Mad Men – Season 1 – 3

Mad Men kann man gemeinhin in drei Wörter zusammenfassen: Drink, Smoke, Fuck. Wenn man diese Serie grob betrachtet, dann wird man einfach zustimmen müssen. Mad Men spielt in der patriarchalischen Welt der 50er/60er, wo Männer wirklich Männer sind, Frauen ihnen untergeordnet sind und ihnen jeden Wunsch von ihren Lippen lesen. Es sind die Männer einer Werbeagentur, die jeden Tag – so scheint es – eigentlich gar nicht arbeiten, sondern sich zusammen setzen, trinken, rauchen und ein wenig reden, über die nächste Kampagne eines großen Unternehmens. Sie denken über Slogans und Ästhetik nach und scheinen gut anzukommen. Es ist eine Erfolgsgeschichte in New York. Diese Männer sind an der Spitze und haben nicht den leistesten Wunsch etwas daran zu ändern.

Mad Men ist eine kühle, distanzierte Betrachtung auf diese selbsternannten mad men. Diese Distanz lässt die Serie auch besonders den Zuschauer spüren. In der ersten Staffel hat dieser nämlich gar nichts in dieser Welt zu suchen. Diese Männer leben für sich. Dass ihnen dabei Millionen von Menschen zuschauen ist ihnen ziemlich gleichgültig. Es werden keine besonders ansprechenden Charaktere vorgestellt, es sind sich selbst liebende Schweine, die einfach alles machen worauf sie Lust haben. Hauptsache der Klient ist am Ende zufrieden und das Geld fließt. Die erste Staffel ist in keinster Weise bedacht den Zuschauer zu umwerben, geschweige denn die Distanz vom Zuschauer zu den Charakteren zu kürzen. Gerade diese Haltung ist der Grund warum mich diese Serie überhaupt nicht angesprochen hat, aber zugleich auch fasziniert hat. Meine Bewertung ist dementsprechend im nahen Mittelbereich.

Im Verlauf der nächsten zwei Staffeln verändert sich Mad Men ein klein wenig. Es gibt einiges, dass mir immer noch überhaupt nicht gefällt, aber auf der anderen Seite macht Mad Men endlich seine Barriere auf, die sie in der ersten Staffel schon von Anfang an verteidigte. Die Männer werden zu Menschen. Es wurde langsam Zeit. Im Mittelpunkt steht Don Drapers (Jon Hamm) Geschichte. Ein Mann, von dem niemand wusste, wer er wirklich ist oder war. Nicht einmal seine Frau Betty (January Jones) hatte eine konkrete Ahnung, wer dieser Mann in Wirklichkeit ist. Don ist eine dominante Figur, die im Beruf von allen geliebt und gehasst wird und doch sind alle von ihm abhängig. Schon bald ist Don das wahre Gesicht des Unternehmens SterlingCooper, das Genie, welches er eigentlich gar nicht ist. Seine turbulente Vergangenheit wird langsam und bedacht aufgedeckt und man bekommt einen Einblick, wer dieser Mann eigentlich ist. Am Ende sieht man nicht einmal mehr die Dominanz, sondern nur einen einfachen Mann, der, wenn es darauf ankommt, zwar im Büro, aber nicht zu Hause, die richten Worte finden kann.

Mad Men ist aber nicht die alleinige Don Draper Show. Auch die anderen Charaktere kommen überhaupt nicht zu kurz. Es gibt keine Episoden, in der eine Person besonders in den Vordergrund tritt. Viel mehr haben alle Beteiligten ihren Teil in der Episode, in der sie sich weiter entwickeln und nicht das Gesicht im Büro, sondern das im eigenen Heim zeigen. Mit der Zeit entwickelt sich Mad Men wahrlich zu einem immer tiefer gehenden Konstrukt der charakterlichen Weiterbildung. Man muss immer mehr darauf achten, wo diese Charaktere überhaupt herkommen. Das erklärt ihr Verhalten, das erklärt ihr Wesen. Alleine Don Draper ist mir immer noch trotz der Aufdeckung seiner Vergangenheit ein unerklärliches Wesen, dessen Affairen und Handlungen ich nicht nachvollziehen kann. Manchmal scheint er ein Gewissen zu haben, manchmal aber auch nicht. Er ist eine Figur, die vielleicht klarer eingegrenzt werden sollte. Dieser Mann stellt Mad Men dar und wenn er nicht endlich mal seine Linie findet, dann wird aus der Serie einfach nichts mehr, auch wenn sie schon drei Staffeln besitzt.

