Voll Abgezockt – Bateman liefert erneut keine Leistung, McCarthy enttäuscht immens und warum der Titel zweideutig ist

Identity ThiefVoll Abgezockt, wie der deutsche Titel von Identity Thief so schön heißt, ist, wie nicht anders zu erwarten, ein recht langweilig gestricktes, abstruses Werk von einer Komödie. Warum die Erwartungen nicht allzu hoch geschnürt werden sollten wird zunächst durch den Regisseur Seth Gordon begründet. Er hat zwar die zu Unrecht abgesetzte Serie Breaking In erschaffen und ein paar Folgen inszeniert, ist jedoch auch für die grauenhafte Komödie namens Horrible Bosses verantwortlich. Und das ist mir erst nach einer kurzen Recherche aufgefallen. Denn mit Identity Thief wird oder eher sollte Seth Gordon keinen Erfolg mit Komödien haben, wenn er mit diesen beiden Filmen sich profilieren will.

Des Weiteren sind es die Schreiberlinge Craig Mazin und Jerry Eeten für die Story und das Drehbuch verantwortlich, in welchem kurz zusammengefasst Sandy Patterson (Jason Bateman) seine Identität von Diana (Melissa McCarthy) durch Kreditkartenphishing geklaut wird und Sandy versucht Diana einzufangen und beide eine wildes Abenteuer durchleben. Das hört sich doch fantastisch an, wenn denn nicht Craig Mazin auch das Drehbuch zu Hangover 2, 3 und ein paar neueren Scary Movie Teilen geschrieben hätte. Wenn man den Film gesehen hat, dann hätte man meinen können, dass dahinter auch die Verantwortlichen von Due Date steckten. Denn es ist eine simple Struktur: Die Einleitung wird in drei Minuten abgehandelt, woraufhin der Protagonist, um alles zu regeln, aus unerklärlichen und unsinnigen Gründen selbst alles in die Hand nehmen muss, um dann mit dem Antagonisten über 100 Minuten lang in immer abstrusere Geschehnisse verwickelt wird, in dem jeder übertrieben unfair behandelt wird, nur um dann zum Schluss doch in einer Art und Weise eine Verbindung zu dem Gegenüber zu entwickeln.

Alles schön und gut. Möglicherweise könnte diese Formel auch funktionieren, wenn die richtigen Leute am Werk wären. Hier stimmen jedoch Regisseur und Drehbuchautor schonmal nicht. Weiterhin wird immer noch Jason Bateman für eine Rolle eingestellt. Es ist fast schon ein Mysterium, wie dieser Mann noch Arbeit findet. Seit dem ich Jason Bateman auf der Leinwand kenne hat er stets den gleichen Charakter gespielt. Ein paar Facetten hat er in The Switch gezeigt und ich erhoffe mir wirklich, dass er im kommenden Disconnect in einer hoffentlich etwas ernsteren Rollel ein wenig mehr von seinem noch immer nicht zu sehenden Potenzial zum Vorschein bringt. Ansonsten spielt er wie immer den stinknormalen, langweiligen Kerl im Anzug, der immer Probleme zu haben scheint, aber stets die selbe Miene verzieht und es selbst lösen muss. Ein Mann, ein Gesicht, kein guter Schauspieler.

Dann wäre da Melissa McCarthy, die wohl etwas zu viel Ruhm für ihre Oscarnominierung für ihre Rolle in Bridesmaids geschnuppert hat und meint, sie könne auch diese Rolle irgendwie gut rüberbringen. Das klappt leider nur bedingt. Das Drehbuch gibt ihr die Rolle eines Arschlochs und ich weiß nicht, wie man so eine Rolle spielen wollen will. Auch wenn es mit dem Verlauf der Geschichte erklärt wird, warum sie so arschig ist, wird das nicht alles wieder vergessen machen, wie ungemein asozial sie sich gegenüber jedem und allem verhält. Da helfen auch nicht die zum Ende hin sich vermehrenden Szenen, die den Zuschauer in eine rührende Stimmung versetzen sollen durch entsprechend schöne Hintergrundmusik und nicht nachvollziehbaren menschlichen Beziehungen, die manipulativ in Szene gesetzt werden. Melissa McCarthy, so sympathisch sie auch ist, kann auch diese Rolle nicht herumdrehen.

Leider wird auch Amanda Peet als Ehefrau von Sandy völlig verschenkt. Sie dient als Beilage und ist in dem ganzen Werk mit eine der besten Figuren. Es ist jedoch allein dem kommerziellen Erfolg solcher Komödien zu verdanken, dass sich so viele Stars blicken lassen. So zeigen sich in kleineren Rollen auch Eric Stonestreet, Jon Favreau, John Cho und Ellie Kemper. Und immerhin lohnt es sich wohl auch, denn im ersten Wochenende hat es fast das Budget wieder eingespielt. Besser macht das Identity Thief jedoch nicht.

