The 101 best written TV shows of all time

Die WGA (Writers Guild of America) hat die Serien gekürt, die am besten geschrieben wurden. Es ist eine sehr interessante Liste, auch wenn vieles diskutabel ist und wohl auch nicht ganz den Geschmack von vielen (und meinem eingeschlossen) trifft. So z.B. The Sopranos, welche auf die #1 fällt. Hm, nicht so mein Fall. Dafür freut es mich aber Friday Night Lights immerhin noch recht weit oben zu sehen (Platz 22). Die Liste erinnert mich auch wieder daran The Wire weiter zu gucken…

1. The Sopranos
2. Seinfeld
3. The Twilight Zone (1959)
4. All in the Family
5. M*A*S*H
6. The Mary Tyler Moore Show
7. Mad Men
8. Cheers
9. The Wire
10. The West Wing

22. Friday Night Lights =)

Die ganze Liste hier.

Mad Men – Season 4

In Season 4 der Hitserie Mad Men geht wieder alles von vorne los. Das Unternehmen Sterling/Cooper ist Geschichte. Nun heißt es Sterling/Cooper/Draper/Price. Ein neuer Anfang, ein neues Büro und doch hat sich nicht viel verändert, in den Menschen, in ihren Verhaltensweisen oder in ihrer Einstellung zur Welt. Zwar fängt das Unternehmen wieder klein an, aber sieht sich schon als große Werbefirma. Don Draper (Jon Hamm) jedenfalls ist immer noch das Genie, der Kopf hinter all dem. Gerade jetzt wo sein Name auf einer Glastür steht. So muss er sogleich auch sein Ego heraushängen lassen, als er für eine Zeitung ein Interview gibt am Ende der ersten Episode. Das ist Don Draper, ein Mann, dem die Welt zu Füßen liegt.

Rosa ist die Welt bei Mad Men jedoch immer noch nicht. Es hat sich einiges verändert seit der dritten Staffel. Ein neues Büro, Don hat sich von Betty getrennt – diese ist nun mit Henry Francis zusammen und ihre Kinder sind älter geworden. Letzteres ist besonders ausschlaggebend. Sally entwickelt mit der Zeit einen eigenen Kopf und will diesen auch oft durchsetzen. Sie schneidet sich die Haare, erkundschaftet ihren Körper und fährt alleine zu ihrem Vater, den sie seit der Trennung nur noch an Wochenenden sieht. Und jedes Mal wird sie angeschrien und böse angeschaut, von ihren Eltern. Das Kind hat es nicht leicht. Es würde helfen einfach mit ihr zu reden, aber anscheinend bevorzugt man es sie gleich zu einem Psychater zu schicken. Komische Welt. Und hoffnungsloses Großziehen.

Was die Hauptperson Don so treibt kann man sich denken. Das Übliche. Doch etwas hat sich für eine kurze Zeit geändert: In der Mitte der Staffel fängt Don an sich Dinge aufzuschreiben, seine Erlebnisse, seine Gedanken. Er geht schwimmen, er will aufhören zu trinken. Das hält aber leider nur ein paar Episoden lang an. Eine komplette Wandlung oder Entwicklung wird diesem Charakter wohl nicht gegönnt, auch wenn ich das wirklich gern sehen würde. Grund für diesen kleinen Sinneswandel ist tragisch und wohl eines der Tiefpunkte in Dons Leben. Gerade in dieser Staffel bekommt er wirklich zu spüren, was es heißt zu leben. Er hat tausend Gedanken, spürt den Schmerz der Welt und trägt immer noch seine schweren Lasten.

