Scott Pilgrim Gegen Den Rest Der Welt – 3,2,1…FIGHT!

Scott Pilgrim, 22, Loser. Aktuelle Freundin: Knives Chau, 17, Schülerin. Seine Traumfrau: Ramona Flowers. Amerikanerin, anders. Scott will sich Ramona nähern. Problem: Ihre 7 Ex-Lover. Im Grunde geht es in Scott Pilgrim Gegen Den Rest Der Welt lediglich um diese Situation. Was würde man für die Liebe alles machen?< In diesem Fall ist es Scott Pilgrim, der, um mit Ramona eine Beziehung führen zu können, ihre sieben Ex-Lover besiegen muss. Umhüllt wird dieser Weg von einem Band-Wettbewerb bei dem Scotts Band ,,Sex Bob-omb“ teilnimmt. Im Verlauf des Wettbewerbs stellen sich nun die Ex-Lover in seinen Weg, erst überrascht, dann entschlossen muss Scott sie einer nach dem anderen besiegen, Level pro Level bis zum Endgegner, für das ersehnte Ziel: Ramona.

Auf den ersten Blick ist Scott Pilgrim ein Film, der bestimmt nicht jedem gefallen wird. Es ist die Umsetzung in Filmform durch Edgar Wright (Shaun of the Dead, Hot Fuzz) der gleichnamigen Comic-Reihe von Bryan Lee O’Malley, welche schon in den Comic-Sphäre ein hohes Ansehen erreicht hat. Man könnte sagen, dass dieser Film zugeschnitten auf eine junge Generation ist, die sich von der modernen Technologie gerne und oft blenden lässt, die von den vielen Lichtern nicht genug bekommt und sich in den rechteckigen Bildschirmen verlieren kann. Es sind Menschen, die gerne Videospiele spielen, Comics lesen, sich darin wohlfühlen, aber dafür eine Sparte darstellen, die meistens unter einem negativen Licht steht. Kurz: Die Rede ist von Nerds. Es ist die The Big Bang Theory Generation sozusagen. Dass das nicht ganz so richtig ist, wird sich noch herausstellen. Primär werden diese Fans natürlich den  meisten Spaß an diesem Film haben, also die, die den Comic kennen und die Atmosphäre darin lieben. Ich für meinen Teil kenne die Comic-Reihe nicht, spiele keine Videospiele, aber konnte mich dennoch für diesen Film ungemein begeistern. Der Grund ist einfach: Scott Pilgrim macht unheimlich Spaß, egal, ob man die Comics kennt oder nicht, gleichgültig, ob man Videospiele spielt oder nicht. Scott Pilgrim ist ein Film, der potentiell einfach jedem Gefallen kann. Es ist eine einfache Geschichte, es sind sehr eigenständige Charaktere, der Humor ist originell und das alles wird audiovisuell in allen Belangen perfekt auf die Leinwand gebracht.

Ob die Adaption auf die Leinwand wirklich passend ist und jeder Fan der Reihe damit zufrieden sein wird kann ich nicht beurteilen. Das Resultat ist dennoch aus vielen Gründen gelungen. Fängt man mit der Optik an, dann wird man sehr schnell feststellen, dass man sich nicht in der Realität befindet. Man ist in einem Comic und in einem Videospiel, mit Lichtern, Effekten und ausgeschriebenen Sounds. Diese Grundlage bietet den Machern eine schier unglaubliche Menge an Freiraum der Darstellung. Man kann die Bewegungen so rasant gestalten wie man sie haben möchte oder die einfachsten Bassgriffe als die größten Erdbeben wirken lassen. Es sind einfach Bilder, die man so noch nicht gesehen hat, vielleicht in einem kleineren Maße, aber nicht so. Manche Einstellungen, manche Bilder hätte ich gerne zum Kaffee eingeladen, verführt und ihnen dann nach angemesserner Zeit einen Heiratsantrag gemacht. Es sind großartige Aufnahmen, die einem Videospiel-Gemälde ähneln. Kaum zu glauben, aber auch die Videospielwelt ist wahrhaftig schön anzusehen. Es bleibt noch nicht einmal bei einer Videospielwelt. Es ist auch die normale Welt, die sich damit vermischt und eine herrlich grotesk, schrille Optik bietet.

