,,Frau WWF“ oder ,,Das Orang-Utan-Bordell“

M hatte seine Kopfhörer in seinen Ohren, ein Zeichen, dass er für sich sein will, ein Zeichen, dass er keinem zuhören und auch von keinem angesprochen werden will. Er war an der Universität, hatte einen Lerntag vor sich, auf den er sich nicht besonders freute. Um Unterlagen aus der weiterliegenden Fachschaft zu holen ging er nach draußen, es war heiß, er hatte sein schwarzes T-Shirt an, was er direkt bereute. Hätte er dieses T-Shirt nicht angehabt, wäre ihm wahrscheinlich viel entgangen, besonders viel Gerede über Wälder, Tiere und Orang-Utan Bordelle. Aber langsam. M war auf dem Weg zur Fachschaft, er hörte Lisa Mitchells Stimmchen, welche er vor einiger Zeit lieben gelernt hat. Er ging gemächlich, aber unbewusst determiniert, mit keiner Seele zu sprechen, bis auf den Fachschaftsdienst in ungefähr fünf Gehminuten, in Richtung Fachschaft. M schaute nach vorne, er war leicht bedrückt, nichts schlimmes, aber insgesamt hätte man ihn nicht als „glücklich“ eingeschätzt, objektiv fiel das eh oft schwer, gerade an diesem Tag fielen unbestimmte, selbstverschuldete Ereignisse an, die seine Stimmung zu seinen Ungunsten weiter verschlechterten. Etwas überrascht, obwohl es offensichtlich war, hat ihn eine Person mit einem schwarzem Brettchen angesprochen. Es sind diese Personen, die einem was andrehen wollen, grundsätzlich immer was Schlimmes aus den Augen des normalen Passanten. Deshalb beschleunigt man auch stets, wenn man an diesen Personen vorbeigeht und lügt mit einem einfachen ,,Keine Zeit“, um dieser angsteinflößenden Situation zu entgehen. M, der sich gerade darauf eingestellt hat, dass ihm diese Person mit einem kurzen ,,Hast du kurz Zeit?“ fragen wird, mit einem ,,Nein, sorry“ anzuworten, hat nicht damit gerechnet, dass nicht der übliche Spruch fällt, sondern: ,,Hey, dein T-Shirt gefällt mir!“
So muss man das machen. M ging etwas langsamer, er hörte die Person und zeigte es auch. Er hätte einfach weiter gehen können, er hatte ja seine Kopfhörer auf, Musik, dann hört man keinen, aber Lisa Mitchell ist nicht gerade die lauteste Sängerin. M wollte nicht so tun, als ob er nichts gehört hätte und er wollte einfach etwas ehrlich in dieser negativen Welt sein und hörte sich an, was die Person so zu erzählen hatte. Es war ja nicht so, dass er jetzt unbedingt irgendwo sein musste. Er wollte ehrlich sein und vielleicht mit einem netten Gespräch seine Stimmung bessern. Sein kleiner Plan funktionierte. Nach wenigen Sekunden blieb M auch stehen. Warum denn auch nicht? Die Person, ja, die ,,böse“ Person mit dem schwarzen Brettchen, war nämlich nicht gerade die unattraktivste Person auf der Welt. Sie hatte blonde Haare (gefärbt, wie sie es im Verlauf des Gesprächs erzählte), ein markantes Gesicht, hohe Wangenknochen, dunkelblaue Augen und insgesamt eher ,,punkig“ – oder nennt man das ,,alternativ“? Jedenfalls hatte sie ,,Tunnel“ (?) in den Ohren und zwei Piercings, eine an jeder Backe, was einen bestimmten Namen hatte, den M jedoch wieder vergaß.
WWF war ihr Anliegen. Eine interessante Sache, die M mitbekam, aber für die er sich nie in irgendeiner Art und Weise einsetzte. M und Frau WWF unterhielten sich. Oder viel mehr: Frau WWF erzählte von unzähligen Geschichten aus der kranken Welt, in der wir Menschen leben und M hörte zu. Es war von Tigern die Rede, die vom Aussterben bedroht sind, von Wäldern, die ohne den WWF schon längst abgeholzt worden wären und von Orang Utans. Diese Orang Utans, diese armen Orang Utans. Irgendwo auf der Welt gibt es Menschen, die die jungen Orang Utans als Haustiere halten. Um sie überhaupt zu fangen, werden sie von Bäumen abgeschossen, da die Mütter sie stets umarmt halten. Wenn die Orang Utan Familie Glück hatte, wurden beide getötet, wenn nicht, dann werden ihnen Kleider angezogen, sie werden auf ein Podest gestellt, sie werden zum Schauobjekt. Die Zielgruppe sind Männer, perverse Männer. Denn diese dürfen nicht nur gucken, sondern auch…mehr. Es ist ein Orang Utan Bordell, in dem Männer…Sachen machen, die man sich vorstellen kann, aber ungern will.
Diese Geschichte hat M doch sehr überrascht, aber was soll man denn wirklich anderes erwarten? Menschen sind wahrhaftig die schlimmsten Tiere auf der Welt.
Trotz dieser Geschichten besserte sich die Stimmung des M, er hat sich schön unterhalten und das war doch wirklich schon was. Es war sonnig und warm, aber das störte M nun nicht mehr.

3 Gedanken zu “,,Frau WWF“ oder ,,Das Orang-Utan-Bordell“

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