Was machen meine Lieblinge heute so? : Friday Night Lights #1 – Jesse Plemons

Jesse PlemonsWenn jemand auch nur ansatzweise meinen Blog verfolgt, der wird spätestens nach ein paar Beiträgen mitbekommen, dass ich die Serie Friday Night Lights liebe, ja, liebe. Ich könnte sie direkt nochmal anfangen und alle Emotionen nochmal von vorne durchlaufen ohne auch nur eine Sekunde nach fünf Staffeln vergeudet zu haben.

Da ich auch die Charaktere lieb gewonnen habe und natürlich die Schauspieler, habe ich deren Karriere auch weiter verfolgt. Es ist interessant wo manche gelandet sind und wo sie noch landen werden. Eins ist aber klar: Der Cast ist grandios.

Fangen wir doch mal an:

Zwar gebührt der Einstieg eigentlich den wichtigsten Charakteren der Serie, Kyle Chandler und Connie Britton, die das Ehepaar Taylor spielen. Zum Einstieg der letzten Folgen Breaking Bad wollte ich aber dennoch mit Jesse Plemons anfangen. Seine Karriere hat mich dann doch sehr erstaunt und positiv überrascht. Gerade seine Rolle in Breaking Bad…aber dazu komme ich gleich.

Ich bin mit Jesse Plemons zum ersten Mal in Friday Night Lights in Berührung gekommen. Dort spielt er den ever so slightly geeky, nerdy, Christian-Metal-Rocker, der oftmals durch seine naiven Ideale hervorsticht und doch einer der Charaktere ist, denen man am meisten die reale Persönlichkeit abkauft. Er sticht auch gerade dadurch heraus, weil er in dem wirklich sehr fotogenen Cast wahrscheinlich als einer der „andersartigen“ Gesichter abgestempelt werden würde. Doch gibt man ihm die Chance, dann zeigt er auch alles, was er kann. Plemons ist ein toller Schauspieler, der in der Rolle des Landry – Lance – Clarke aufgehen konnte.

Vor Friday Night Lights kleine Rollen in ein paar nicht nennenswerten TV Serien gespielt und in ein paar Filmen, in denen er jedoch auch nur eine kleinere Rolle einnahm. In Meeting Spencer scheint Plemons eine größere Rolle gehabt zu haben. Dieser Film ist mir aber noch unbekannt.

In 2006 hat er dann angefangen seine Rolle des Landry Clarke in Friday Night Lights einzunehmen und aus meiner Sicht seine Karriere so richtig gestartet. Die Serie war für einige der beteiligten Schauspieler der Anfang einer größeren Karriere in immer größeren Filmen. So glaube ich, dass  die Rolle in Battlefield dadurch geschuldet war, dass Peter Berg als Regisseur zuständig war. Dieser war auch ein wichtiger Bestandteil für die Ausstrahlung von FNL. Plemons spielt neben Taylor – Riggs! – Kitsch in Battlefield, erhaschte aber leider nur eine kleinere Rolle.

Nach Battlefield folgte eine kleine Rolle in The Master von Paul Thomas Anderson. Ein großer Schritt und die Zusammenarbeit mit immer wichtigeren Leuten der Filmwelt ist immer fördernd. Leider sind seine zukünftigen Projekte wieder nicht ganz so groß. Einmal wäre da ein TV-Film (The Missionary), in dem er jedoch die Hauptrolle spielt. Das erste Mal! Wenn ich den zu sehen bekomme, würde ich mich doch sehr freuen. Ein anderer Film wäre Flutter, wo seine Beteiligung jedoch anscheinend noch nicht feststeht (‚rumored‘ laut imdb).

Was jedoch viel wichtiger ist: Seine Rolle in Breaking Bad. Er spielt Todd. Ein eher unscheinbarer Charakter, der es jedoch faustdick hinter den Ohren hat. Plemons transformiert den dorky Landry Clarke in einen badass-motherf***er!

Todd wird Gehilfe von Jesse Pinkman und Walter White. Und er ist ein sehr treuer Gehilfe. Er macht das was nötig ist. Das stellt er eindruckvoll in der bisher besten Folge der fünften Staffel Breaking Bad zur Schau: Folge 5 Dead Freight.

[Spoiler ahead]

Ich bekomme gerade noch einen Schauer, wenn ich an den Anfang und das Ende der Folge denke. Noch so nichtssagend fährt ein Junge mit seinem Dirtbike durch die Wüste. Am Ende wird er Zeuge von den Machenschaften von Pinkman und White. Was macht Todd? Natürlich: Bäm!

[Spoiler end]

Eine fantastische Folge und ein unglaublicher Jesse Plemons. Mit dieser Rolle hat er mich erneut umgehauen.  Seine zwei großen Rollen sind für mich jetzt schon die in FNL und nun Todd in Breaking Bad. In FNL gibt es so einige unglaubliche Szenen mit ihm. Nur als Beispiel: [Spoiler ahead]

Staffel 2, Folge 8, Seeing Other People. Am Ende gesteht er in der Polizeistation seinen vermeintlichen Mord an den Vergewaltiger, der Tyra zuvor angegriffen hat.

[Spoiler end]

Die Bilder werden mich noch lange verfolgen. Unglaubliche Szene.

Jesse Plemons ist bisher leider nicht so groß herausgekommen in der Film- und Serienlandschaft. Er wurde bisher stets von den Hauptcharakteren verdrängt. Dennoch: In mir hat er einen großen Fan! Und wenn ich hier manche dazu bringen kann ihn etwas genauer anzuschauen, wäre das ja auch schonmal was.

Hier ist noch ein tolles Interview mit ihm.