Zu Anfang eine kalter Klotz, blüht Mad Men mit der Zeit auf und erzeugt ein wenig Leben in diese, von unserer Zeit aus gesehen, sehr entfernte Welt. Es gibt Ansätze, in denen sich auch in der Zeit von Mad Men sich die Geschlechterrollen nicht mehr so deutlich abgrenzen. So besitzt Betty, als anständige Ehefrau und Mutter, endlich den Mumm Don entgegenzutreten und ihren eigenen Willen durchzusetzen. Auch Peggy Olson (Elisabeth Moss) hat es von der einfachen Sekretärin zu einem wichtigen, mitbestimmenden! Teil der kreativen Gruppe der Männer mit eigenem Büro geschafft. Die Zeiten ändern sich, und das merkt man Mad Men auch an. Es wird über Homosexualität gesprochen, Emanzipation, familiäre Probleme und die einfachen Schwierigkeiten in einem Unternehmen, welches sich immer wieder fragen muss, was und wer es eigentlich ist. Zwar hat Mad Men mich persönlich nicht im großen Maße mitgerissen, aber sie hat es immer wieder geschafft die Faszination aufrechtzuerhalten.

__________[ 6,5/10* ]__________

*Einzelbewertung der Staffeln: S01 – 6,5/10, S02 – 6/10, S03 – 6,5/10

15 Gedanken zu “Mad Men – Season 1 – 3

  1. Ui, klingt ja echt preisverdächtig. ;-) Mal ehrlich, der Stoff reizt mich einfach nicht. (Und ich hätte bei den Bewertungen auch keine drei Staffen durchgehalten.) Soll heißen, wenn die Serie ab Oktober auf ZDFneo läuft, werde ich mir wahrscheinlich kein Bild machen. Soll die Serie doch hypen, wer will.

    • Jep, hab auch zwei (lange) Pausen gemacht zwischendurch, weil es wirklich anstrengend war und die erste Staffel zum Teil wie gesagt eigentlich überhaupt nicht anschaubar ist. Dass ich drei Staffeln durchgehalten habe…ich weiß auch nicht wie ich das geschafft habe. der Hype um die Serie ist jedenfalls wirklich nicht berechtigt. Bei den Bewertungen war es wirklich fast schon an der Grenze, unter 6/10 wird es wirklich heikel und ich setz die Serie für mich ab.

      • @kithos:
        „…die erste Staffel zum Teil wie gesagt eigentlich überhaupt nicht anschaubar ist. Dass ich drei Staffeln durchgehalten habe…ich weiß auch nicht wie ich das geschafft habe…“

        Weshalb schauen Sie zig Folgen an, wenn ihnen die Serie überhaupt nicht gefällt. Das ist doch Wahnsinn, zumindest meiner Meinung nach…

      • Hm, bei Mad Men ist das wirklich so ne Sache. Ich hab ja geschrieben, dass die Serie eine Form von Faszination auslöst, das hat mich stets bei Stange gehalten. Und die Serie wurde natürlich besser, deshalb auch die Bewertung von 6/10, was jetzt nicht darauf schließen lässt, dass ich die Serie überhaupt nicht ausstehen kann ;)

      • @khitos:
        „…dass die Serie eine Form von Faszination auslöst…“

        Finde ich auch – bis zur dritten Folge dachte ich „Was für ein Mist“. Man braucht einfach seine Zeit um reinzukommen…

  2. Für mich ganz klar die beste Serie der letzten Zeit. Vielleicht auch die beste Serie überhaupt. Wunderschön gefilmt, ein treffsicheres Sittenbild der 60er Jahre und ein beißender Blick auf die Werbeindustrie, der auch heute noch erschreckende Gültigkeit besitzt.

    Hype um die Serie? Nur weil ein paar Feuilletonisten hier über die Serie schreiben, würde ich nicht von Hype reden. Der deutsche Durchschnittszuschauer würde mangels Action, Offenlegung der Charaktermotivation usw. doch nicht einmal die erste Episode durchhalten…

    • Naja, “meinen” Hype beziehe ich auf die gewonnen Globes und die damit verbundenen Sprüche “Best Drama on TV” usw. Vielleicht hab ich das auch nur für mich so empfunden. Würd dir auf jeden Fall zustimmen, dass der Durchschnittszuschauer diese Serie nicht gerade zu den aufregendsten zählen würde. Ich hatte ja auch meine Schwierigkeiten…aber zum Glück wurd die Serie ansprechender mit der Zeit.
      ,,erschreckende Gültigkeit”? Hm, da weiß ich leider nichts von…
      Und ich hab tatsächlich vergessen auf die Optik der Serie einzugehen, arg, wie konnte ich nur. Diese ist natürlich auch sehr ansprechend und stilsicher :D

  3. Das muss ich auch endlich mal weitergucken, hab mitten in der ersten Staffel abgebrochen, fand es aber eigentlich recht gut.
    Die Sekretärin (auf dem Bild ganz links) sieht man übrigens in “Get him to the Greek” :)

