Leviathan

Leviathan – Der Horrorfilm, der keiner ist

LeviathanEs gibt Dokumentationen, die den Zuschauer führen, ihn in verschiedene Geschichten einführen und begleiten und die Menschen darin zu Wort kommen lässt. Und dann gibt es die Dokumentationen, die mit der Kamera einfach nur drauf halten. Das hört sich zunächst schlecht an, bedenkt man, dass In die Welt mit der gleichen Herangehensweise ein großer Reinfall war. Doch Leviathan behandelt nicht das Thema der Geburt, sondern die dunkle, blutrünstige, brutale Welt der Fischerei. Man wird bekannt gemacht mit einem Fischerschiff und dessen Fischer. Es wird auch nicht „nur“ draufgehalten. Das wäre dem Film nicht gerecht. In Leviathan wird eine GoPro-Kamera oder eine gleichwertige Kamera verwendet, mit der man buchstäblich hautnah an Fisch, Mensch und sonstigen Tieren ist. Es wird gerade nicht nur draufgehalten, sondern die Kamera fließt mit, beobachtet und fängt Aufnahmen ein, die man nicht direkt erklären kann, wie diese zustande kamen.

Leviathan kann ein großer Erfolg oder ein großer Reinfall sein. Es kommt auf den Zuschauer an, ob er in den Aufnahmen ohne Interviews oder dergleichen, etwas abgewinnen kann oder nicht. Man kann aufgrund der monotonen Aufnahmen die Dokumentation aber auch ziemlich langweilig finden. Die 84 Minuten sind dabei jedoch für beide Sorten von Zuschauer etwas zu lang. Ein wenig hätte es schon gekürzt werden können. 10 bis 20 Minuten. Der Rest kann ohne Weiteres stehen bleiben. Dafür ist es einfach zu wirksam.

Wer nicht gewohnt ist viel Fisch zu sehen, besonders nicht toten Fisch, wird auch zu spüren bekommen, dass das um einiges intensiver sein kann als ein vermeintlicher Horrorfilm. Man wird nicht nur in die Unmengen an Fisch geschmissen, sondern muss auch noch mit ansehen, wie diese aufgeschlitzt und ihren Organen entleert werden. Zum Schluss bleiben Fischköpfe, die von dem Schwall des Wassers hin und her geschoben werden bis sie endlich wieder ins Meer fallen. Eine Aufnahme, in der ein Fischkopf mit dessen großen Glubschaugen in die Kamera zu schauen scheint, wird aufgrund der Intensität dieses Blickes lange in meiner Erinnerung bleiben. So wird man sich sicherlich nochmal überdenken, ob man weiterhin Fisch essen wird nach diesem Film – oder gar ganz auf Fleisch verzichtet.

In Leviathan kann man einiges sehen, man hat ja auch genug Zeit dafür in den langen Aufnahmen. Es fängt dunkel an, man sieht alles aus der Sicht eines Fischers. Später wird es eine Kamera sein, die ins Wasser fällt, wieder auftaucht, herumschwirrt, von den Wellen mitgerissen wird. Es ist die Härte des Meers, die brechenden Wellen, die Dunkelheit, die einen dabei fertig macht. Es ist der Kampf zwischen Natur und Mensch und seinen Maschinen, die allgegenwärtig im Hintergrund zu arbeiten scheinen. Es sind Männer, die Zigaretten rauchen, ein schmalziges Lächeln im Gesicht erübrigen beim Aufschlitzen der Fische. Es sind Männer, mit Schnurrbärten. Es sind aber auch Maschinen, die monoton arbeiten, Fisch für Fisch. Es ist ein schrecklicher Anblick. Doch die Kamera ist gleichermaßen neutral, gegenüber den Fischen, so wie zu den Fischern, die nur arbeiten und völlig übermüdet dreinblicken im Gemeinschaftsraum.

Leviathan bietet fantastische Aufnahmen und appelliert zu den Sinnen des Zuschauers, denn es ist ein visuelles Erlebnis. Wer mit der falschen Einstellung in den Film geht wird herbe enttäuscht werden. Man kann vieles aus den Film schöpfen, aber verständlicherweise dann auch aus dem Kinosaal frühzeitig austreten. Wer bleibt bekommt eine Dokumentation zu sehen, die man mit Sicherheit so noch nicht erlebt hat.

__________[ 8/10 ]__________

4 Gedanken zu “Leviathan – Der Horrorfilm, der keiner ist

    • Ja, ich habe die Chance genutzt und bin direkt rein ins Kino. Hab auch nur zufällig gesehen, dass der hier läuft🙂
      Ist auch sehr schwer an den Mann zu bringen..im Kinosaal bei mir waren 8 Zuschauer (mich und ein Freund mit eingeschlossen) und zwei davon sind auch nach der Hälfte gegangen😀

      • Deswegen sollte man sich eben vorher informieren, ehe man ins Kino geht. Der Trailer gibt ja einen sehr guten Eindruck und Lucien Castaing-Taylor hat bereits mit „Sweetgrass“ einen ähnlich meditativen Film vorgelegt.
        Schade jedenfalls für mich, denke die Bilder wirken auf der großen Leinwand immersiver als auf meinem „32-TV später😦

        • Hm, ich schau mir dann mal Sweetgrass an🙂
          Stimmt, ich wollt mir den auch nicht auf meinem Bildschirm geben..vielleicht hast du bis dahin ja auch eine Heimleinwand mit Beamer?😀

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