Archiv für 'M'Kategorie

M war alleine.

Oktober 2, 2009

M war alleine. Das war sie oft. Manchmal gefiel es ihr, manchmal überhaupt nicht. Sie fühlte sich einsam, etwas vernachlässigt, von der ganzen Welt allein gelassen. Was sie nicht begriff war, dass sie eigentlich die Schuld daran hatte. Erwartungen spielten in ihrem Leben eine große Rolle. Idealismus hatte sich in ihrem Kopf weit ausgeprägt. Sie erwartete von der Welt gut zu sein, gut zu ihr zu sein. Wenn diese Erwartungen nicht eintrafen, in welcher Form auch immer, brach etwas in ihr, sie zog sich zurück. Dann war sie alleine.

Naiv war sie auch. Sie kannte die Welt überhaupt nicht, erwartete von ihr aber alles. Getan hat sie für ihr Wissen von der Welt fast gar nichts. Sie war auf ihre Art und Weise faul. Prokrastination war ihr liebstes Wort. Wenn sie etwas tat, dann waren es Dinge, die ihr gefielen. Ärger mochte sie nicht, Stress, Probleme. Harmonie, Ruhe, ja, Ruhe. Wenn sie alleine war, dann war es ruhig. Die einzige Geräuschquelle war sie. M sprach aber nicht viel. Es war meistens still. Selbstgespräche waren nicht ihr Ding. Auch wenn das nicht ganz stimmte. Gehört hat man es nicht, denn es fand alles in ihrem Kopf statt. Eigentlich fand alles in ihren Gedanken statt. Sie dachte viel nach. Über die Welt, über sich und andere. Sie stellte sich wilde Szenarien vor, die sich fernab der Realität dennoch abspielten. In ihren Gedanken. Real, was ist das schon. M kannte nicht viel von der Welt. Beziehungen zu anderen Menschen fielen ihr schwer. Deshalb war sie oft alleine.

M lebte oft in der Vergangenheit. An Bilder erinnerte sie sich wunderbar, es waren wichtige Bilder, die ihr bisheriges Leben geprägt haben. Es sind nicht viele Bilder. M hat nicht viel erlebt. Die Hälfte ihres Lebens hat sie bisher nur vergeudet, alleine. Alleine mit ihren Gedanken. Sie war neidisch auf andere Menschen, die ein Leben besaßen, nicht wie sie, ein Nichts. Kein Wunder, dass ihre Lieblingsfarbe schwarz war.

M is still alive

September 29, 2009

Oh hey, lange nicht mehr gelesen. Ja, ich lebe noch, falls sich überhaupt einer Sorgen gemacht hat (bezweifel ich). So, Theme wieder geändert, da ich mal wieder auf etwas Neues Lust hatte und mir gerade dieses gefiel. Ich denke mal gegen das Schwarz auf Weiß hat keiner etwas einzuwenden, wie bei meinem letzten missglückten Versuch einen anderen Weg einzuschlagen. Dieses Mal auch ohne Header, was ich eigentlich bedauere, aber so entfällt die Bürde ein beeindruckendes Bild zu suchen, das den Besucher (oder Eindringling – je nachdem :D ) auf dem ersten Blick umhaut. Es soll erstmal genügen, es ist simpel und gut.

Hmja, das sollte an unnötiger Begründung ausreichen. Ansonsten hab ich auch noch ein paar nette Filme gesehen in letzter Zeit. Ob Reviews dazu erscheinen werden ist fraglich, aber mal sehen. Ganz kurz erwähnt:

  • 39,90 [7/10]  |  District 9 [9/10]  |  Charlie Bartlett [ 7/10]  |  Antichrist [5,5/10]  |  etc…

Ohja, der anscheinend beste Film bisher in diesem Jahr ist schon angelaufen. Dennoch, Thirst steht noch an, sowie 500 Days Of Summer. Das Jahr ist fast schon wieder vorüber, aber halt nur fast.

An Serien ist auch wieder einiges dazu gekommen. Und natürlich sind die neuen Staffeln der altbekannten Serien wieder am laufen. Wie ich das mit dem kommenden Semester in Einklang bringen kann steht noch im Dunkeln. Womöglich muss wieder die Cancel-Schere her für die Serien, die einfach nicht ansprechend genug sind. Jaja…

Damit der Beitrag nicht ganz soo leer ausschaut:

M auf dem Weg zum Bahnhof

August 7, 2009

Als M sich von der Haustür seiner zukünftigen Bleibe entfernte und er den Blick gen Himmel richtete, wusste er, dass die Heimfahrt wieder einmal eine höllisch heiße sein würde. Die Sonne schien unerbitterlich auf sein Haupt und auf die Autos, dessen Scheiben die Strahlen böse in die müden Augen zurückreflektierten. Die Wärme umhüllte Ms Körper wie eine Winterjacke. Der triebhafte Wunsch entsprang einfach oben ohne oder gar halbnackt die Straßen entlang zu gehen. Der Gedanke, die kurze Hose wiege unendlich schwer, wich dem eilendem Blick nach links, als M die Straßenbahn erblickte, die er nur durch Mühe noch erreichte, um mit ihr Richtung Hauptbahnhof zu fahren. Die Straßenbahn, glücklicherweise nicht ganz gefüllt, war vergleichsweise etwas kühler als zu manch anderen Zeiten, besaß aber gerade bei dieser Fahrt das Talent die unmöglichsten Personen zu befördern. M setzte sich auf einen Platz hin, sein schwerer Rucksack neben sich gelegt, den Blick aus dem Fenster. Leute beobachten war schon immer seine kleine Lieblingsbeschäftigung. Hinter ihm gesellte sich ein Osteuropäer, vielleicht um die 20 Jahre alt; auf einem anderen Nachbarplatz setzte sich ein Obdachloser hin, die Bierflasche in der linken Hand. Zunächst geschah nichts, M konzentrierte sich eher auf die äußere Stadtlandschaft. Dann mahnte auf einmal eine Frau jemanden doch die Zigarette auszumachen, denn dies sei in den Straßenbahnen – natürlich rechtmäßig – verboten. Der Raucher stellte sich als der Osteuropäer heraus, den M jetzt mit einem Blick nach hinten erblickte. Entschuldigend wendete – nennen wir ihn R – R sich an die nahestehenden Menschen und schmiss die Zigarette aus dem Fenster. Alles okey. Dann aber hatte R ein Bedürfnis jeden nach dem Weg zu fragen. Entnervt wichen viele Nahestehenden seinen Blick aus, eine etwas gewichtigere Frau antwortete harsch mit: ,,Ich weiß es nicht. Und ich möchte auch nicht mit dir sprechen“. Nebenbei stellte sich der Obdachlose – einfachheitshalber O – als Fachmann für die Straßenbahnlinien heraus. Er zählte die nächsten Stationen auf und erklärte sich selbst wo und wie man wohin kommt. Etwas zu viel wurde es M, als O, der generell auf einem hohen Pegel sprach, seine Stimme weiter hob. Ms Blick erwachte, er träumte nicht weiter vor sich hin und konzentrierte sich auf das Geschehen im Straßenbahnabteil. Hinter ihm fing R wieder an Leute – ja, man könnte es so nennen – zu belästigen. Eine Postbotin fragte er, ob sie nicht auch Reklame hätte. Die angesprochene Frau antwortet zunächst nicht, gab aber nach einem erneuten Nachfragen von R ein ,,Nein“ von sich. Etwas zornig setzte sich R, der für die Fragerei extra nah an die Menschen ging, wieder hin. Die schon etwas angespannte Atmosphäre implodierte mit einem Kommantar des R: ,,Blöde Kuh“. Wer von den übrigen Passagieren zuvor noch nicht hingeschaut hatte, hat es jetzt getan. Provozierend machte R immer weiter, indem er sein Vokabular schärfte, die ,,Kuh“ mit einer ,,Ziege“ tauschte und danach auf andere Beleidigungen umstieg. Im gleichen Zeitpunkt wurde auch O ein klein wenig lauter. M hielt noch inne, aber stets bereit doch schnell aufzustehen und Abstand von den zwei verkorksten Wesen zu nehmen. Obwohl keinerlei inhaltlicher Zusammenhang zwischen den beiden Personen und dem was sie sagten bestand, fühlte sich R aus unerklärlichen Gründen von O angesprochen. Als R dann wieder aufstand, die Stimme fast schon brüllend erhob, wollte M wirklich nicht mehr im physisch gefährlichem Raum beider Personen stehen und floh in das nächste Abteil, wo er sich hinstellte, mit dem wachen Blick nach rechts, wo sich die beiden Krachmacher nun direkt anmachten und sich fast schreiend beleidigten. Es dauerte nicht lange bis M endlich aussteigen konnte, nur noch eine Station. R jedoch stieg jetzt schon aus. Auf dem Höhepunkt seiner perfiden Beleidigungslust spuckte er O an und entfernte sich nach draußen, zeitgleich aber nicht aufhörte weiter zu fluchen. O hingegen stand – seit Beginn der Auseinandersetzung -  immernoch aufrecht, tat seinen Ärger lautstark kund und hatte auch nicht den Anschein so schnell wieder aufzuhören. M hingegen war einfach nur froh als die nette Frauenstimme aus den Lautsprechern die nächste Haltestelle ankündigte, den Hauptbahnhof. Ein paar Momente später stieg M schnell aus, wollte nicht mehr ansatzweise mit dem Geschehen in der Bahn zu tun haben. Aus der Straßenbahn ausgestiegen, wurde ihm wieder etwas warm. Er versuchte eilig zu den Treppen zu gelangen, aber die Menschenmasse ließ es – wie jedes Mal – nicht zu. Zu viele Menschen. So sehr M es mochte diese zu beobachten, sich selbst in der Masse fortzubewegen, das mochte M widerum wirklich nicht.