__________[ 1,5/10 ]__________

Buckle Up!

startrek

,,Die Zukunft hat begonnen„. Viele Franchises gehen weiter und weiter und erliegen ab einem bestimmten Zeitpunkt ihrer unendlichen Geschichte. Dann ist es Zeit neu anzufangen, die Ursprünge zu erkunden und den Anfang der Geschichte zu finden. ,,Begins“ nennt sich der allumwobene Begriff vieler Filme, die nochmals in die Vergangenheit reisen und von vorne anfangen, um das Franchise wiederzubeleben und, um ihm einen modernen, zeitgemäßen Touch zu verleihen – für die jetztige Zuschauer-Generation und für die alte.
Als kompletter Star Trek Laie wusste ich nicht was mich mit der Neuauflage des allmächtigen ,,Wunderkinds“ J.J. Abrams erwarten sollte. Kritiken überhäuften sich mit Lobpreisungen, und das auch zu Recht. Dennoch ist Star Trek nicht das Non plus ultra – jedenfalls aus meiner Neulingssicht.

Star Trek erzählt von den jungen Tagen, in denen sich die Crew der U.S.S. Enterprise noch nicht kannten, somit erst kennen lernen mussten und das nicht ohne Schwierigkeiten. Knackpunkt der Crew stellt die Freundschaft zwischen Spock (Zachary Quinto) und dem rebellischen James Tiberius Kirk (Chris Pine) dar. Der erste ist ein in der Logik sich wohlfühlender Vulkanier, der jedoch auch zur Hälfte Mensch ist und aufgrunddessen von allen anderen – besonders im Kindesalter – gesondert behandelt wird und trotz seiner fabelhaften Ausbildung grundsätzlich als Außenseiter seines Stammes angesehen wird. Der andere ist ein Farmerjunge aus Iowa, dessen subversive Art ihn oft in Schwierigkeiten und Schlägereien gebracht hat und gleichermaßen seine (Anti-)Einstellung zur geordneten Struktur der Welt aufzeigt. Diese beiden sind dafür zuständig, dass auf der Enterprise alles verläuft wie es verlaufen soll. Doch bis sie es auf ihren harmonischen Nenner bringen ist es noch ein langer Weg.
Zuvor wird ihnen eine große Gefahr offenbart, die sich in Form von Nero (Eric Bana) schlagartig ausbreitet. Diesem ist in der Vergangenheit vermeintlich nur schlechtes widerfahren, besonders von den Vulkaniern, die seinen Planeten zerstört haben sollen. Die Rache ist seine einzige Lebensaufgabe geworden und auf seinem perönlichem Feldzug gegen seine Widersacher steht auch die Erde in seinem Visier.

J.J. Abrams hat es tatsächlich geschafft dieses Franchise neu auferleben zu lassen und das mit einem ohrenbetäubenden Tamtam. Der Beginn des Films ist vergleichbar mit Transformers und haut einen direkt aus dem Kinosessel. Besonders fetzig ist auch die Verfolgungsjagd vom Cop und dem jungen Kirk im Zusammenspiel mit Beastie Boys Sabotage. So kann ein Film gerne immer beginnen! Danach kommt natürlich das, worauf viele gewartet haben: Die Titelsequenz. Ja, es ist tatsächlich da, vor den Augen des Zuschauers. Star Trek – nach sieben Jahren wieder am Leben, mit einem rasendem Herzschlag.
Es gibt viele Momente in Star Trek, die das gewisse Etwas verspüren. Was der Zuschauer zu sehen bekommt ist bildgewaltige Action, die mit dem opulenten Score zu beeindrucken weiß. Denn auch hier ist wieder Abrams Mann für die Musik am Werk. Michael Giacchino ist bereits bekannt für seine Musik aus den Hitserien Lost und Alias und konnte sich bei Ratatouille sogar eine Oscar-Nominierung sichern. Nichtsdestotrotz bleibt das typische Star Trek Theme erhalten und dient als allgegenwärtiges Wiedererkennungsmerkmal.