Mad Men ist und bleibt eine durch und durch charaktergetriebene Serie größerer Ordnung. So etwas sieht man wirklich nicht oft und das macht auch viel von der Faszination dieser Serie aus. Glücksmomente so wie Probleme in der Ehe, flüchtige Bekanntschaften, neue Bekanntschaften, sogar einen skurrilen Tod wird man in dieser Staffel zu sehen bekommen. Es gibt immer viel zu sehen in dieser Serie. Ganz heikel wird es am Ende der Staffel: Lucky Strike, die Hauptschlagader von Sterling/Cooper/Draper/Price, verabschiedet sich. Am Anfang der Staffel erst neu begonnen, scheint es nun wieder zu Ende zu sein. Aber nicht für Don. Der hat seine Sekretärin geheiratet, wie es sich für einen richtigen Bürochef gehört. Er scheint seit Ewigkeiten wieder Liebe zu verspüren. Wie ein kleiner Schuljunge grinst er und freut sich auf seine Süßigkeitentüte. Vergessen wird dabei seine andere Liebschaft Faye Miller (Cara Buono) oder seine alte Sekretärin, die es nicht mehr mit Don ausgehalten hat. Aber auch Joan (Christina Hendricks) oder Peggy (Elisabeth Moss) haben da ihre besonderen Momente. Erstere muss mit ihrem Ehemann klarkommen, der zum Militär gegangen ist ohne sie vorher zu fragen. Sie wird von Roger Sterling (John Slattery) getröstet, der ihr noch mehr Probleme bereiten wird. Und Letztere, Peggy, trifft ihre Altersgenossen alternativer Art und lernt neue Seiten im Leben kennen, abseits vom Büroalltag. Dabei entwickelt sie eine neue Einstellung zu ihrem Mentor Don und kann nur darüber lachen, wie diese Welt eigentliche funktioniert. Eine wunderbare Entwicklung ist hier zu beobachten. Eine Entwicklung von allen Charakteren, viele, die ich noch nicht einmal genannt habe, aber die auch ihren Teil erzählt bekommen. Dass Mad Men mich bis zur vierten Staffel hingehalten hat zeigt einfach, dass in dieser Serie vieles steckt, sehr viel sogar. Eine Serie, die man einfach weiterverfolgen will. Gut, dass die vierte sodann auch für mich persönlich sogar das Highlight bisher darstellte.

__________[ 7/10 ]__________

Mad Men – Season 1 – 3

Mad Men kann man gemeinhin in drei Wörter zusammenfassen: Drink, Smoke, Fuck. Wenn man diese Serie grob betrachtet, dann wird man einfach zustimmen müssen. Mad Men spielt in der patriarchalischen Welt der 50er/60er, wo Männer wirklich Männer sind, Frauen ihnen untergeordnet sind und ihnen jeden Wunsch von ihren Lippen lesen. Es sind die Männer einer Werbeagentur, die jeden Tag – so scheint es – eigentlich gar nicht arbeiten, sondern sich zusammen setzen, trinken, rauchen und ein wenig reden, über die nächste Kampagne eines großen Unternehmens. Sie denken über Slogans und Ästhetik nach und scheinen gut anzukommen. Es ist eine Erfolgsgeschichte in New York. Diese Männer sind an der Spitze und haben nicht den leistesten Wunsch etwas daran zu ändern.

Mad Men ist eine kühle, distanzierte Betrachtung auf diese selbsternannten mad men. Diese Distanz lässt die Serie auch besonders den Zuschauer spüren. In der ersten Staffel hat dieser nämlich gar nichts in dieser Welt zu suchen. Diese Männer leben für sich. Dass ihnen dabei Millionen von Menschen zuschauen ist ihnen ziemlich gleichgültig. Es werden keine besonders ansprechenden Charaktere vorgestellt, es sind sich selbst liebende Schweine, die einfach alles machen worauf sie Lust haben. Hauptsache der Klient ist am Ende zufrieden und das Geld fließt. Die erste Staffel ist in keinster Weise bedacht den Zuschauer zu umwerben, geschweige denn die Distanz vom Zuschauer zu den Charakteren zu kürzen. Gerade diese Haltung ist der Grund warum mich diese Serie überhaupt nicht angesprochen hat, aber zugleich auch fasziniert hat. Meine Bewertung ist dementsprechend im nahen Mittelbereich.

