Beauty And The Geek – oder weil Deutschland das Wort „Geek“ nicht kennt und „Nerd“ zur Zeit hipper ist: Beauty And The Nerd – und warum es Deutschland einfach nicht schafft, das Format umzusetzen

BeautylogoEs sind gerade mal zwei Episoden von „Beauty and the Nerd“ (B&N) gelaufen und man merkt jetzt schon, dass der deutschen Version von „Beauty and the Geek“ (B&G) etwas fehlt bzw. etwas ganz gewaltig nicht stimmt. Es ist einfach schade mit anzusehen wie die, von mir mit einem Augenzwinkern gepriesene, tollste Show auf der Welt von Prosieben verhunzt wird. Das Original ist in aller Kürze darauf ausgelegt den Menschen, die in die Villen einziehen für ein paar Wochen eine Möglichkeit zu geben, andere Menschen kennen zu lernen, mit denen sie wahrscheinlich nicht häufig in Kontakt gekommen sind und gerade mit denen über sich selbst etwas herauszufinden: Dass nämlich die Geeks nicht nur hässliche Entleine sein müssen, die sich in ihren Büchern verstecken brauchen und dass die Beautys nicht nur blöd und schön sind, sondern auch was schaffen können, wenn sie sich nur anstrengen und sich nicht nur auf ihr Aussehen verlassen.

B&N und Prosieben hat dieses Konzept nicht ganz verstanden. Prosieben hat es geschafft dieses Format, dass ich sehr gerne in seiner US-Version und zur Zeit sogar in ihrer australischen Version gesehen habe und schaue, zu verhunzen. Kommen wir langsam auf die Fehler von B&N:

Was am Ende der Episoden auffällt: In Deutschland läuft tatsächlich vieles einfach zu lang. B&N läuft ganze 100 Minuten lang, das Original hingegen nur 60 Minuten. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass in Deutschland einfach Sendezeit gefüllt werden muss, weil nichts anderes läuft oder ob es einfach die Mentalität ist unnötig lange etwas zu zeigen ohne daraus einen Mehrwert zu bekommen. Das Problem ist hier einfach, dass aus diesem Zeitunterschied nicht eine „Episode“ entstammt, wie in den USA, sondern eine „Show“. Letzteres entsteht gerade dadurch, dass gerade der Moderator, wie auch immer er heißen mag, sich zu sehr einmischt. Er moderiert, er lässt zwischendurch Spielchen laufen, kommentiert alles und stört einfach. Um das Konzept von B&G umzusetzen braucht man keinen Moderator, der ständig an der Seitenlinie steht und irgendwas kommentiert – er hat gefälligst einfach im Hintergrund zu bleiben und nur die wichtigen Spiele einzuleiten, die Gewinner bekanntzugeben und das Quiz am Ende zu führen. Mehr nicht. Gerade aus dem Gegenteil entsteht eine Show für den fiktiven Live-Zuschauer.

Die dermaßen hohe Sendezeit für den Moderator breitet sich weiter aus auf die anderen eigentlich unwichtigen Menschen, wie den Stylisten, der das Make-Over der Geeks/Nerds bestimmt. In den anderen Versionen kommt dieser nur kurz vor und sagt dem Geek, dass er aus ihm einen feschen Kerl machen wird. In Deutschland leider, leider: Thomas Rath, eine Persönlichkeit, die man sich aus „Germanys Next Top Model“ geborgt hat und die man leider kennt. Und weil man ihn kennt wird diesem auch Sendezeit geschenkt, damit er ganz viele Kommentare ablassen kann, wie gut denn das Make-Over gelaufen ist und wie „heiß“ nun der neue Nerd sei. Dadurch wird wieder unnötig Zeit verschwendet und trotz des guten Make-Overs zu viel Show drum gemacht.