Die Action kommt wirklich nicht zu kurz, denn die Zügel werden stark angezogen und nur ab und zu losgelassen. Man bekommt reichlich geboten, Langeweile wird man nicht verspüren. Besonders sticht hervor, dass Abrams eine sehr gute Action-Story-Relation aufweisen kann, denn auch die Charakterentwicklung kommt nicht zu kurz und durchleuchtet wenigstens die wichtigsten Figuren im angemessen Zeitraum. Dahingehend verbleiben konsequentermaßen viele Charaktere etwas unausgereift und stehen dem Captain und seinem Kommandeur ein wenig nach. Das will aber nicht den Spaß an dem Film rauben, denn hinzu kommen storytechnische Feinheiten, die als Überraschung im Hintergrund aufwarten. Dafür muss man dem Autorenduo Roberto Orci und Alex Kurtzman Respekt zollen, da sie nicht sofort von Abrams Projekt überzeugt waren, aber beschlossen ,,ins kalte Wasser zu springen“. Und was man erwarten kann vom Duo, das das Drehbuch zum ultimativen Blockbuster Transformers geschrieben hat, kann man sich vielleicht denken.

Es scheint sich wirklich ein Trend zu bilden, immer jüngere Schauspieler zu casten. In Star Trek findet sich sogar ein außerordentliches Ensemble zusammen, das man sicherlich nicht alle Tage sehen wird. Es sind viele dabei, die sich anderweitig einen Namen gemacht haben und in diesem Film eine Crew bilden, die jeder Herausforderung gemeinsam entgegensteht. Durch die Bank weg wurden passende Schauspieler gecastet, die widerum ihre Rollen sehr gut zu spielen wissen. Angelehnt an den altbekannten Star Trek Ikonen mimen die Schauspieler ihre Rollen, stellen jedoch nicht einfach nur jüngere Imitate dar, sondern entwickeln ihren persönlichen Eigenwert.
Besonders hervorzuheben ist wohl Eric Bana, den ich in dieser Rolle nicht widererkannt habe. Zuletzt noch im Pokerdebakel Lucky You gesehen entpuppt er sich hier als fieser Bösewicht, der aber auch einiges der täglich vierstündigen Sessions beim Maskenbildner zu verdanken hat. Aber auch sein Gegenpart, Captain der Enterprise, Chris Pine kann sich gut behaupten und gestaltet die Figur des Kirk so realitätsnah wie es nur geht. Zachary Quinto ist dementsprechend tiefgründig, entspringt aus seinem Syler-Dasein aus Heroes und schlägt hier eine neue Richtung ein.

Es sollten aber auch nicht die kleinen Rollen vergessen werden, da auch diese sehr zum Gesamtbild beitragen. Wer mir noch im Gedächtnis geblieben ist, ist Anton Yelchin, der den jungen Offizier unglaublich sympathisch rüberbringt und mit seinem Akzent und seiner ambitioniert, naiven Art zu gefallen weiß. Des Weiteren wäre da noch das eyecandy des Films Zoe Saldana, die mich stets an eine junge Version von Jada Pinkett Smith erinnert, die aber nicht nur auf ihr Äußeres reduziert wird, sondern zur Beziehungsproblematik zwischen Spock und Kirk beiträgt.
Etwas negativ aufgefallen ist mir der quirlige Scotty, der vom sympathischen Simon Pegg gemimt wird. Pegg ist mir schon zu sehr geprägt durch seine Rollen in Shaun of the Dead oder Hot Fuzz und will nicht so wirklich in das Ensemble passen. Dieser kleine Wermutstropfen lässt sich in Anbetracht des Ausmaßes, welches Star Trek darstellt, aber leicht aushalten.

Das größte Problem, dass ich jedoch mit Star Trek habe, ist die Unkenntnis meinerseits dieses schon lange existierenden Franchises. So kann ich mich in keinster Weise als Trekkie bezeichnen, geschweige denn alle Referenzen im Film erkennen. Dazu kann ich mich auch nicht so begeistern wie manch langjähriger Fan, wenn Star Trek Legende Leonard Nimoy in seiner Rolle erscheint und den prägnanten Satz Live long, and prosper aufsagt. Auch bin ich nicht überwältigt wie die Enterprise in der modernen CGI-Zeit nun aussieht und für mehrere Sekunden zelebriert wird. Dieses Defizit kann ich nicht sogleich ausbügeln und muss die Neuauflage von Abrams als Laie dieses Franchises lediglich als Sommerblockbuster ansehen, was es nunmal im Endeffekt auch ist.

Summa summarum ergibt Star Trek eine fulminante Mischung aus effektreicher Action und solider Erzählung, einem harmonischen Cast und adäquatem Score. Nur als Nicht-Trekkie unterliegt man dem Hype nicht so sehr wie langjährige Fans und begreift womöglich nicht das Ausmaß dieses Films. Dass Star Trek zu den besseren Sommerblockbustern dieses Jahres gehört, steht aber fest.

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– erschienen bei Sneakfilm