man kann nur vermuten, dass Regisseur Kenneth Branagh so viel reinbringen wollte und so viele Menschen ansprechen wollte wie möglich. So ergab das Ganze ein Konglomerat aus einem Drittel Actionfilm, einem Drittel Liebesfilm und einem Drittel Komödie. Es ist verständlich, dass man alles aus einem Film herausholen will, aber man sollte auch erkennen können, dass manches als unpassender Teil des Films herausstechen wird und das Gesamtbild erheblich beeinträchtigen kann. So haben mich zwei Drittel des Films doch einigermaßen gestört. Der Actionanteil ist in Ordnung, nichts neues, viel Wirbel, viel Donner, nette Hammeraction, aber alles nicht so überwältigend, als dass man mit großen Augen und geöffnetem Mund die Leinwand angestarrt hätte. Kleines Highlight wäre da wohl nur das Überwesen aus Asgard gewesen, welches aus verformbarem Metall bestand und alles in seinem Weg zu verbrennen im Stande war. Dieser Teil war unterhaltsam, wobei man doch etwas mehr Balance hinein hätte bringen können, denn mal ganz ehrlich, Thor hätte im Alleingang Sarumans Armee zerschlagen und am Ende noch drüber lachen können, wie wenig Spaß doch dieser Nachmittagsspaziergang gewesen sei.

Die größten Makel befinden sich in der Liebesgeschichte zwischen Thor und Jane (Natalie Portman) und in dem Komödienanteil des Films. Beide Aspekte sind wahrlich nicht einfach zu koordinieren, geschweige denn geeignet wirklich einfach jeden einzelnen Zuschauer zufriedenstellen zu können. Ich für meinen Teil habe fast immer – auch wenn es ein billiger, unausgegorener Film ist – meine Probleme mit den Liebesgeschichten. Das geht mir einfach zu schnell – es ist nicht nachvollziehbar, es ist nicht glaubwürdig, es passt einfach nicht. Mit Einschränkungen kann man Janes Anziehung zu Thor verstehen, aber der große Wandel auf der Erde, den Thor in nur kürzester Zeit durchmacht ist lächerlich. Ich habe da einfach zu hohe Ansprüche, ich weiß. Dennoch wirkt das ganze dann zu überhastet, hereingebracht, weil es einfach in einem Film hineingehört, etwas Kitsch und Romanze, damit man auch wirklich dahinschmelzen kann, wenn denn nicht gerade zufällig ein böser Bruder sein Unwesen treibt.

Aus dem Gedanken heraus, den Zuschauer auf jeden Fall zu unterhalten, kommen dann desöfteren Gags in einen Film, die ein noch viel größeres Dorn im Auge darstellen können. Thor beinhaltet sehr viel, worüber man lachen kann, man erkennt die glasklaren Komödienelemente, die aufgebauten Gags, das Timing der Dialoge, der Wechsel von Actionfilm zu selbstständiger Komödie, ein Hin und Her, keine sanften Übergänge, sondern mit klaren Grenzen versehen. Der Aspekt, dass der Gewittergott auf Erden eine witzige Figur darstellt, wird herzlich ausgeschlachtet – oft funktioniert es, oft aber auch nicht. Es ist allein Chris Hemsworth zu verdanken, dass man das ganze Geschwurbel ertragen kann. Er bringt eine überaus sympathische Aura mit, für den Charakter des Thor und für die Projektion des Gesamtbilds dieses Films auf den Zuschauer.

Thor ist schon sehenswert, hat viel zum Lachen und zu schmachten und bringt mit einigen tollen – und schrägen – Aufnahmen bisher wohl die eindrucksvollste und erwähnungswürdigste Kamera (Haris Zambarloukos) der Avengers mit, die zudem keines 3D Effekts gebraucht hätte. Im Endeffekt ist das Gesamtbild aber doch zu negativ ausgefallen. Thor wird einem nicht lange in Erinnerung bleiben, dafür hätte der Hammer des großen Thors ein bisschen mächtiger sein müssen.

__________[ 5,5/10 ]__________

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