Breaking Bad – Season 1 & 2

Wer hätte gedacht, dass der kauzige Hal aus Malcolm Mittendrin der nächste große Undergroundboss der Drogendealerwelt werden wird? Ich jedenfalls nicht. Breaking Bad verhilft Bryan Cranston zu einem neuen Kultstatus, mitdem er neben seiner bisherigen freudig, aber tragisch komischen Rolle als Hal endlich seine dunklen Seiten zeigen kann. In neuer Gestalt als Mr. White, Walter H. White. Die Prämisse dieser Hitserie ist geradezu aus dem alltäglichen Leben gegriffen: Walter – überqualifizierter Chemielehrer an einem College – erfährt eines Tages, dass er Lungenkrebs und deswegen nur noch wenig Lebenszeit auf dieser Welt hat. Aufgrund einiger Umstände kommt er auf die Idee, diese restliche Zeit sinnvoll zu nutzen und seiner Familie, die bald um ein Kind reicher wird, ihre finanzielle Zukunft so gut es geht zu sichern. Die Idee: Drogen verkaufen. Als gekonnter Chemiker kennt er sich bestens aus und kann mit einem früheren Schüler – Jesse Pinkman, gespielt von Aaron Paul – das reinste, qualitativ beste Chrystal Meth herstellen, dass es auf den Straßen zu kaufen gibt. Seiner Familie erzählt er davon nichts. Er besitzt ab dem Zeitpunkt ein Doppelleben, was im Laufe der Zeit nicht nur ihn zerrütten wird, sondern auch alle Menschen um ihn herum.

Breaking Bad ist eine Mischung aus Familiendrama und Undergroundthriller. Manchmal weiß man gar nicht, welche Seite an dieser Serie eigentlich die spannendere ist. Denn nicht nur das Treffen mit verrückten Drogendealern und ihren Gewaltausbrüchen und das gefährliche Spiel mit der Knarre machen den Nervenkitzel aus. Auch die Familiendynamik im Hause White ist gefährlich. Walter White ist ein stolzer Mann, der selbst für sich und seine Familie sorgen will. Er will nicht von anderen finanziell unter die Arme gegriffen werden – mit Verachtung spricht er einmal von charity. Nein, Walter möchte kein Mitleid und auch zu keinem Wohltätigkeitsfall verkommen. Mit dem Drogen schafft er es eine Zeit lang immer Geld anzuhäufen, jedoch kann er es nur beschränkt – durch Lügen, auf denen Lügen folgen – benutzen, geschweige denn seiner Familie davon erzählen. Das Doppelleben wird ihm sehr schnell zum Verhängnis. Das Vertrauen in der Familie, besonders seitens seiner Frau Skyler (Anna Gunn), ist drauf und dran komplett in seiner Substanz zerstört zu werden.

Ausgeklügelt wirds, wenn man nicht nur die kleine Familie White ansieht, sondern auch die Schwester von Skyler und deren Mann hinzufügt. Marie (Betsy Brandt) ist eine kleine Bitch, deren Verhalten man manchmal überhaupt nicht rational erklären kann. Was jedoch viel interessanter ist, ist ihr Mann Hank (Dean Norris). Der ist nämlich angestellt bei einer kleinen Institution namens DEA – Drug Enforcement Administration. Seinen schlechten, dazu noch makaberen, Humor lässt er so so oft es geht heraus und grinst sich in fast allen Situationen einen ab. Das macht es nur noch schlimmer, da die gute Miene dem neuen Drogendealer der Szene doch so nahe steht und dies zu brisanten Dialogen und riskanten Situationen führt. Heisenberg ist der Name, den sich Walter gegeben hat und mitdem er seine Geschäfte führt. Heisenberg ist derjenige, den das DEA sucht, verfolgt und zur Strecke zu bringen versucht.

Zeitgleich führt Heisenberg seine Geschäfte mit seinem kongenialen Partner Jesse durch. In immer größeren Mengen, mit mal verrückten Kunden und mal mit stoisch, unauffällig wirkenden Käufern. Es gibt Tote, es gibt Blut, es gibt verängstigte Augen, die Schutz hinter einer Sonnenbrille suchen. Und dann gibt es noch einen zwielichtigen Anwalt, stupide esses und eine Sucht, die Jesse nicht loslässt. Chrystal Meth ist lange nicht mehr die einzige Droge, die hier geschnupft wird.

Trotz des gefährlichen Terrains, in dem sich Breaking Bad abspielt, und der empflindlichen Krebsthematik, bleibt Breaking Bad auf einem guten, aber nicht überwältigenden Niveau. Es steckt mehr Potential in dieser Serie, welches noch nicht ganz ausgeschöpft wurde. Es gibt keine Episode, die speziell hervorsticht, dafür aber auch keine, die wirklich schlecht ist. Dafür gibt es exzellente schauspielerische Leistungen zu sehen. Bryan Cranston trägt die Serie zu 73% großen Teilen mit seiner Darstellung dieses liebevollen, tragischen, aber gleichzeitig mutigen, ehrgeizigen, stolzen und harten Mannes. Nicht grundlos wurde er dafür zweimal mit einem Emmy geehrt. Alles in allem ist Breaking Bad nicht die konventionelle Serie, die man sonst zu sehen bekommt. Aber das ist doch in keinster Weise schlimm, oder? Im Gegenteil! Let’s cook, yo!

Beide Staffeln:

__________[ 7/10 ]__________

P.S.: Aufgrund einiger Beschwerden, will ich darauf aufmerksam machen, dass ich in keinster Weise das Zubereiten oder das Konsumieren von Drogen befürworte. Ich hab die Serie eher als unterhaltsamen, unkonventionellen Einschlag in die Serienlandschaft gesehen, die moralischen Dilemma zwar erkannt, sie aber nicht als wichtigstes Kriterium meiner Sichtung verstanden. 😉