Kommen wir zu den Spielen und dem Quiz: In der ersten „Episode“ von B&N wurde reichlich von der australischen Version abgeguckt und quasi alles übernommen. Da dachte ich schon, dass sich Prosieben nichts neues einfallen lässt. Das hat sich immerhin in der zweiten Folge teilweise geändert. Es sind nicht die besten Spiele, aber seis drum. Wichtiger ist eigentlich: Warum haben nur die Nerds etwas zu tun? Wo bleiben die Beautys und deren Aufgaben? Bisher lagen sie nur auf Betten und müssen gerettet werden. Und da kommt die große Befürchtung und fast Sicherheit, dass die Beautys nichts lernen sollen, sondern das Hauptaugenmerk von B&N ist, die Nerds als anderes Wesen darzustellen, welche geändert werden müssen. Und das ist einfach falsch.

In Verbindung mit dem Quiz am Ende merkt man eindeutig, dass die Kandidaten eigentlich gar nichts lernen sollen. Die Kandidaten – und das ist größtenteils der Abkupferung von der australischen Version von B&G zu verdanken (die es jedoch dennoch besser macht als Prosieben…) – müssen nämlich gar nicht jede Woche ein Themengebiet lernen, in Bezug darauf Challenges gewinnen und am Ende im Quiz zu dem Themengebiet, das sie gelernt haben Fragen beantworten. Nein, Prosieben entscheidet sich eher dafür die Kandidaten im Unwissenden zu lassen, was im Quiz vorkommen wird und stellt zusätzliche kleine Spielchen vor, mit denen „Joker“ gewonnen werden können (und die nochmals Zeit brauchen..), um herauszufinden was im Quiz für ein Thema dran kommen wird. Also um das nochmal festzuhalten: Die Kandidaten sollen im Haus herumeiern und am Ende der Show einfach irgendwelche Fragen beantworten, auf die sie nicht vorbereitet sind. Super Konzept, wirklich super.

Am Ende der Show hat man das Gefühl eine Art „Germanys Next Top Model“ gesehen zu haben. Optisch ist es den anderen Versionen von B&G angepasst, aber inhaltlich mit einem ganz falschen Konzept bestückt, welche den Kandidaten nicht hilft (ob geschauspielert oder nicht sei dahingestellt), dem Zuschauer ein Format gibt mit wenig Unterhaltungswert und welches aus B&N eine Show macht, die man sich leider schenken kann. Ich habe mich eigentlich gefreut eine deutsche Version von dieser tollen Show zu sehen, aber das deutsche Fernsehen hat es wieder geschafft einen Grund zu liefern, warum man es nicht sehen sollte.

Mao’s Last Dancer – Step Up Chinese

Es ist Anfang der 70er Jahre als der elfjährige Li Cunxin in seinem Heimatland China ausgewählt wird an einer Akademie das Tanzen zu lernen und sein Land mit Stolz zu ehren. Er wird während einer langjährigen Ausbildung zu einem fabelhaften Balletttänzer, der auf den Höhepunkt seines bisherigen Lebens, die Akademie, nochmals eine Überraschung erfährt: Er darf nach Amerika, um dort bei einem Kulturaustausch teilzunehmen. Es ist das größte Glück, seine Familie – so wie seine ganze Heimatprovinz – ist arm und so eine Chance bekommt nicht jeder. In Amerika angekommen entdeckt er Freiheiten, die er in seiner Heimat nicht hatte, er bekommt ein Gespür, was es heißt wirklich frei zu sein, in seinem Leben und in seinem Tanz. Doch die Freiheit währt nicht lang. Das chinesische Konsulat ist besorgt, dass Li sich zu sehr an die amerikanische Lebensart gewöhnt hat und so sein Heimatland hintergeht. Li muss sich entscheiden, ob ihm die Freiheiten in Amerika wichtiger sind als sein Heimatland und seine Familie…