    • Hö? Die spielt in so einem Film mit? Passt ja mal gar nicht zu ihrer Rolle in Mad Men :D
      Ich hab einmal in der ersten und einmal in der zweiten ne Weile Pause gemacht, komisch komisch, aber wenigstens findest du auch immerhin ,,recht gut” ^^

  4. Endlich mal keine Lobhudelei. Und ja es gibt und gab einen Hype um die Serie, den ich auch nicht nachvollziehen kann. So interessant die Serie als Sittengemälde und Zeitkolorit funktioniert, so schlampig geht sie mit ihren Charakteren um, das ich in der Form auch selten gesehen habe. Die Protagoniten durchlaufen innerhalb der drei Staffeln kaum eine Entwicklung, da werden Charaktere einfach fallengelassen. Die Faszination zieht sich hauptsächlich aus der Coolness und dem Style, der natürlich grossartig umgesetzt ist. Bin aber auch gespannt wie es weitergeht

  5. Man kann der Serie ja so einiges vorwerfen, aber schlampige Charakterisierung? Ich weiß ja nicht welche Serie du da gesehen hast. In “Mad Men” wird eben nicht jede Motivation groß erklärt, sondern man muss als Zuschauer da schon öfter einmal zwischen den Zeilen lesen. Ebenso gibt es eben kein der ist gut und der ist böse wie in den meisten anderen populären Serien. Alles ist eine große Grauzone. Deswegen muss einem die Serie natürlich noch lange nicht gefallen…

  6. Die Frage stellt sich eher umgekehrt…
    Die Figuren sind kaum ambivalent dargestellt, durchlaufen kaum einer Reifung. Draper hat sich kaum verändert, trotz aller Veränderungen seines Umfelds, dasselbe gilt für Roger Sterling oder Campbell. Lediglich die Olsen kann auf eine tiefere Charakterisierung zurückgreifen. Die Serie zieht ihren Reiz kaum aus einer Identifikation mit den Protagonisten, ebensowenig aus Interesse an deren Entwicklung. Für den geneigten CSI-Buxtehude Zuschauer mag das noch interessant sein, nimmt man Serien wie Carnivale oder BSG zum Vorbild fällt Mad Men deutlich ab.

  7. @JMK und bullion: Muss euch beiden irgendwo Recht geben. Draper versteh ich – wie schon geschrieben – immer noch nicht. Er hat solche Eingebungen, entsinnt sich, dass das was er macht einfach nicht richtig ist und fällt in der nächsten Episode wieder in sein altes Muster…da seh ich auch wirklich keine große Charakterentwicklung, eher Unentschlossenheit, wie man mit dieser Figur weiter agieren soll. Bei anderen, wie z.B. Joan hat man mit der Zeit etwas Tiefe in ihrem Charakter gesehen, aber das wurd bisher nur ein wenig angedeutet, aber immerhin.
    Die Grauzone ist zwar gut, aber im Hinblick auf Draper halt auch nervig.
    Bei Campell seh ich da schon etwas mehr, bei Sterling kann es wirklich so sein, dass er sich nie ändern wird, aber er ist so ein Charakter der sich vielleicht auch gar nicht mehr verändern kann…

  8. …das faszinierende ist ja, dass die Serie ja trotzdem ihren Reiz hat und zumindest ich mich auf die 4te Staffel freue. Aber nicht so sehr, wie ich die neue Staffel von True Blood herbeisehne, weil die Charaktere eben zumindest viel mehr versprechen (von den Unzulänglichkeiten die die Serie sonst hat, mal abgesehen).

  9. “Carnivale” fand ich auch sehr gut und ist wohl eine der wenigen Serie, die ich qualitativ in “Mad Men”-Regionen sehen würde. Aber “Battlestar: Galactica”? Auch nicht schlecht, aber meiner Meinung nach qualitativ um einiges schwächer, als “Mad Men”. Ist aber hier wohl wirklich eine Frage des persönlichen Geschmacks. Ich finde es gerade interessant, wie hin und her gerissen Don Draper ist. Und dass er gerade nicht aus seinem eingeschlagenen Pfad ausbrechen kann. Hier erinnert mich die Serie stark an “The Sopranos”, dessen Hauptcharakter in meinen Augen sehr ähnlich zu Draper war.

    “True Blood” sehe ich auch gerne, doch macht mir diese Serie eher durch ihren fast schon trashigen Fantasymix Spaß. Es ist zwar ein anderes Genre, doch die Charaktere in “True Blood” finde ich im direkten Vergleich viel schwächer und stereotyper geschrieben. Macht dennoch Spaß! :)

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