Your Eyes Hurt << Killer Joe

,,Your eyes hurt“, sagt Dottie Smith (Juno Temple) zu Killer Joe Cooper (Matthew McConaughey), als sie sich zum ersten Mal sehen. Sie wird es noch ein weiteres Mal sagen. Wenn sie es das zweite Mal aussprechen wird, so wird auch der Zuschauer gemerkt haben, dass nicht nur seine Augen einem weh tun, sondern seine ganze Präsenz.

Als ein leicht simpler Film beginnt KILLER JOE als übliche Killt-die-Mama-für-das-Versicherungsgeld-Geschichte und entwickelt sich zu einem der verrücktesten Filme, die ich in letzter Zeit zu sehen bekommen habe. Erst nach dem  Abspann wurde mir wirklich klar, was ich eigentlich für einen Film gesehen habe. Ab diesem Zeitpunkt konnte ich erstmal nicht aufhören zu lachen, über die Szenen im Film, die während des Films zunächst oft nur einen what-the-f-Moment ausgelöst haben, sich aber nach und nach als komödiantische Meisterstücke herausstellten, die in ihrer Situationsdynamik gerade durch die hervorragende Leistung der überaus dumm portraitierten Charaktere hervorgehoben wird. Trailer-Park-trash Charaktere sind es, die ihren Sohn Chris (Emile Hirsch), obwohl schwer verletzt und blutend in die vier Metallwände hereinstürzend, nach kurzer Zeit einfach liegen lassen, weil es Killer Joe ihnen sagt, dass da nichts sei. Nicht selten machen Vater Ansel (Thomas Haden Church) und Stiefmutter Sharla (Gina Gershon) das, was Killer Joe ihnen sagt. Killer Joe ist nämlich eine Person, der man ungern widersprechen würde. Plotmäßig sollte noch erwähnt werden, dass sich Killer Joe als weiteres „Familienmitglied“ schon in das Heim der Smiths einquartiert hat, konkreter: bei Dottie, die er als Ersatz für sein nicht gezahltes Honorar genommen hat.

Matthew McConaughey spielt Killer Joe als einen überaus seriösen Mann, leise aber klar sprechend, mit einem Blick, der sich nach und nach in die Köpfe der anderen Charaktere zu bohren vermag. McConaughey ist vielleicht nicht der angesehenste ernste Schauspieler in Hollywood, er hat meines Erachtens aber einiges auf Lager, und das zeigt er hier. Nicht zuletzt durch seinen Körper und Gestiken vermag er es gleichzeitig ein sehr beherrschter, mit Regeln ausgestatteter Profi zu sein, nur um dann wiederum ein wildes Tier zu sein, das nicht davor zurückschreckt, sich auf die zu stürzen und seine Macht auszunutzen.

KILLER JOE ist eine wundervoll verstörender Film, mit vielen Szenen, die einem im Gedächtnis bleiben werden. Als ursprüngliches Theaterstück mit wenig Schauplätzen und wenig Charakteren konnte es mich am Anfang noch nicht wirklich in den Bann ziehen, doch spätestens in der Hälfte des Films war ich vollends dabei. Das entspricht somit dem üblichen Spiel, dass man einem Film erstmal eine Chance geben muss, um den Gegenwert zu erhalten und dass man sich erstmal in den Film einfinden muss, wenn man eine falsche oder keine Erwartungshaltung hat. Würde eine Zweitsichtung folgen, so wäre auch der erste Teil mit anderen Augen zu betrachten.

Manche werden sich an der überaus brutalen Darstellung stören, an der Kamera, die genüsslich auf den Körper von der oft halbnackten Dottie drauf hält oder an den schieren Grad des schwarzhumorigen,  screwball-mäßigen Drehbuchs. Zugegeben, ein paar Aufnahmen auf Dottie hätten sicherlich nicht sein müssen, das macht der Film schon selbst gut klar, dass sie das Objekt der Begierde ist. Das beeinträchtigt die Qualität des Films aber nur marginal. Insgesamt wird mir KILLER JOE als kleiner Überraschungshit noch im Gedächtnis bleiben. Da mir keine große Resonanz zu dem Film aufgefallen ist (nur DVD Release in Deutschland), erhoffe ich mir, dass ihn wenigstens ein paar mehr Leute zu sehen bekommen werden.

[ 7,5/10 ]

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