Mao’s Last Dancer – Step Up Chinese

von Khitos

Es ist Anfang der 70er Jahre als der elfjährige Li Cunxin in seinem Heimatland China ausgewählt wird an einer Akademie das Tanzen zu lernen und sein Land mit Stolz zu ehren. Er wird während einer langjährigen Ausbildung zu einem fabelhaften Balletttänzer, der auf den Höhepunkt seines bisherigen Lebens, die Akademie, nochmals eine Überraschung erfährt: Er darf nach Amerika, um dort bei einem Kulturaustausch teilzunehmen. Es ist das größte Glück, seine Familie – so wie seine ganze Heimatprovinz – ist arm und so eine Chance bekommt nicht jeder. In Amerika angekommen entdeckt er Freiheiten, die er in seiner Heimat nicht hatte, er bekommt ein Gespür, was es heißt wirklich frei zu sein, in seinem Leben und in seinem Tanz. Doch die Freiheit währt nicht lang. Das chinesische Konsulat ist besorgt, dass Li sich zu sehr an die amerikanische Lebensart gewöhnt hat und so sein Heimatland hintergeht. Li muss sich entscheiden, ob ihm die Freiheiten in Amerika wichtiger sind als sein Heimatland und seine Familie…

Mao’s Last Dancer erzählt eine Geschichte über Politik, Tanz, Freiheit, Liebe und Leidenschaft. Es geht autobiografisch um den Einzelfall von Li Cunxin, der von Chi Cao gespielt wird, selbst professioneller Balletttänzer und in seiner ersten bemüht gespielten Schauspielerrolle. Er liebt es zu tanzen, aber es wird schnell deutlich, dass es zwei Seiten von Tanz gibt. In China tanzt Li politisches Ballett, in den USA ein freies Ballett. In einer Szene sagt ein Mann, dass man diese beiden Arten von Ballett nicht miteinander kombinieren könne. Genau das wird auch im Film gezeigt. Li muss sich für eine Art von Ballett entscheiden, es ist dieses oder jenes, ,,böses” Ballett oder ,,gutes” Ballett. Es wird schnell klar, welches von den beiden Arten ,,böse” ist. Die ganze Schwarzweißmalerei ist allzudeutlich erzählt und wird mit der Zeit zu einem melodramatischen Höhepunkt hochgetrieben, welches in einem letzten Standbild endet, das übertriebener nicht sein könnte. Es hat ein leidenschaftlicher Film werden sollen, der voller Gefühle ist und aus dem Leben von Li seine Emotionen schöpft. Doch dem ist leider nicht so.

Regisseur Bruce Beresford (Driving Miss Daisy) in allen Ehren, aber Mao’s Last Dancer ist ein Film, der auf einem schematischen Drehbuch basiert, ohne jegliche Ambitionen zu zeigen etwas anderes sein zu wollen, als es ist und viele andere Filme schon gewesen sind. Es ist die typisch vorhersehbare Geschichte des Fremden, der nach Amerika kommt, Freiheiten entdeckt, die er zuvor nie erlebt hat. Dabei werden seine sprachlichen Barrieren als Stütze für allerlei bemüht witzige Momente genommen, um ihn als Gutmenschen zu charakterisieren. Bei all diesen Bemühungen wird vergessen überhaupt eine schlüssige und glaubhafte Geschichte zu erzählen. So geht er z.B. nach nur geringer Zeit in Amerika direkt auf eine Tänzerin, Elizabeth Mackay (Amanda Schull), in der Akademie zu und fängt mit ihr eine Beziehung an. Seine Motivationen werden nicht durchleuchtet, sein Inneres bleibt die ganze Zeit verborgen. Der Zuschauer schaut sich das ganze an, aber kann für die beiden keine Gefühle entwickeln. Beresford kann sich nicht die ganze Zeit darauf verlassen, dass die Geschichte vom großen Glück des Li den Zuschauer bei Stange hält. Die Figuren müssen auch wirklich leben und nicht nur ihre Rollen erfüllen. Doch das tun sie leider fast allesamt. Es sind leere Figuren, die aufgrund des sehr schwachen Drehbuchs einfach keine Emotionen entwickeln können.

Diese Antriebslosigkeit des Films zeigt sich auch in der Kameraarbeit, kein Bild ist besonders, keine Aufnahme in einer Art und Weise beeindruckend. Es ist allumfassend einfach durchwachsen und unerträglich durchschnittlich. Es werden Tänze gezeigt, die von sich aus teilweise überzeugen können, aber aufgrund der Makel des Films einfach nicht vollends wirken. Gerade diese Tänze hätten mit Leben gefüllt werden können, mit mehr als nur einer stillen Kamera, die frontal draufhält. Einzig der erste Tanz in China konnte durch sein politisch verfeinerten Einfluss von sich aus wirklich alleine unterhalten. Die weiteren Tänze sind Standardeinlagen ohne jeglichen Mehrwert.

Mao’s Last Dancer besitzt einige Momente, die erfreulich anzusehen sind, so ist das nicht. Es sind halt nur durchschnittliche Szenen, die nach und nach mit mehr Melodrama abgespielt werden. Es ist ein Schema, das aufgrund des Drehbuchs einfach nicht überzeugen kann. Lediglich die letzten Szenen des Films – genauer: Lis’ vorletzter Tanz – können aufgrund ihrer universellen Bedeutung familiärer Verbundenheit Emotionen erwecken, die den ganzen Film über nicht da gewesen sind. Aber diese letzten Szenen können nicht darüber hinweg helfen, dass Mao’s Last Dancer mit all seinen Schwächen insgesamt nur ein etwas unterdurchschnittlicher Film ist, dessen Fehler nicht in der Geschichte des Ballettstars Li liegen, sondern in ihrer mäßigen Umsetzung.

__________[ 4/10 ]__________

Mao’s Last Dancer kommt am 04.11.10 in die deutschen Kinos.

Für Sneakfilm

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