Mao’s Last Dancer erzählt eine Geschichte über Politik, Tanz, Freiheit, Liebe und Leidenschaft. Es geht autobiografisch um den Einzelfall von Li Cunxin, der von Chi Cao gespielt wird, selbst professioneller Balletttänzer und in seiner ersten bemüht gespielten Schauspielerrolle. Er liebt es zu tanzen, aber es wird schnell deutlich, dass es zwei Seiten von Tanz gibt. In China tanzt Li politisches Ballett, in den USA ein freies Ballett. In einer Szene sagt ein Mann, dass man diese beiden Arten von Ballett nicht miteinander kombinieren könne. Genau das wird auch im Film gezeigt. Li muss sich für eine Art von Ballett entscheiden, es ist dieses oder jenes, ,,böses“ Ballett oder ,,gutes“ Ballett. Es wird schnell klar, welches von den beiden Arten ,,böse“ ist. Die ganze Schwarzweißmalerei ist allzudeutlich erzählt und wird mit der Zeit zu einem melodramatischen Höhepunkt hochgetrieben, welches in einem letzten Standbild endet, das übertriebener nicht sein könnte. Es hat ein leidenschaftlicher Film werden sollen, der voller Gefühle ist und aus dem Leben von Li seine Emotionen schöpft. Doch dem ist leider nicht so.

Regisseur Bruce Beresford (Driving Miss Daisy) in allen Ehren, aber Mao’s Last Dancer ist ein Film, der auf einem schematischen Drehbuch basiert, ohne jegliche Ambitionen zu zeigen etwas anderes sein zu wollen, als es ist und viele andere Filme schon gewesen sind. Es ist die typisch vorhersehbare Geschichte des Fremden, der nach Amerika kommt, Freiheiten entdeckt, die er zuvor nie erlebt hat. Dabei werden seine sprachlichen Barrieren als Stütze für allerlei bemüht witzige Momente genommen, um ihn als Gutmenschen zu charakterisieren. Bei all diesen Bemühungen wird vergessen überhaupt eine schlüssige und glaubhafte Geschichte zu erzählen. So geht er z.B. nach nur geringer Zeit in Amerika direkt auf eine Tänzerin, Elizabeth Mackay (Amanda Schull), in der Akademie zu und fängt mit ihr eine Beziehung an. Seine Motivationen werden nicht durchleuchtet, sein Inneres bleibt die ganze Zeit verborgen. Der Zuschauer schaut sich das ganze an, aber kann für die beiden keine Gefühle entwickeln. Beresford kann sich nicht die ganze Zeit darauf verlassen, dass die Geschichte vom großen Glück des Li den Zuschauer bei Stange hält. Die Figuren müssen auch wirklich leben und nicht nur ihre Rollen erfüllen. Doch das tun sie leider fast allesamt. Es sind leere Figuren, die aufgrund des sehr schwachen Drehbuchs einfach keine Emotionen entwickeln können.

Diese Antriebslosigkeit des Films zeigt sich auch in der Kameraarbeit, kein Bild ist besonders, keine Aufnahme in einer Art und Weise beeindruckend. Es ist allumfassend einfach durchwachsen und unerträglich durchschnittlich. Es werden Tänze gezeigt, die von sich aus teilweise überzeugen können, aber aufgrund der Makel des Films einfach nicht vollends wirken. Gerade diese Tänze hätten mit Leben gefüllt werden können, mit mehr als nur einer stillen Kamera, die frontal draufhält. Einzig der erste Tanz in China konnte durch sein politisch verfeinerten Einfluss von sich aus wirklich alleine unterhalten. Die weiteren Tänze sind Standardeinlagen ohne jeglichen Mehrwert.

Mao’s Last Dancer besitzt einige Momente, die erfreulich anzusehen sind, so ist das nicht. Es sind halt nur durchschnittliche Szenen, die nach und nach mit mehr Melodrama abgespielt werden. Es ist ein Schema, das aufgrund des Drehbuchs einfach nicht überzeugen kann. Lediglich die letzten Szenen des Films – genauer: Lis‘ vorletzter Tanz – können aufgrund ihrer universellen Bedeutung familiärer Verbundenheit Emotionen erwecken, die den ganzen Film über nicht da gewesen sind. Aber diese letzten Szenen können nicht darüber hinweg helfen, dass Mao’s Last Dancer mit all seinen Schwächen insgesamt nur ein etwas unterdurchschnittlicher Film ist, dessen Fehler nicht in der Geschichte des Ballettstars Li liegen, sondern in ihrer mäßigen Umsetzung.

__________[ 4/10 ]__________

Mao’s Last Dancer kommt am 04.11.10 in die deutschen Kinos.

Für Sneakfilm