Im Verlauf der nächsten zwei Staffeln verändert sich Mad Men ein klein wenig. Es gibt einiges, dass mir immer noch überhaupt nicht gefällt, aber auf der anderen Seite macht Mad Men endlich seine Barriere auf, die sie in der ersten Staffel schon von Anfang an verteidigte. Die Männer werden zu Menschen. Es wurde langsam Zeit. Im Mittelpunkt steht Don Drapers (Jon Hamm) Geschichte. Ein Mann, von dem niemand wusste, wer er wirklich ist oder war. Nicht einmal seine Frau Betty (January Jones) hatte eine konkrete Ahnung, wer dieser Mann in Wirklichkeit ist. Don ist eine dominante Figur, die im Beruf von allen geliebt und gehasst wird und doch sind alle von ihm abhängig. Schon bald ist Don das wahre Gesicht des Unternehmens SterlingCooper, das Genie, welches er eigentlich gar nicht ist. Seine turbulente Vergangenheit wird langsam und bedacht aufgedeckt und man bekommt einen Einblick, wer dieser Mann eigentlich ist. Am Ende sieht man nicht einmal mehr die Dominanz, sondern nur einen einfachen Mann, der, wenn es darauf ankommt, zwar im Büro, aber nicht zu Hause, die richten Worte finden kann.

Mad Men ist aber nicht die alleinige Don Draper Show. Auch die anderen Charaktere kommen überhaupt nicht zu kurz. Es gibt keine Episoden, in der eine Person besonders in den Vordergrund tritt. Viel mehr haben alle Beteiligten ihren Teil in der Episode, in der sie sich weiter entwickeln und nicht das Gesicht im Büro, sondern das im eigenen Heim zeigen. Mit der Zeit entwickelt sich Mad Men wahrlich zu einem immer tiefer gehenden Konstrukt der charakterlichen Weiterbildung. Man muss immer mehr darauf achten, wo diese Charaktere überhaupt herkommen. Das erklärt ihr Verhalten, das erklärt ihr Wesen. Alleine Don Draper ist mir immer noch trotz der Aufdeckung seiner Vergangenheit ein unerklärliches Wesen, dessen Affairen und Handlungen ich nicht nachvollziehen kann. Manchmal scheint er ein Gewissen zu haben, manchmal aber auch nicht. Er ist eine Figur, die vielleicht klarer eingegrenzt werden sollte. Dieser Mann stellt Mad Men dar und wenn er nicht endlich mal seine Linie findet, dann wird aus der Serie einfach nichts mehr, auch wenn sie schon drei Staffeln besitzt.

Zu Anfang eine kalter Klotz, blüht Mad Men mit der Zeit auf und erzeugt ein wenig Leben in diese, von unserer Zeit aus gesehen, sehr entfernte Welt. Es gibt Ansätze, in denen sich auch in der Zeit von Mad Men sich die Geschlechterrollen nicht mehr so deutlich abgrenzen. So besitzt Betty, als anständige Ehefrau und Mutter, endlich den Mumm Don entgegenzutreten und ihren eigenen Willen durchzusetzen. Auch Peggy Olson (Elisabeth Moss) hat es von der einfachen Sekretärin zu einem wichtigen, mitbestimmenden! Teil der kreativen Gruppe der Männer mit eigenem Büro geschafft. Die Zeiten ändern sich, und das merkt man Mad Men auch an. Es wird über Homosexualität gesprochen, Emanzipation, familiäre Probleme und die einfachen Schwierigkeiten in einem Unternehmen, welches sich immer wieder fragen muss, was und wer es eigentlich ist. Zwar hat Mad Men mich persönlich nicht im großen Maße mitgerissen, aber sie hat es immer wieder geschafft die Faszination aufrechtzuerhalten.

__________[ 6,5/10* ]__________

*Einzelbewertung der Staffeln: S01 – 6,5/10, S02 – 6/10, S03 – 6,5/10