Auditiv werden die Bilder mit den genialsten Videospielsounds unterstützt, angefangen mit dem Retrosounds der alten Konsolen bis hin zu der brummigen Stimme, die in den Kampfspielen das ,,K.O.!“ herausposaunt. Die Sounds sind nuanciert und perfekt eingesetzt, erdrücken die Atmophäre nicht und bilden stattdessen eine Grundlage für das Gefühl, welches dieser Film bietet. Es ist eine Atmosphäre, die sich rasant ändert, hyperaktiv und schrill ist, aber nie zu einem overkill führt. Es bleibt kurzweilig und es bleibt spaßig. Der Film geht nun nicht wirklich lange, aber nach einiger Zeit hab ich mich gefragt, wie sie denn noch diesen und jenen Ex-Lover hineinpacken wollen, so viel ist schon in den letzten Minuten geschehen. Es bleibt nur zu hoffen, dass nicht gleich andere Produktionen aus dem Boden entspringen, die die gleiche audiovisuelle Perfektion hinbekommen wollen, denn das wird nicht gelingen. Scott Pilgrim könnte man als kleinen Onehitwonder-Film ansehen, den man nicht nachmachen kann und auch nicht nachmachen sollte. Es wird ein billiger Abklatsch, wenn man es versuchen sollte. Denn neben dieser audiovisuellen Rausch sind auch die Charaktere, der Humor, die Dialoge bis in die letzte Minute originell.

Michael Cera, der unbeholfene Junge, der immer die gleiche Rolle zu spielen scheint, kann hier endlich in der Rolle des Scott Pilgrim mal die Sau rauslassen. Er ist natürlich immer noch dieser Junge, der leise und undeutlich spricht, vor Mädchen schüchtern ist, aber dieses Mal ist er dafür auch noch ein ziemlich großer Rockstar und haut, wenn es drauf ankommt, den Ex-Lovern auf die Fresse. Es ist herrlich ihn endlich in so einer Rolle zu sehen. Es passt zu ihm und man kann ihm seinen ganzen Charakter abkaufen. Passend dazu ist natürlich auch Mary Elizabeth Winstead, die seine Traummädchen Ramona spielt, für die sicherlich jedermann die Aufgabe annimmt, deren sieben Ex-Lover zu besiegen, um mit ihr zusammen sein zu können. Beide Schauspieler sind noch trotz ihrer beeindruckenden Vita noch am Anfang ihrer Karriere und können durch solche Rollen andere Seiten zeigen, die man von ihnen zuvor noch nicht gesehen hat.

Grandios sind nicht nur die beiden. Auch der Einsatz von etlichen Cameos bzw. einigen weiteren namenhaften Schauspielern versüßen diesen Film um einiges. So spielt Chris Evans z.B. einen Ex-Lover, der – als Actionstar üblich – erstmal seine Stuntdoubles gegen Scott antreten lässt. Daneben gibt es noch Anna Kendrick (Up In The Air), die Scotts Schwester spielt; Kieran Culkin, Scotts schwuler Mitbewohner; Jason Schwartzman, Ramonas Ex-Lover Gideon; Brandon Routh (Superman Returns, Chuck), den man in einer der witzigsten Rollen als Veganer in diesem Film zu sehen bekommt; Brie Larson (United States Of Tara), so wie Thomas Jane in einem Cameo. Es ist ein grandioser Cast, bei dem wirklich alles harmoniert.

Scott Pilgrim Gegen den Rest der Welt ist in jeder Hinsicht einfach eine positive Überraschung gewesen. Der Humor ist anders und fixiert sich nicht wie die typischen, plumpen Komödien auf Drogen und Geschlechtsorgane, er ist anders. Und besser. So bestellt Scott z.B. ein Paket, weil er weiß, dass Ramona die Lieferungen ausführt und wartet nach dem Klick am Computer im Schneidersitz vor der Haustür. Es ist eine zwanglose, lockere Atmosphäre, eine einfache Aktion, aber so herrlich skurril, dass das Lachen vorprogrammiert ist. Aber nicht nur der Humor ist genial, sondern auch die Action. Die Kampfszenen sind wunderbar choreographiert und könnten manchem anderen Actionfilm ohne Probleme das Wasser reichen, wenn nicht sogar übertrumpfen.

Ich kann nur schwer etwas gegen diesen Film schreiben. Man hat den Handlungsstrang mit Scotts Ex Envy (Brie Larson) mit der Zeit etwas vernachlässigt, aber das merkt man erst, wenn der Rausch vom Film abgeklungen ist, und der dauert lange an. Die Story ist einfach gestrickt, wie ein Videospiel eben. Gegner, die man bekämpfen muss bis zum Endgegner. Das Ganze ist natürlich vorhersehbar, aber Wright hat bestimmt kein vielschichtiges Werk gewollt. Als Macher von Shaun of the Dead und Hot Fuzz ist die Story offensichtlich nicht der Punkt, worauf man sich konzentrieren sollte, besonders nicht bei Scott Pilgrim. Es ist eine Liebesgeschichte und ein rasantes, aufregendes, spaßiges Abenteuer. Es ist ein lebendig gewordener Comic. Es ist das beste Videospiel, das keines ist.

__________[ 9,5/10 ]__________

Für Sneakfilm

Arrested Development – Season 1 – 3

Arrested Development ist mit einer der bestbewertesten Serien auf IMDb. Mit der Wertung 9,7/10 habe ich schon einiges erwartet. Meine Befürchtung war aber immer, dass sie einfach nicht witzig genug ist oder seinen Lobhymnen nicht standhalten kann. Diese Befürchtungen wurden aber leider teilweise Wirklichkeit. Arrested Development ist nämlich nicht das Witzigste, was ich je gesehen hätte. Der Humor ist sehr einfach gehalten, es gibt sehr viele Wortspielereien, grobe Missverständnisse, viele verschiedene Familienmitglieder, die ihre speziellen Eigenartigkeiten aufweisen und auf denen viele Gags basieren. Mittelpunkt ist Michael Bluth (Jason Bateman), der als vermeintlich einziger Normaler in dieser sehr verrückten Familie alles richten muss, weil sein Vater George (Jeffrey Tambor) mit illegalen Machenschaften in seinem Unternehmen verbunden ist und deshalb ins Gefängnis muss. Aber diese Konstellation birgt aufgrund seiner Charakterentwicklung Schwierigkeiten. Michael hält sich für den besten, ist oft arrogant, ist gerade nicht immer der Erlöser der Familie und desöfteren einfach extrem unsympathisch. Die Storyline ist über alle drei Staffeln nicht der Rede wert, weil sie sich einfach nur etwas wiederholt. Ein Familienmitglied (oder mehrere) macht wieder einmal Stress und Michael ist genervt und versucht die Situation zu lösen. Michael ist die ganze Zeit über einfach nur genervt und fährt von Ort zu Ort, um mit allen Beteiligten zu reden, was am Ende einfach gar nichts bringt, sodass es ständig in einer argwöhnischen Situation endet, die kein Resultat besitzt.

Das Problem, dass ich mit Arrested Development hatte, ist dass es für die Zeit einer Episode einfach oft viel zu ruhig ist, alles laufen lässt und selten einen Höhepunkt aufweisen kann. Da können gelegentliche Wortspielereien auch nicht immer diese nah an Langeweile grenzende Atmosphäre retten, was aber nichtsdestotrotz nicht heißt, dass nicht einige dieser Spielereien dennoch einen wiederkehrenden Unterhaltungswert aufrecht erhalten können, wenn man sich denn erst so langsam an die Serie gewöhnt hat. Zu erwähnen ist natürlich die Nichte von Michael mit dem eigenwilligen Namen Maeby (Alia Shawkat) oder die groteske Namenwahl seines Sohnes, der unglücklich George Michael (Michael Cera) heißt. Daneben wäre noch der Anwalt Bob Loblaw (schnell ausprechen!) und einfache, simple Aussagen wie „I blue myself“ zu erwähnen, die die Finesse der Dialoge auszeichnen. Ich musste mich wirklich erst an diesen Humor gewöhnen, aber wenn man einmal drin ist, kann man über die vielen Hänger auch gelegentlich hinwegsehen. Enttäuschend ist jedoch, dass sich die Serie nie wirklich was traut etwas anderes zu zeigen, als sie es in den drei Staffeln macht. Es gibt keine wirklichen Ausreißer nach unten, aber dafür auch nie wirklich eine Episode, die sich von den anderen abheben könnte. Alle Folgen sind in ihrer Art gleich und deshalb auch etwas fad, wenn man das Gesamtbild betrachtet. Es ist natürlich immer wieder witzig, wie George Michael versucht sich seiner Cousine Maeby zu nähern, weil er sich in sie verliebt hat, aber so ganz das Highlight lässt sich dort auch nicht finden. Entzückt war ich Portia de Rossi zu sehen, die ich zunächst nur aus Better Off Ted kannte. Aber das hat die hohe Wertung auf IMDb immer noch nicht gerechtfertigt, auch wenn Staffel 3 im Gegensatz zu den anderen beiden einen Sprung nach oben gemacht hat. Insgesamt einfach nur „gut“.

Durch die letzten Worte in der letzten Folge und durch aktuellen Neuigkeiten wird gemunkelt, dass es bald wohl einen Film geben wird. Ich bin skeptisch, ob sich das Konzept der Serie auf Spielfilmlänge ausbreiten lässt, aber ich lass mich gern überraschen.

__________[ 6,5/10* ]__________

*Für alle Staffeln zusammen. Einzelbewertungen: S01 – 6/10, S02 – 6/10, S03 – 7/10